Die kleine Lüge vom ZDF... © DWDL
Vergessenes TV-Kapitel

Die kleine Lüge des ZDF oder: Kennen Sie ARD 2?

 

Vor 50 Jahren, am 6. Juni 1961 trat der ZDF-Staatsvertrag in Kraft. Doch das ZDF war eigentlich gar nicht das "Zweite Deutsche Fernsehen". Eine Zeitreise ins Jahr 1961: Die ist die fast vergessene Geschichte von ARD 2...

von Thomas Lückerath
18.03.2010 - 13:32 Uhr

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Das ZDF-Logo zum Sendestart 1963© ZDF
Wenn Sie glauben, dass der Name ZDF für Zweites Deutsches Fernsehen steht, dann liegen Sie richtig. Wenn Sie aber glauben, dass das auch richtig ist, liegen Sie falsch. Klingt kompliziert, ist aber ganz einfach: Unser heutiges ZDF ist nicht der zweite Fernsehsender der Bundesrepublik Deutschland. Nun wäre es kleinlich daraus einen Vorwurf zu erheben. Nein, viel interessanter ist natürlich die Frage: Welcher Sender, wenn nicht das ZDF, ging denn nun nach der ARD als zweites Fernsehprogramm in der Bundesrepublik auf Sendung?

Die Antwort auf diese Frage kennt selbst in der Branche auf Anhieb kaum jemand, wie sich auch bei den Recherchen für diesen Artikel herausstellte: Es ist das zweite Programm der ARD. Im damaligen Sprachgebrauch hieß es salopp "das zweite Programm" und wurde später rückblickend auch bei der ARD als ARD 2 bezeichnet. Bundesweiter Sendestart von ARD 2 war am 1. Juni 1961, also knapp sechseinhalb Jahre nach dem Start des Deutschen Fernsehens, wie das bis dato einzige nationale Programm der ARD damals und übrigens noch bis 1984 offiziell hieß.
 
 
Das Programm von ARD 2 war auf wenige Stunden am Abend beschränkt und begann mit einer regionalen Ausnahme erst um 20 Uhr. Heutzutage würde man also vielleicht eher von Programmfenster sprechen aber 1961 war es eine Revolution, auch vor dem Hintergrund, dass die ARD damals werktags auch nur von 17 Uhr bis Mitternacht sendete - also nicht viel länger. Revolutionär war ARD 2 aber vorallem deswegen, weil sich nicht wenige Menschen mit einem TV-Gerät zuhause überhaupt nicht bewusst waren, dass ihr Fernseher mehr als ein Programm empfangen konnte. So waren sie, die Anfänge des deutschen Fernsehens vor knapp 50 Jahren.

Fernbedienungen etwa waren 1961 auch noch eher Science Fiction als Alltag und wenn, dann sah man ihren Vorteil mangels jeglicher Programmauswahl eher darin, die Lautstärke des Tons oder die Helligkeit des Bildes zu verändern. Doch dann kam ARD 2 und am Abend galt es für die Familie vor dem Fernseher plötzlich eine Entscheidung zu treffen. Denn nach der gemeinsam übertragenen "Tagesschau" um 20 Uhr zeigte ARD 2 ein eigenes Programm. Dieses endete je nach programmierten Sendungen stets zwischen 22 Uhr und Mitternacht.

Grundsätzliche Unterschiede in den Programmen von ARD und ARD 2 gab es nicht. Mangels Wettbewerb gab es ja keinen Zwang sich einem Genre oder gewissen Programmfarben zu verschreiben. Es wurde lediglich darauf geachtet, dass man komplementär programmierte: Lief bei der ARD etwa eine Show, lief bei ARD 2 eine Reportage oder ein Film zur besten Sendezeit. An manchen Abenden zeigte ARD 2 nach der "Tagesschau" einfach zwei Filme, mal gab es auch Magazine und Reportagen, also ein eher kleinteiligeres Programm. Viel Zeit zur Entwicklung eigener Formate blieb ARD 2 nicht, auch weil das Todesurteil für den Sender schon vor dem Start kam.

Eine Sendung jedoch testete man zuerst bei ARD 2 und übernahm sie erst später in die ARD, wo sie noch heute eine der bekanntesten öffentlich-rechtlichen Programmmarken ist: Die "Sportschau". Sie feierte am 4. Juni 1961 ihre Premiere bei ARD 2. Die Fußball-Bundesliga gab es damals noch nicht, so wählte man den Sonntagabend als Sendeplatz um sich "Berichten und Ergebnissen vom Wochenende" zu widmen. In den ersten Wochen lief die "Sportschau" zuerst bei ARD 2 und zeitversetzt dann auch im Hauptprogramm. Innerhalb weniger Wochen aber wurde das umgekehrt: Die Erstausstrahlung fand fortan um 19.30 Uhr in der ARD, die Wiederholung später am Abend bei ARD 2 statt.

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