Bild: SWRSchon kurz nach den ersten Meldungen über den Amoklauf  in Winnenden brachen Heerscharen von Reportern auf zum Ort des Geschehens und informierten mit harten Fakten und zu Weilen auch eher unangemessenen Nichtigkeiten am Rand. Schnell waren auch die Nachrichten-Sender n-tv und N24 live aus Sendung. Doch ausgerechnet beim SWR - der ARD-Landesrundfunkanstalt, in deren Sendegebiet Winnenden liegt - musste man auf aktuelle Informationen vom Ort des Geschehen erstaunlich lange Warten.

Während die privaten Nachrichtensender bereits seit zirka 11 Uhr auf Sendung waren, setzte beim SWR erst um 14:30 Uhr  eine flächendeckenden Berichterstattung ein, die das reguläre Programm verdrängte. Um 10.56 Uhr setze der SWR die Zuschauer seines Landesprogramms zum ersten Mal mittels eines Laufbandes über die Ereignisses in Kenntnis. Um 12 Uhr übernahm man die "Tagesschau" aus dem Ersten, für die ein SWR-Reporter telefonisch zugeschaltet war.
 

 
In einem dreiminütigem "Baden-Württemberg Extra" informierte der Sender schließlich um 12:30 Uhr kurz über den Stand der Dinge. Bevor der SWR um 14:30 Uhr mit der Pressekonferenz von Ministerpräsident Oettinger in die umfassende Berichterstattung einstieg, übernahm man um 13:45 Uhr eine weitere Ausgabe der "Tagesschau" in sein Programm.
 
Während auf  anderen Kanälen seit dem späten Vormittag die Berichterstattung mit eigenen Teams vor Ort bereits auf Hochtouren lief, ließ der Landessender mit detaillierten Informationen verhältnismäßig lange auf sich warten und zeigte statt dessen  unter anderem die Zoo-Doku "Eisbär, Affe & Co.".

Die Verzögerung wirft Fragen auf. Schließlich betonen die öffentlich-rechtlichen Sender immer wieder ihren hohen Stellenwert als Informationsprogramme. In der vergangenen Woche war zum Beispiel der WDR nach der Einsturzkatastrophe in Köln erstaunlich schnell mit eigenen Reportern auf dem Sender.
 
Auf Nachfrage sagte ein SWR-Sprecher, dass man bereits viel früher mit eigenen Berichten auf den Sender gehen wollte - allerdings habe man mit einem logistischen Problem zu kämpfen gehabt. So trafen SWR-Reporter Thomas Denzel und das Übertragungs-Fahrzeug (SNG), mit dem die Berichterstattung technisch realisiert werden sollte, zu unterschiedlichen Zeitpunkten in Winnenden ein.
 
Auf Grund der sich rasant verändernden Lage verlegte die Polizei zwischenzeitlich ihre Absperrungen. Dies habe laut SWR dazu geführt, dass es für Reporter-Denzel zunächst keine Möglichkeit gab, zu seinem Fahrzeug zu gelangen. Dies sei auch der Grund, weshalb Denzel in der ersten Schalte zur "Tagesschau" um 12:00 Uhr lediglich per Telefon berichtete. Nach 14:30 Uhr dann berichtete der SWR bis in den späten Abend in aller Ausführlichkeit über die Ereignisse.