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Sommerloch-Thema

Anleitung: Schräge Yellow Press, so einfach funktionierts

 

Immer wieder mittwochs liegen die Titel der YellowPress neu am Kiosk. Das Segment von "Neue Post", "Das neue Blatt" und Co. ist nicht klein. Viele Verlage können gut davon leben. Das Erfolgsrezept ist furchtbar simpel: Rätsel, Rezepte und reine Spekulationen. Dazu die richtigen Überschriften.

von Thomas Lückerath
12.08.2009 - 13:20 Uhr

Sagen wir einfach, wir wollen so etwas Aufbauhilfe in Krisenzeiten leisten: Sie wollen einen neuen YellowPress-Titel starten oder sich als Redakteurin oder Redakteur bei einem der zahlreichen bestehenden Wochenzeitschriften bewerben, dann geben wir Ihnen hier den ultimativen Guide für belanglosen, hochspekulativen und einfach schlecht gemachten Journalismus - denn auch das will gelernt sein. Lange dauert das allerdings nicht, keine Sorge.

Betrachtet man sich die am Kiosk verfügbaren Titel der YellowPress, dann fallen Woche für Woche die immer gleichen Überschriften auf, die zum Kauf verlocken sollen: Im harten Wettbewerb am Kiosk geht es um immer mehr Dramatik, Exklusivität, Tränen, Leid und Glück. Was noch nicht übertrieben genug ist, wird weiter übertrieben. Und wie das geht, zeigt eine stichprobenartige DWDL.de-Analyse. In den vergangenen Wochen haben wir die gängigsten Titel des Segments einmal beobachtet und mal mitgeschrieben, wie man am Kiosk möglichst plakativ auffällt.



Das geht ganz einfach, wenn man sich der folgenden Schlagworte bedient. Hier beginnt unser kleiner Ratgeber für YellowPress-Neulinge. Wichtigste Lektion: Für haltlose Gerüchte hilft ein "Schlimmer Verdacht" und schon tarnt man die Story als Sorge um den Protagonisten. "Schlimm" ist ohnehin ein Lieblingswort der Yellow-Press - also unbedingt merken. Um etwas rätselhafter zu machen, sind Textbausteine wie "Das Geheimnis um" oder "mysteriös" auch immer wieder gern genommen. Tragisch wird es mit "Bittere Tränen" oder "Traurige Entdeckung". Dramatisch wirds mit "Der Traum ist geplatzt" oder "Die Babylüge!".
 
Ohnehin: Über Nachwuchs spekulieren die häufig an Frauen im Großmutter-Alter gerichteten YellowPress-Titel sehr gerne. Ist Nachwuchs da, dann sollten sie unbedingt "Rührende Fotos" probieren. Ein Klassiker. Doch immer dran denken: zu viel Positives verkauft sich nicht gut. Falls Ihr Cover also dann noch etwas Dramatik braucht, wären "Enthüllt!", "Unfassbar!" oder "Erschütternd!" immer sehr variabel einsetzbar. Hilft auch das nicht, um vereinzelt tatsächlich wahre Themen möglichst auf die Spitze zu treiben, kann man auch einfach mal erfinden. Sie müssen es nur richtig verpacken. Da bieten sich zum Beispiel Fragen an wie: "War es doch Mord?", "Magersucht?", "Hochzeit in Sicht?", "Ihr Glück in Scherben?", "Was verschweigt er?", "Ehe am Ende?" oder einfach "Selbstmord?".

Fehlt noch immer das gewisse Etwas? Ein Blick in unseren YellowPress-Leitfaden hilft: Man nehme ein Foto eines Prominenten in Begleitung eines Kollegen, Angestellten oder auch völlig Fremden und schneidet es möglichst eng aus. Dazu dann die verschwörerische Schlagzeile: "Wer ist der Mann/die Frau an ihrer/seiner Seite?" Schon wird die Fantasie der nicht allzu anspruchsvollen Leserschaft stimuliert. Wenn man die haltlosen Inhalte dann noch mit Rätselseiten, Gesundheitsmagazin und Rezepten für Hackbraten garniert, hat man einen garantiert austauschbaren YellowPress-Titel erschaffen. Herzlichen Glückwunsch.

Über den Autor

Thomas Lückerath ist Gründer und Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Hatte schon viereckige Augen, bevor es Bingewatching gab. Liebt Serien, das Formatgeschäft und das internationale TV-Business. Ist mehr unterwegs als am Schreibtisch.

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