Eric Welbers © ndF/Frank Lübke
ndF-Geschäftsführer Eric Welbers im Interview

"Im Moment mache ich mir schon ein bisschen Sorgen"

 

Die Produktionen laufen zwar langsam wieder an, aber auch bei der ndF gab es zuletzt Unterbrechungen und Verschiebungen. Geschäftsführer Eric Welbers spricht im DWDL.de-Interview über den Status Quo, die geplante "Schwarm"-Serie und in Zukunft wohl fehlendes Budget bei den Sendern.

von Timo Niemeier
16.06.2020 - 00:00 Uhr

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Herr Welbers, auch bei uns hat die Coronakrise einiges durcheinandergebracht. Wir wollten schon Mitte März miteinander sprechen, dann kam die Pandemie. Wie intensiv waren die letzten Wochen für die ndF: neue deutsche Filmgesellschaft?

Eric Welbers: Es ging uns wie vielen anderen Unternehmen, wir sind von dem Thema überrollt worden. Wir hatten noch im Februar ein "Bergretter"-Special in Bozen in Vorbereitung, wollten Ende März drehen, als das Virus langsam von Italien zu uns herüberkam. Die Produktion hatten wir dann sicherheitshalber zusammen mit dem ZDF verschoben, das war aus heutiger Sicht eine sehr weise Entscheidung. Außerdem drehen wir den "Bergdoktor" in Ellmau und die "Bergretter" in der Ramsau. Das ist ja gar nicht so weit entfernt von Bozen und wir haben dann hin und her überlegt, wie wir dort drehen können.

Und wie ist das ausgegangen?

Ich kann mich noch erinnern, dass jemand aus unserem Team sagte, dass wir in der Ramsau weiterdrehen können, egal was passiert. Zwei Tage später mussten wir den Dreh unterbrechen und hatten auch keine Handlungsmöglichkeiten mehr. Da denkt man an einem Tag über Alternativen nach, die man wenig später gar nicht mehr hat. Das war schon eine sehr neue Situation. Insgesamt hatten wir drei Unterbrechungen, wobei wir schon bei drei [teilweise anderen, Anm.] Projekten wieder drehen.

Wie haben Sie die Krise abfedern können?

Wir haben einerseits gesehen, dass wir mit ARD und ZDF sehr gute Partner haben. Beide Anstalten haben sehr viel getan, um uns zu helfen. Neben der teilweisen Übernahme der Mehrkosten haben wir durch ARD und ZDF eine Auftragssicherheit. Alles, was unterbrochen wurde, wird auch zu Ende gedreht. Wir sind ja auch ein bisschen im Ausland aktiv und ich kann Ihnen sagen: Das ist nicht normal. Das gibt es eigentlich in keinem anderen Land. Man muss das in Deutschland aber auch erwarten, wir haben hier das Auftragsproduktions-Modell, dadurch sind wir Produzenten eine verlängerte Werkbank. In anderen Ländern haben Produzenten eine bessere wirtschaftliche Position in der Wertschöpfungskette, da Sie insbesondere Rechte behalten können. Das bedeutet wenn der Auftraggeber eine so wichtige Rolle spielt und alle Rechte übernimmt, muss er auch mehr wirtschaftliche Verantwortung übernehmen. Darüber hinaus hatten wir auch staatliche Hilfen, etwa das Kurzarbeitergeld, das wir nutzen konnten. Auch das gibt es in anderen Ländern in der Form nicht.

Sind alle Mitarbeiter der ndF-Gruppe in Kurzarbeit?

Wir haben das vor allem im Rahmen der Produktionen genutzt, die unterbrochen werden mussten. Innerhalb der Firma setzen wir das sehr begrenzt ein, um den Zeitraum zu überbrücken, in dem wir nicht drehen konnten. Dieser Zeitraum neigt sich jetzt auch schon wieder dem Ende zu.

"Da denkt man an einem Tag über Alternativen nach, die man wenig später gar nicht mehr hat."

Wie sieht es denn derzeit mit den verschiedenen Produktionen aus?

Seit dem 27. Mai darf man in Österreich wieder drehen und das tun wir mit zwei Produktionen dort auch. Andere unterbrochenen Produktionen wie etwa "Aktenzeichen XY" oder "Der Alte" gehen in diesen Tagen wieder in den Dreh. Bis zum Sommer sollen alle anderen Dreharbeiten wieder angelaufen sein, also beispielsweise die von "Morden im Norden" und "Um Himmels Willen".

Getroffen hat die Coronakrise ja auch die geplante Serie "Der Schwarm", hier beginnen die Dreharbeiten erst 2021. Wie sehr hat Sie das sowohl als Kreativer als auch als Geschäftsmann getroffen?

Zum Glück hat uns das beim "Schwarm" bis jetzt wenig getroffen, da wir noch in der Produktionsvorbereitungsphase waren. Das war für uns ein großes Glück. Wenn wir mit einem so großen Projekt wie dem "Schwarm" schon in der Produktion gewesen wären, wäre das sehr problematisch geworden. Jetzt betrifft es uns insoweit, als das wir nur auf den Produktionsknopf drücken können, wenn die Risiken wieder überschaubar sein werden, sprich auch versicherbar. Das Budget liegt bei rund 40 Millionen Euro, ein so großes Risiko kann und will sich hier keiner der Beteiligten leisten.

Sonst gibt es keine Einschränkungen?

Wir hatten geplant in Südafrika zu drehen. Jetzt müssen wir uns damit beschäftigen, ob das geht. Da erarbeiten wir derzeit verschiedene Modelle. Das hat weniger mit bestimmten Corona-Fällen zu tun, sondern eher mit Reisen. Wir können keine Dreharbeiten an Orten planen, wo niemand hinkommt oder hin will. Deshalb denken wir jetzt auch über Drehstandorte nach, die zuvor aus Kostengründen nicht infrage gekommen sind, etwa in Europa. Derzeit bin ich zuversichtlich, dass wir Anfang 2021 mit den Dreharbeiten beginnen können.

"Wir denken jetzt auch über Drehstandorte nach, die zuvor aus Kostengründen nicht infrage gekommen sind, etwa in Europa."

Mal weg von Corona: "Der Schwarm" wird vermutlich die teuerste deutsche Serie aller Zeiten. Wie groß ist der Druck?

Ich verspüre da gar keinen Druck. Im Gegenteil. Ich finde es toll, dass wir die Möglichkeit haben, dieses großartige Buch von Frank Schätzing zu verfilmen. Das Buch ist aktueller als es je sein könnte. Es geht darum, dass die gesamte Welt von etwas bedroht wird. Und im Mittelpunkt stehen Wissenschaftler, die versuchen die Welt zu retten. So gesehen sind wir alle extrem motiviert dieses Projekt voranzubringen. Da wir auch eng mit dem Autor zusammenarbeiten und die Änderungen zum Buch abstimmen, ist der Druck nicht so sehr vorhanden. Wir glauben alle, dass wir eine sehr spannende Serie machen werden.

Und der finanzielle Druck?

Am Ende des Tages ist eine teure Produktion nicht schwieriger als eine billige. Es ist schon eine sehr große Produktion aber im Vergleich zu den USA verschieben sich die Verhältnisse schnell wieder. Wir liegen mit dem Budget bei rund 30 Prozent von dem, was "Westworld" kostet. Natürlich ist das für Deutschland eine neue Welt, wobei "Babylon Berlin" das hervorragend vorgemacht hat. Vor der Größe darf man keine Angst haben. Sie ist notwendig für den Stoff, den wir machen.

Können Sie schon weitere Details zur Serie verraten? Ende März sollte ursprünglich mal der Cast bekanntgegeben werden.

Das hat sich durch Corona verschoben. Wir können mit dem Casting erst beginnen, wenn wir wissen, wann wir drehen. Es macht derzeit keinen Sinn Schauspieler anzufragen, wenn man ihnen nicht sagen kann, für welchen Zeitraum. Demnächst werden wir uns gemeinsam mit dem ZDF melden und über die Regie reden. Aber auch dieser Tag ist noch nicht heute (lacht).

Auf Seite zwei spricht Eric Welbers über die ndF-Beteiligungen im Ausland, den Stellenwert der Privatsender für die Gruppe und Veränderungen in der Branche. 

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