Ein Final-Rekord blieb Sport1 zum Ende zwar verwehrt, dennoch ist die jüngst zu Ende gegangene Darts-Weltmeisterschaft für den Spartensender ein großer Erfolg gewesen. Zwei Millionen Menschen sahen das Finale, vor allem beim jungen Publikum waren die stundenlangen Übertragungen ein großer Erfolg. Mit durchschnittlich mehr als 700.000 Zuschauerinnen und Zuschauern war es für Sport1 die reichweitenstärkste Darts-WM in der Geschichte - und das will was heißen, schließlich ist das Turnier bereits seit 2004 beim Sender zu sehen. Sport1 hieß damals noch DSF. 

Sport1 hat in den zurückliegenden mehr als 20 Jahren eine wichtige Aufbauarbeit für Darts geleistet. Der Sender war bereits mit an Bord, als der Sport noch nicht im Trend lag. In den zurückliegenden Jahren hat der Hype spürbar zugenommen - und mit ihm auch der Erfolg der Übertragungen. Selbst als sich DAZN 2017 die Übertragungsrechte sicherte, blieb Sport1 über eine Kooperationsvereinbarung mit dabei und kann bis heute alle Matches zeigen. Auch die nächste WM ist noch bei DAZN und Sport1 zu sehen. Wie es danach aber weiter geht, steht in den Sternen. 

Aktuell führt die Professional Darts Corporation (PDC) bzw. die PDC Europe Verhandlungen mit verschiedenen Interessenten. Interessanterweise gibt es keine offizielle Ausschreibung samt Bieterverfahren, wie es etwa bei den Bundesligarechten üblich ist. Dennoch muss man kein Wahrsager sein um zu erahnen, dass das Interesse nochmal größer sein dürfte als bei den letzten Rechtevergaben. Die Quoten, die Sport1 in den zurückliegenden Wochen mit den Übertragungen von der WM einfahren konnte, würden auch großen Sendern wie RTL oder ProSieben gut zu Gesicht stehen. 

Bei der Rechtevergabe gibt es jedoch einiges zu beachten. So kommt die WM nicht als einzelnes Recht daher. Vielmehr steht ein ganzer Katalog an Darts-Übertragungen dahiner, mit denen ein Sender bzw. Streamer viele hundert Stunden Programm im Jahr füllen können. Zu den weiteren Turnieren zählen unter anderem die Premier League Darts und alle anderen PDC Major-Events (World Series Finals, European Tour etc.). Das macht die Rechte für viele potenzielle Abnehmer interessant, weil die verschiedenen Turniere einen konstanten Strom an Zuschauerinnen und Zuschauer versprechen. 

Wie "Bild" und "Welt" zuletzt berichteten, wollen DAZN und Sport1 ihren bestehenden Deal gerne fortsetzen - sie wissen offenbar, was sie an den Rechten haben. Bei Sport1 gehört Darts auch abseits der WM zu den quotenstarken Sportarten. Angesichts der Entwicklung müssten die beiden Unternehmen aber wohl deutlich tiefer als bislang in die Taschen greifen. Ob das vor allem für Sport1 unter der neuen Eigentümerstruktur möglich ist, muss sich erst noch zeigen - es kommt wohl auch drauf an, wie sehr andere Interessenten den Preis nach oben treiben. 

Free-TV-Präsenz der WM soll bleiben

Klar ist aber auch: Rechteinhaber Matchroom Sport hat ein großes Interesse daran, zumindest mit DAZN weiterhin gut zusammenzuarbeiten. Matchroom vermarktet auch diverse Box-Events, die auf der Sport-Streamingplattform zu sehen sind. Die Darts-Rechte waren in der Vergangenheit teilweise nur eine günstige Zugabe zu diesen Rechten, haben in den vergangenen Jahren aber natürlich einen eigenen Wert entwickelt. Sollte DAZN den Zuschlag erhalten, könnte Sport1 erneut für eine Kooperation infrage kommen. Ob das im gleichen Umfang wie bisher stattfinden kann, müsste sich zeigen. Zumindest bei der WM ist es aktuell so, dass beide Anbieter alles parallel übertragen. Das wirkt auf den ersten Blick sehr vorteilhaft für Sport1, andererseits tritt DAZN durch die Kooperation als Sponsor der Übertragungen auf und erzielt so einen hohen Werbewert

Ganz offenbar will Matchroom Sports außerdem, dass die WM auch künftig im deutschen Free-TV zu sehen sein wird, darüber berichteten zumindest "Bild" und "Welt". Das ist interessant, weil es den Verantwortlichen offenbar nicht ausschließlich um hohe Lizenzeinnahmen geht, sondern auch um eine möglichst große Sichtbarkeit. Andere Sender könnten da jedoch noch höhere Reichweiten versprechen als Sport1.

Sowohl für RTL Deutschland als auch ProSiebenSat.1 wären die Rechte gleich aus mehreren Gründen interessant. Die WM könnte sowohl auf den großen, linearen Hauptsendern der Gruppen problemlos übertragen werden. Kleinere Turniere könnten dann zu kleineren Sendern verschoben oder gänzlich online bei RTL+ bzw. Joyn übertragen werden. Aktuell wird viel über großes Interesse von RTL Deutschland spekuliert - und das aus gutem Grund. Die Kölner haben die Rechte an der Europa League verloren, damit bespielten sie zuletzt einige Donnerstagabende. Diesen Verlust im Linearen könnte man mit Darts-Übertragungen zumindest ein Stück weit kompensieren - und gleichzeitig RTL+ stärken.

RTL und P7S1 könnten Darts gebrauchen

Die unterjährigen Darts-Events haben vielleicht nicht die gleiche Zugkraft wie eine Übertragung von Eintracht Frankfurt in der Europa League, sie sind aber besser planbar. Darts hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber Fußball: Den Fans ist es größtenteils egal, wie die deutschen Spieler abschneiden, sie schalten auch bei Luke Littler, Michael van Gerwen oder Mensur Suljović ein. Bei RTL musste man bislang stets darauf hoffen, dass sich möglichst reichweitenstarke Vereine für die Europa League qualifizieren - mit Heidenheim holte man zuletzt jedenfalls nur überschaubare Quoten. Zahlen muss man so oder so sehr viel Geld. 

Ebenfalls möglich, aber eher unwahrscheinlich ist die Kombination aus DAZN und einem großen Sender wie RTL. Bei der aktuellen Flut an Kooperationen ist nichts ausgeschlossen - und bei der NFL gibt es ja schon heute ein großes Nebeneinander zwischen RTL und DAZN. Doch es erscheint nur schwer vorstellbar, dass DAZN bei einer künftigen Darts-WM als Sponsor eben dieses Turniers im Programm von RTL auftritt, wo dann ebenfalls Übertragungen zu sehen sein könnten. RTL würde damit Werbung für den Anbieter machen, der dem Sender die Europa League weggeschnappt hat. Sport1 hat mit den Sponsoring-Hinweisen von DAZN wohl weit weniger Probleme. RTL hätte bei einer vollständigen Exklusivität mehr Vorteile und könnte diese auch besser kapitalisieren. 

ProSiebenSat.1 hat derweil zuletzt schon unter Beweis gestellt, dass man gewillt ist, auch abseits von Fußball in Sportrechte zu investieren. Die Münchner sicherten sich umfangreiche Basketball- und Handball-Rechte. Auch Eishockey spielt bei ProSiebenSat.1 mittlerweile eine Rolle. Da würde auch Darts gut ins Bild passen, zumal ProSieben schon seit Jahren eine eigene "Promi-Darts-WM" ausrichtet. Und auch andere mögliche Abnehmer kommen infrage. MagentaTV zeigt in diesem Jahr nicht nur sämtliche Spiele der Fußball-WM, zuletzt schnappte man Sky auch hochkarätige Golf-Rechte weg. Und dann besteht natürlich auch immer noch die Möglichkeit, dass ein großer US-Streamer zuschlägt und sich die Rechte sichert - für diese Unternehmen wären die kolportieren Lizenzsummen wohl einfacher zu stemmen. 

Sky zahlt mittlerweile doppelt so viel wie bislang

Wie sich die gestiegene Popularität der Sportart mittlerweile in den Kassen der PDC bemerkbar macht, zeigte sich vor rund einem Jahr in Großbritannien. Damals einigten sich PDC und Sky auf eine Verlängerung ihrer bestehenden Kooperation, Sky wird bis 2030 die Heimat der Darts-Events der PDC sein. Berichten zufolge zahlt der Pay-TV-Anbieter dafür 25 Millionen Pfund pro Saison - mehr als doppelt so viel wie bislang. Angeblich haben sich auch Netflix und Prime Video für die Rechte interessiert. In Deutschland legen Sport1 und DAZN nach Schätzungen aktuell rund zehn Millionen Euro für die Darts-Rechte auf den Tisch. Diese Zahl wird die PDC wohl signifikant steigern können, wobei mehr als 20 Millionen pro Jahr als nicht sehr wahrscheinlich gelten. 

In jedem Fall kann die PDC selbst auch noch mehr machen, um die Sportart populärer zu machen. Dass einzelne Spieler ganze Sender boykottieren - wie zuletzt Martin Schindler Sport1, den wichtigsten deutschen Free-TV-Partner seit mehr als 20 Jahren - ist ein Affront, der der gesamten Sportart einen Bärendienst erwies. Hier liegt es am Dartsverband, den Spielern klarzumachen, dass sie immer auch Werbeträger für den gesamten Sport sind.  

Und trotzdem: Darts hat sich in den zurückliegenden 20 Jahren eindrucksvoll entwickelt. Die entsprechenden Übertragungsrechte werden in diesem Jahr wohl so hart umkämpft sein wie nie zuvor und die Programme der Abnehmer letztlich massiv beeinflussen. PDC Europe hat sich auf Anfrage von DWDL.de nicht zum konkreten Zeitplan der Rechtevergabe geäußert.