© TeamworxNeben Hofmann gehören auch "Goodbye Lenin"-Regisseur Wolfgang Becker und "Deutschland - Ein Sommermärchen"-Filmer Sönke Wortmann zu den einstigen SWR-Debütanten. Auch Hans Weingartners "Die fetten Jahre sind vorbei" entstand mit Unterstützung der Debüt-Reihe und wurde im Jahr 2004 nach elf Jahren Abwesenheit der erste deutsche Festivalbeitrag bei den Filmfestspielen in Cannes. Bevor der damalige SWF die Reihe ins Leben rief, gab es neben der ZDF-Reihe „Das kleine Fernsehspiel“ wenig Aufmerksamkeit für den Nachwuchs. Zwar sind die größtenteils sehenswerten Debüt-Filme erst zu später Stunde zu sehen, doch ein Anfang ist damit gemacht. Und wenn ein Film – wie zum Beispiel Aelrun Goettes „Unter dem Eis“ im Jahr 2007 – einen Grimme-Preis abräumt, steht auch der prominenteren Wiederholung im Ersten wenig im Weg.
Nicht als Ideal- sondern als "Normalfall" gilt für Carl Bergengruen, Fernsehfilmchef des SWR, wenn ein Debüt-Regisseur mit einem Folgeprojekt nach seinem Erstling den Sprung ins Hauptprogramm schafft. Man wolle schließlich nicht für den Elfenbeinturm, sondern für das wahre Leben ausbilden. "Und das spielt sich für Regisseure nun mal um 20:15 Uhr ab, auf den großen Kanälen oder eben bei großen Kinoproduktionen", so Bergengruen. Für Produzent Nico Hofmann kann die Reihe dem eigenen Anspruch gerecht werden. "Die Debüt-Reihe des SWR gehört bis heute zu den absolut wichtigen Stellschrauben der Film- und Fernsehlandschaft", sagt er gegenüber DWDL.de. Neben dem kleinen Fernsehspiel beim ZDF, das zuweilen experimenteller angelegt ist, sieht der Produzent hierin ein "wichtiges Sprungbrett für das große Abendprogramm".
Hofmann begrüßt ausdrücklich, dass sich die Nachwuchsreihe auch weiterentwickelt und sich mittlerweile auch für kürzere Erzählformen jenseits des klassischen Fernsehfilms öffnet. "Gerade die Öffentlich-Rechtlichen müssen langfristig auch ein jüngeres Publikum mit anderen Sehgewohnheiten für sich gewinnen", sagt er. Ein ambitioniertes Vorhaben dabei ist die Serie "Alpha 0.7 – Der Feind in Dir", die der SWR im Rahmen der Debüt-Reihe ab dem 14. November zeigt.
"Alpha 0.7" – inszeniert von Marc Rensing, produziert von Zeitsprung – ist laut SWR-Fernsehfilmchef Bergengruen "das erste wirkliche 360-Grad-Projekt". Im Internet ist "Alpha 0.7“ bereits präsent. Neben der Fernsehausstrahlung wird die Geschichte auch im Hörfunk weitergesponnen und mit der Realität verzahnt. In der Zukunftsvision, die medienübergreifend erlebbar gemacht werden soll, geht es um nicht weniger als die Verteidigung der Freiheitsrechte in einer Zeit der Überwachung. Im nicht mehr fernen Jahr 2017 sind Nacktscanner an der Tagesordnung und die Technik erlaubt mittlerweile auch den Blick ins Gehirn – jede Menge gesellschaflticher Zündstoff. Die Macher versprechen, dass die Geschichten trotzt der Verzahnung von Web, TV und Radio auch in jedem einzelnen Medium für sich bestehen können. Mit Spannung warten nicht nur die Macher bei Zeitsprung und im SWR auf die Resonanz. Wenn es klappt, könnte das trimediale Projekt dem Fiktionalen in Deutschland neue Impulse geben.
Allerdings will man bei „Debüt im Dritten“ nicht mit jedem Projekt das filmische Erzählen neu zu erfinden. "Es ist nicht der Anspruch der Reihe, dass die einzelnen Filme jeweils mit einer neuen Ästhetik das Kino revolutionieren, das geht ja gar nicht", sagt SWR-Fernsehfilmchef Bergrengruen. "Die jungen Filmemacher bekommen bei uns die Chance, ihre eigene filmische Handschrift zu finden für ihre eigenen Geschichten, für ihren individuellen Blick auf die Welt", so Bergengruen weiter. Der Freiraum, den der Nachwuchs für die Selbstfindung braucht, ist ihm zu Folge in der Regel größer, als es das Fernsehen im Alltag leisten kann – und darum geht es bei der Nachwuchsförderung des SWR.
Freiraum bedeutet allerdings nicht Narrenfreiheit. Zwar stehen die jungen Regie-Talente nicht Quotendruck, doch von Welpenschutz kann keine Rede sein. "Die Debüt-Filmer müssen mit wesentlich weniger Geld eine überzeugende künstlerische Leistung erbringen", erklärt TeamWorx-Chef Nico Hofmann. Der kreative Druck ist enorm", sagt er. Preise und gute Kritiken zählen für Fernsehfilmchef Bergengruen bei der Debüt-Reihe mehr als gute Quoten. "Es gibt auch Debütfilme, die ehrenvoll gescheitert sind, auch das muss möglich sein", sagt er. Doch das ist angesichts der Bilanz nach 25 Jahren nicht die Regel.
Den Auftakt zur Jubiläums-Staffel der Filmreihe bildet am heutigen Mittwochabend um 23 Uhr im SWR der Film "Es kommt der Tag" von Susanne Schneider.



