Einmal noch müssen wir über die Fußball-Weltmeisterschaft sprechen. Nicht über US-Präsident Donald Trump, der sich bei der Siegerehrung vor den Augen der Welt in den Mittelpunkt stellen wollte. Nicht über den FIFA-Präsidenten Gianni Infantino, der die gerade zu Ende gegangene WM überschwänglich feierte als "das großartigste menschliche, soziale und kulturelle Ereignis, das die Menschheit je erlebt und gesehen hat". Und nein, auch nicht über die Tatsache, dass bereits darüber nachgedacht wird, die Zahl der teilnehmenden Mannschaften noch einmal zu erhöhen, damit es möglich ist, die Superlative in Zukunft noch einmal zu toppen.

Nein, wir müssen über Jürgen Klopp sprechen und seine Rolle, die er in den vergangenen fünfeinhalb Wochen eingenommen hat. Mit magentafarbenem Telekom-Mikrofon ausgerüstet, definierte der frühere Dortmund- und Liverpool-Trainer den Experten-Status völlig neu – und verwandelte die sonst oft langatmige Vorberichterstattung gewissermaßen zur Dailysoap, deren Hauptrolle er praktischerweise einfach selbst übernahm, flankiert von Thomas Müller und Mats Hummels als Nebendarsteller in einem hochkarätig besetzten Serien-Ensemble mit Gaststars wie Kylian Mbappé oder Robbie Williams. Und mittendrin: Der Bundestrainer als Antagonist.

Noch bevor überhaupt der erste Ball dieser Weltmeisterschaft rollte, setzte Jürgen Klopp mit seinem inzwischen berühmt-berüchtigten "Noch"-Satz den Ton und brachte den damaligen Bundestrainer Julian Nagelsmann, ob gewollt oder ungewollt, gehörig unter Druck. Zwar ließ sich Klopp einige Tage später zu einer Entschuldigung hinreißen, doch der weitere Verlauf schien längst klar: Sollte die Nationalmannschaft früh ausscheiden, würde man nach Klopp, dem Retter rufen. Und siehe da: Nach dem unrühmlichen Aus im Sechzehntelfinale war es der MagentaTV-Experte, der vollends im Fokus stand. Ein Deus ex Machina am Spielfeldrand.

Für die Telekom erwies sich Klopps Verpflichtung als ungeahnter Glücksgriff, weil MagentaTV die Kloppo-Soap schnell als zusätzlichen Handlungsstrang begriff, der zeitweise wichtiger schien als so manches WM-Spiel, das man übertrug. Und weil Jürgen Klopp bis zum Endspiel als Experte tätig blieb, lieferte man die Schlagzeilen zuverlässig aus erster Hand.

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So oder so ähnlich lasen sich die Überschriften der vergangenen Tage und Wochen. Wohl noch nie konnte das Fußball-Volk die Verhandlungen mit einem künftigen Bundestrainer so hautnah verfolgen wie in diesem Jahr. Wo sich sonst alle Beteiligten Stillschweigen auferlegen, um den ach so geheimen Vertragspoker nicht zu gefährden, wurde die Öffentlichkeit diesmal mittels direkter Standleitung beinahe täglich über neue Wasserstände unterrichtet. Und wenn zur Abwechslung doch mal niemand etwas sagen wollte, kündigte Moderator Johannes B. Kerner, so wie jüngst nach dem zweiten Halbfinale geschehen, einfach an, dass man Klopp ja schon in wenigen Tagen einfach wieder selbst befragen werde.

Und so stand der Bundestrainer in spe am Sonntag im Vorfeld des Finals zwischen Kerner und seiner Kollegin Laura Wontorra, lobte die "großzügige Regelung", die man mit seinem derzeitigen Arbeitgeber gefunden habe, und beruhigte die Nation mit erlösenden Worten: "Es ist nichts final, aber alles geht in die richtige Richtung."

Es war die vorläufig letzte Szene dieser Magenta-Seifenoper, bevor Jürgen Klopp wohl sehr zeitnah seinen Vertrag mit dem DFB unterschreiben wird. Praktischerweise hat sich die Telekom bereits die Rechte an sämtlichen Spielen der kommenden Europa- und Weltmeisterschaft gesichert. Und auch wenn Klopp dann das Magenta-Mikrofon gegen die Verantwortung auf der Trainerbank eingetauscht haben wird, ist längst klar: Fortsetzung folgt. Bloß für das fußballerische Happy End gibt es keine Garantie.

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