Für viele in der Medienbranche ist der Blick auf die Einschaltquoten ein ritualisierter Vorgang, der ähnlich unausweichlich ist wie die tägliche Tasse Kaffee nach dem Aufstehen. Und auch wenn mitunter in der öffentlichen Debatte gerne auf die Quote geschimpft wird, so bietet sie doch Tag für Tag die Möglichkeit eines spannenden Wettbewerbs zwischen Fernsehsendern um die Gunst des Publikums. Ganz nebenbei geht es aber natürlich auch um viel Geld, denn gerade für die Privatsender garantiert ein großer Erfolg bei den Zuschauern in der Regel auch hohe finanzielle Einnahmen.

Umso ärgerlich ist es, wenn die Zuschauerzahlen nicht wie gewohnt gegen 8:30 Uhr eintrudeln. Doch in den vergangenen Wochen häuften sich die Tage, an denen die Quoten nicht pünktlich erschienen. Immer wieder hat die GfK derzeit mit technischen Problemen zu kämpfen. Am 15. März etwa haperte es beim Audio-Matching und damit bei einem noch recht neuen Verfahren, das seit August vergangenen Jahres in erster Linie die IPTV-Haushalte misst, da dort das klassische TC-Score-System aus technischen Gründen nicht funktioniert. Das System, das den Abgleich durchführt, fiel Mitte März jedoch aus.

Zunächst hieß es damals, mit der Auslieferung der Quoten sei "nicht vor 14 Uhr" zu rechnen. Eine Aussage, die nicht falsch war, denn erst am frühen Abend tauchten die Zuschauerzahlen dann doch noch auf. Genau drei Wochen später ließen die Quoten schließlich sogar noch länger auf sich warten. Erst weit nach 21 Uhr erhielt die Branche am 5. April ihre Zeugnisse für den Tag zuvor. "Aufgrund des Ausfalls einer zentralen Komponente im Produktionsablauf wurde der Produktionsprozess der vorläufig gewichteten Nutzungsdaten abgebrochen", hieß es damals in einer Mitteilung. Und auch an diesem Donnerstag, weitere knapp drei Wochen später, ist mal wieder Warten angesagt, weil die GfK mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen hat.

Dabei dürften sich am Vormittag viele vor allem für eine Zahl interessiert haben: Wie viele Zuschauer erreichte der sagenhafte 4:1-Erfolg von Borussia Dortmund über Real Madrid im Halbfinale der Champions League? Eine Antwort darauf gab es erst mal nicht. Doch auf DWDL.de-Nachfrage teilte die GfK Fernsehforschung in Nürnberg mit, dass der am Donnerstag aufgetretene Fehler nicht so schwerwiegend gewesen ist wie vor wenigen Wochen. Man arbeite mit verschiedenen Check-Systemen, von denen eines Alarm geschlagen habe. Daraufhin habe man die Auswertung erst mal gestoppt und geprüft. "Wenn wir die Daten ausliefern, dann wollen wir es auch richtig machen, weil die Einschaltquoten eine hohe Relevanz besitzen", heißt es von Seiten der GfK.

Auffällig sind die sich häufenden Verzögerungen aber allemal, auch wenn man am Vormittag betonte, dass es Probleme wie jenes am Donnerstag immer wieder mal geben könne. Bleibt zu hoffen, dass die neuerlichen Schwierigkeiten nicht ganz so groß sind wie am 1. Juli 2009. An jenem Tag vor knapp vier Jahren konnten die Zuschauerzahlen nämlich gar nicht freigegeben werden. Man kann durchaus behaupten, dass der 1. Juli 2009 ein ganz besonderer Tag für die Medienbranche war. Dabei sollte dieser Tag hinsichtlich der Quoten-Messung doch eigentlich aus ganz anderen Gründen Geschichte schreiben: Mit ihm begann nämlich auch in Deutschland die Messung der zeitversetzten Nutzung etwa durch Festplattenrekorder, wie es in den USA schon seit längerem der Fall ist.

Doch verglichen mit den Problemen, die die Schweizer Nachbarn in diesem Jahr mit ihrer Quotenmessung haben, erscheinen die Schwierigkeiten der GfK hierzulande in einem anderen Licht. Seit Jahresbeginn lagen in der Schweiz überhaupt keine Zuschauerzahlen vor. Erst Anfang April - also nach mehr als drei Monaten - wurden dann doch erste Quoten veröffentlicht, was allerdings nicht allen schmeckte. Der Privatsender 3+ kündigte bereits an, rechtliche Schritte prüfen zu wollen. Die GfK-Probleme vom Donnerstag wurden im Vergleich dazu allerdings deutlich schneller behoben. Mit gut zweistündiger Verspätung tauchten die Daten doch noch auf - inklusive der erwartet starken Champions-League-Quoten.