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all-in-production / Annette Reeker © all-in-production
Annette Reeker und ihr "Cape Town"

Gewagtes Serien-Abenteuer am Kap der guten Hoffnung

 

Dies ist die außergewöhnliche Geschichte einer TV-Produzentin, die gegen alle Widerstände eine Serie geschrieben und gedreht hat. Auf eigene Faust, ohne Sender, mit internationaler Star-Besetzung. Das kalkulierte Abenteuer der Annette Reeker lässt hoffen.

von Torsten Zarges
23.07.2015 - 14:30 Uhr

"Anfangs haben mir viele gar nicht geglaubt, dass ich es ernst meine." Annette Reeker erinnert sich an die vielen Gespräche mit TV-Sendern, Programmvertrieben und Filmförderern, die meist mit einem verständnislosen Kopfschütteln endeten. Zwar konnte sie die TV-Rechte an einem internationalen Krimi-Bestseller – Deon Meyers "Der traurige Polizist" – und private Investitionsmittel in ansehnlicher Höhe vorweisen. Doch gegen sie sprachen aus konventioneller Branchensicht erdrückende Fakten: kleine Firma, wenig Serien-Erfahrung und ihr Plan, in Südafrika auf Englisch zu drehen.



"Da es mit einem solchen Finanzierungs- und Produktionsmodell in Deutschland kaum Erfahrungswerte gibt, ist es schwer, das in bekannten Kategorien zu fassen", sagt die Münchner Produzentin im Gespräch mit dem Medienmagazin DWDL.de. "Dass es bislang keine gelebte Koproduktionserfahrung mit Südafrika gibt, hat zur Skepsis von Sendern und Vertrieben maßgeblich beigetragen." Irgendwann hat Annette Reeker dann ihr Schicksal in die eigene Hand genommen und sich entschieden, fortan wörtlich zu nehmen, was es heißt, Unternehmerin zu sein.

Die Erfinderin von TV-Formaten wie "Switch", "Manngold" oder "Alles außer Sex" betreibt seit 2008 ihre Produktionsfirma all-in-production, an der inzwischen ProSiebenSat.1-Geschäftsführer Zeljko Karajica als stiller Gesellschafter mit 62,5 Prozent beteiligt ist. Die Rechte am Krimi des südafrikanischen Bestseller-Autors Deon Meyer erwarb Südafrika-Kennerin Reeker vor fünf Jahren. Dass sie ihren Plan dieses Jahr in die Tat umgesetzt und von März bis Juni in Kapstadt die ersten sechs Folgen von "Cape Town" gedreht hat, liegt wohl an ihrer Entschlossenheit und daran, dass sie das komplette Produktionsbudget bei ungenannten Privatinvestoren auftreiben konnte. Immerhin eine Million Euro pro Episode.

"Cape Town" erzählt als horizontale Geschichte, wie der weiße Kapstädter Police Captain Mat Joubert zwei Mordserien aufklären muss – eine an einer Reihe von weißen Männern, die alle mit einer deutschen Waffe erschossen wurden, was einen verspäteten politischen Rachefeldzug im Hinblick auf die Zeit der Apartheid nahelegt. Die andere betrifft junge europäische Models, allesamt gescheiterte Kandidatinnen von Castingshows, die schwerst misshandelt und danach entsorgt wurden. 

Cape Town
© all-in-production
Gleichzeitig muss Joubert mit seinen Selbstvorwürfen und Todessehnsüchten fertig werden, die ihn seit der Ermordung seiner Frau Lara plagen. Die war als verdeckte Ermittlerin einem internationalen Drogenring auf der Spur. Joubert bekommt als Partner den jungen Schwarzen Sanctus Snook von der Eliteeinheit Hawks zur Seite gestellt. Was er nicht weiß: Snook hat mit Lara zusammengearbeitet und soll nun intern gegen den für seine Eifersucht bekannten Joubert ermitteln.

Annette Reeker begnügte sich nicht mit der Rolle der Produzentin. Nachdem sie in einem frühen Stadium mehrere Autoren ausprobiert hatte und mit den Resultaten nicht zufrieden war, hat sie die Drehbücher kurzerhand selbst geschrieben. Der britische Autor Mark Needham hat sie überarbeitet und ins Englische übertragen. "Es geht hier nicht um experimentelles Erzählen", so Reeker. "Ich denke sehr mainstreamig – das spiegelt sich in der Stoffauswahl, in den Büchern, in der Besetzung wider. Ich versuche immer so zu denken wie die potenziellen Abnehmer. Das hilft gewaltig."

Auch als es ans Casting ging, verfuhr Reeker nach dem Prinzip 'selbst ist die Frau' und griff auf ihre internationalen Kontakte zurück. Mit den angepeilten TV-Märkten fest im Blick gewann sie den norwegischen Star-Schauspieler Trond Espen Seim ("Varg Veum") für die Hauptrolle des Ermittlers Mat Joubert und den Deutsch-Amerikaner Boris Kodjoe ("Resident Evil") als dessen Partner Sanctus Snook. Daneben u.a. "Tatort"-Kommissar Axel Milberg und den aus Südafrika stammenden Hollywood-Star Arnold Vosloo ("Die Mumie").

Reeker, die die Produktion in Kapstadt als Showrunnerin steuerte, ist stolz darauf, dass sie einen planmäßigen Dreh ohne Zeitverzug bei gleichzeitig gutem Klima am Set hingekriegt hat. Einerseits liege das an den verlässlichen Diensten des lokalen Serviceproduzenten Out of Africa Entertainment und dem starken Stab – zur Hälfte das Team der in Südafrika gedrehten vierten "Homeland"-Staffel. Andererseits wohl auch daran, dass jegliche Einflussnahme von Senderseite weggefallen sei.

"Wir haben quasi dänische Verhältnisse", scherzt Reeker in Anspielung auf die dortige Praxis, den Kreativen maximalen Freiraum zu gewähren. "Die Zahl der Entscheidungsträger ist sehr überschaubar, und wir bleiben so lange am Tisch sitzen, bis wir eine Lösung haben." Was so nett und harmonisch klingt, ist dennoch ein enormes unternehmerisches Risiko, das eine kleine Firma wie all-in-production schlimmstenfalls in Schieflage bringen könnte. Während Annette Reeker derzeit in München im Schnitt der ersten Staffel sitzt, gibt es zwar viel internationales Interesse an "Cape Town".

Darunter seien Interessenten aus Deutschland, Großbritannien, Skandinavien, Frankreich und Südafrika. Einen endgültigen Abschluss gibt es aber noch nicht. Das US-Unternehmen Dynamic Television hat im Frühjahr den Weltvertrieb übernommen. "Natürlich gehe ich ein ziemlich hohes Risiko ein, da bin ich keineswegs naiv", sagt Reeker. "Andererseits: Bei dem geringen Spielraum, den man als deutscher Produzent hat, um an Auftragsproduktionen überhaupt Geld zu verdienen, ist es höchste Zeit, nach Alternativen zu suchen." Im klassischen Modell beliefert Reeker das ZDF seit 2012 mit den erfolgreichen "Taunuskrimis" nach den Romanen von Nele Neuhaus. Der sechste, "Böser Wolf", ist zeitgleich zu "Cape Town" gedreht worden.

Betrachtet man bei "Cape Town" das Potenzial des Stoffs und erste Ausschnitte aus dem unfertigen Werk, so dürften die Chancen ganz gut stehen, dass sich Reekers Mut am Ende nicht nur kreativ, sondern auch wirtschaftlich auszahlen wird. Die Produzentin ist sich da so sicher, dass sie die zweite Staffel für 2016 fest einplant. Von Deon Meyer hat sie inzwischen alle Rechte an der Figur Mat Joubert erworben, kann somit nun auch eigene Krimis ohne literarische Vorlage entwickeln.

Seit Mai hat sie einen Writers' Room in Kapstadt eingerichtet, der auf Basis ihrer Plot-Idee die zweite Staffel vorbereitet. Im September und Oktober stößt Reeker dazu, um die Bücher fertigzustellen. Ab März will sie wieder drehen. "Wenn man sich schon in ein solches Abenteuer stürzt, dann muss man auch so konsequent sein und den zweiten Schritt gleich mitdenken. Ich kann doch nicht eine neue Marke aufbauen und die Abnehmer dann im Erfolgsfall zwei Jahre auf eine Fortsetzung warten lassen." Zum Kopfschütteln gibt es dann spätestens keinen Grund mehr.

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