Wenn am Dienstagmorgen New Yorker Zeit die Wall-Street-Glocke läutet und für David Ellison der erste Handelstag seines neuen Großunternehmens beginnt, dann hat er seinen Traum vom Mega-Hollywoodstudio in rekordverdächtiger Zeit verwirklicht. Zwei komplexe Übernahmen innerhalb von 14 Monaten – Paramount im August 2025, Warner Bros. Discovery heute – wären ohne Geld und Einfluss seines Vaters kaum möglich gewesen. Oracle-Gründer Larry Ellison – laut Bloomberg Billionaires Index derzeit der achtreichste Mensch der Welt mit einem Nettovermögen von 192 Milliarden Dollar – war nicht nur maßgeblich an der Finanzierung der jüngsten Deals beteiligt, sondern hatte bereits frühzeitig in die Hollywood-Ambitionen seiner Kinder investiert. 

Deren Liebe zum Kino dürfte wohl vor allem von ihrer Mutter Barbara Boothe gefördert worden sein. Larry und sie ließen sich 1986 scheiden, als David drei Jahre alt war. Jedes Wochenende ging sie übereinstimmenden Berichten zufolge mit ihrem Sohn und ihrer Tochter Megan ins Kino. Gemeinsam sollen sie über 3.000 VHS-Kassetten gesammelt haben, mit "Star Wars" und "Terminator" als erklärten Familienfavoriten. Während der High School absolvierte David zwar ein Praktikum bei Oracle, schrieb sich dann aber zum Filmstudium an der School of Cinematic Arts der University of Southern California ein. Anstatt die Uni abzuschließen, drehte er 2006 seinen ersten, nicht gerade günstigen Film: das 60 Millionen Dollar teure Action-Drama "Flyboys" über Piloten im Ersten Weltkrieg. James Franco spielte die Hauptrolle, David Ellison selbst übernahm eine Nebenrolle.

Flyboys © MGM/Skydance Teurer Flop: David Ellison (2.v.r.) debütierte mit "Flyboys" als Produzent und Schauspieler
"Flyboys" zeugte von seiner zweiten großen Liebe – zur Fliegerei. Schon als Jugendlicher hatte er einen Pilotenschein gemacht. Doch fast alle anderen ließ der Streifen kalt. Es hagelte schlechte Kritiken, und mit mageren 13 Millionen Dollar Box Office schnitt "Flyboys" als einer der größten Flops des Jahres ab. Dennoch bekam Ellison junior kurz darauf eine 350-Millionen-Dollar-Finanzierung, um seine Produktionsfirma Skydance Media aufzubauen. Zunächst schien es, als sei seine Schwester Megan auf bestem Weg zur bedeutenderen Hollywood-Produzentin. Sie gründete 2011 Annapurna Pictures und finanzierte künstlerisch anspruchsvolle Filme von Regisseuren wie Paul Thomas Anderson, Kathryn Bigelow, Spike Jonze oder David O. Russell. Oscar-Nominierungen für "American Hustle", "Her" oder "Zero Dark Thirty" waren der Lohn. David setzte dagegen eher auf große Actionfilme wie "Jack Reacher", eine Verfilmung der Bestseller-Buchreihe von Lee Child mit Tom Cruise in der Hauptrolle, oder "World War Z", einen Science-Fiction-Thriller mit Brad Pitt. Top-Anwalt Skip Brittenham vermittelte Skydance 2010 einen Vertrag mit Paramount Pictures, der vorsah, dass Skydance von Paramount produzierte Filme kofinanzierte.

Erstes Resultat des neuen Pakts war der Neo-Western "True Grit" der Coen-Brüder, der 252 Millionen Dollar einspielte und zehn Oscar-Nominierungen erhielt. In der Regel bringen solche Mitfinanzierer nur einen geringen Anteil des Budgets auf und haben kaum kreative Mitsprache. Anders bei Skydance: Ellison nahm sich mit "Mission: Impossible" eines der größten Paramount-Franchises vor, das freilich in der Krise steckte. Teil drei hatte das niedrigste Ergebnis in der Geschichte der Reihe eingespielt, Hauptdarsteller Tom Cruise galt vielen als langsam verblassender Stern. Während Paramount zögerte, sprang Ellison massiv ein und half Cruise bei den Verhandlungen für einen vierten Film. Dieser erlöste schließlich 695 Millionen Dollar an den Kinokassen – 75 Prozent mehr als sein Vorgänger.

Als Paramount den Vertrag mit Skydance 2013 verlängerte, begann Ellison, sein Unternehmen zu diversifizieren. Zuerst erfolgte der Einstieg in die TV-Produktion mit Serien wie "Manhattan" für WGN America , "Grace and Frankie" für Netflix und später "Jack Ryan" für Prime Video. 2016 expandierte Skydance dann auch ins Geschäft mit Animation und Videospielen. Um stärker in Eigenproduktionen investieren zu können, verkaufte Ellison eine Minderheitsbeteiligung an den chinesischen Technologieriesen Tencent und holte 2020 den US-Finanzinvestor RedBird sowie den südkoreanischen Unterhaltungskonzern CJ ENM an Bord. Unter Skydance-Mitarbeitern galt Ellison als zugewandter Chef, der gut zahlte und großzügige Sozialleistungen bot.

Nach außen hingegen musste der Ferrari- und Lamborghini-Fahrer, dessen Autos und Flugzeuge im selben Hangar in Santa Monica untergebracht waren wie das ursprüngliche Skydance-Büro, stets mit seinem Ruf als "Nepo-Baby" kämpfen. Dana Goldberg, die seit 2010 das Filmgeschäft von Skydance leitete, voriges Jahr gemeinsam mit Josh Greenstein die Führung von Paramount Pictures übernahm und nun auch dem Filmstudio von Warner Bros. vorstehen wird, erzählte 2025 in einem Bloomberg-Interview, dass sie zu Beginn ständig gefragt geworden sei: "Kommt er denn ins Büro?" Die Leute, so Goldberg, hätten Ellison für ein "wandelndes Scheckbuch" gehalten, das "auf schicken Yachten herumlungerte".

 

Wir hatten bereits mit der Planung für Warner Bros. begonnen, bevor die Paramount-Transaktion abgeschlossen war.
David Ellison im "Wall Street Journal"

 

Ellison senior wurde bei Skydance demnach eher selten zur Sprache gebracht – außer wenn der Oracle-Boss bei Filmpremieren auftauchte oder sein Wellness-Resort bei Palm Springs für Firmenausflüge zur Verfügung stellte. Die einzige bekannt gewordene Auseinandersetzung zwischen Vater und Sohn bestand darin, dass David in den Anfangsjahren von Skydance keine privaten Sicherheitskräfte engagierte, weil er möglichst normal auftreten wollte, während Larry stets um seinen Schutz besorgt war. "Das war vom ersten Tag an Davids Firma", so Goldberg gegenüber Bloomberg.

Schwieriger wurde es für Skydance, als Netflix & Co. 2022 begannen, ihre Ausgaben zu kürzen. Zu diesem Zeitpunkt verdiente die Firma am meisten mit der Produktion von Filmen und Serien fürs Streaming. 2021 hatte sie einen Verlust von 80 Millionen Dollar verzeichnet, 2022 nur einen knappen Gewinn erwirtschaftet. Um den hohen Erwartungen seiner Investoren gerecht zu werden, brauchte Ellison neue strategische Optionen. Er sammelte in einer weiteren Finanzierungsrunde 400 Millionen Dollar ein, womit die Unternehmensbewertung auf vier Milliarden anstieg. Die möglichen Perspektiven für Skydance: an die Börse gehen, sich von einem Tech-Riesen wie Apple aufkaufen lassen – oder ein Hollywood-Studio übernehmen.

Spätestens 2023 warf Ellison ein Auge auf Paramount und nahm Kontakt zur damaligen Hauptaktionärin Shari Redstone auf. Ehe er die acht Milliarden Dollar schwere Transaktion im August 2025 abschließen konnte, vergingen zwei Jahre der Zurückweisung und Verhandlungen voller Drama, drei CEO-Wechsel aufseiten Paramounts und eine monatelange Kartellblockade der Trump-Regierung. Ellison kam mit einem Restrukturierungsplan, der zwei Milliarden Dollar an Synergien vorsah. Nahezu zeitgleich erwarb er teure Sportrechte, vor allem an der UFC, holte die "Stranger Things"-Schöpfer Matt und Ross Duffer von Netflix zu Paramount und verhandelte eine Partnerschaft mit dem "Dune"- und "Godzilla"-Studio Legendary. Noch bevor er Paramount übernommen hatte, stritt er öffentlich mit den "South Park"-Machern, und sah zu, wie seine Vorgänger entschieden, Late-Night-Talker Stephen Colbert abzusetzen.

Gerade einmal zwei Monate später dann der Griff nach dem noch viel größeren Brocken: "Wir hatten bereits mit der Planung für Warner Bros. begonnen, bevor die Paramount-Transaktion abgeschlossen war", rekapitulierte Ellison vor wenigen Tagen im "Wall Street Journal". Seine Bemühungen um den WBD-Konzern bestanden aus neun immer wieder aufgestockten Angeboten, einem teuren Machtkampf mit Netflix sowie dem zähen Ringen um die behördlichen Genehmigungen. Vor ziemlich genau einem Jahr hatte er WBD-CEO David Zaslav 19 Dollar pro Aktie angeboten, am Ende wurden daraus 31 Dollar in bar.

Nun steht Ellison, der das fusionierte Konglomerat Skydance nennt, vor einer noch viel größeren Herausforderung: Zwei riesige Traditionskonzerne wollen zusammengeführt, rund sechs Milliarden Dollar an laufenden Kosten eingespart und fast 80 Milliarden Dollar an Schulden abgebaut werden. Das gestaltet sich schon jetzt schwieriger als gedacht: Nur wenige Stunden, nachdem Paramount vorige Woche Anleihen im Wert von 52 Milliarden Dollar zur Finanzierung der größten Hollywood-Übernahme aller Zeiten begeben hatte, mussten Anleger Verluste in Höhe von mehr als 100 Millionen Dollar hinnehmen, was eine Flut wütender Anrufe bei den zeichnenden Banken auslöste. Die Zinsen, mit denen Paramount seine Schulden bezahlt, stehen auf einem 17-Jahres-Hoch. Familie Ellison hat für die Transaktion Eigenkapital in Höhe von 47 Milliarden Dollar zugesagt, wovon etwa 24 Milliarden von drei Staatsfonds aus dem Nahen Osten stammen.

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