Am 15. März, vergangene Woche Donnerstag, suchte Volker Herres zwar noch das persönliche Gespräch mit Thomas Gottschalk und da die Vertraulichkeit des Gesprächs dem gewählten Restaurant entsprechend niedrig war, ist auch bekannt, dass Herres Gottschalk bei jener Unterhaltung im Promi-Lokal Borchardt den Rücken gestärkt hat als klar wurde, dass Gottschalk nicht von selbst aufgeben will. Doch wie ehrlich war Herres dabei? Nur einen Tag später, am Freitag, verlangte er in einem Brief an die ARD-Vorsitzende und WDR-Intendantin Monika Piel, dass die Absetzung der Vorabend-Show auf die Tagesordnung der Telefonkonferenz der ARD-Intendanten am Montag gesetzt werden müsse. Piel ließ Herres mit diesem Wunsch abblitzen. Aus naheliegendem Grund: Man hatte sich eben erst - in Übereinstimmung mit dem Vorabend-Koordinator Frank Beckmann (NDR) - auf eine Überarbeitung des Formates geeinigt.

Es wirkt schon befremdlich, wenn der Programmdirektor noch bevor die erste Sendung in neuer Form überhaupt über den Sender ging, mit Nachdruck eine Entscheidung gegen die Sendung herbeiführen wollte. Und deshalb brachte Herres das Thema "Gottschalk Live" am vergangenen Montag entgegen der Tagesordnung doch zur Sprache. Dass die Intendanten der ARD nicht gerade jubeln über schlechte Quoten und das Theater um die Sendung, überrascht da wenig. Eine Abstimmung jedoch gab es nicht. Zwei Tage vergingen und nichts passierte. Am Mittwoch dann wurde die Fehlinformation über eine angebliche Abstimmung vom Montag dem "Hamburger Abendblatt" gesteckt. Dort recherchierte man und vermeldete schließlich nur ein Stimmungsbild, doch die Meldung fand am Donnerstag dennoch erhebliche Verbreitung und führte zu erneuter Aufregung und Telefonaten.

Unter anderem zwischen Thomas Gottschalk und Volker Herres. Die Atmosphäre des Telefonats beschreiben beide Seiten am Donnerstag sehr unterschiedlich. Wie unterschiedlich, das zeigen die offiziellen Aussagen, die beide danach gegenüber Bild.de tätigten. Sie widersprechen sich deutlich. "Volker Herres hat mir heute nochmals versichert, dass er hinter der Sendung steht. Außerdem hat er mir heute erneut versichert, dass es weitergeht, wenn sich bis Ende April die inhaltliche Qualität verbessert und es bei den Quoten wieder einen Aufwärtstrend gibt. Ihm ist klar, dass das in vier Wochen keine zehn Prozent sein können, und er hat gesagt, dass das in der ARD auch niemand verlangen wird", sagte zunächst Gottschalk.