Big Brother © Sixx/Martin Rottenkolber
Erste Einblicke ins neue Haus

"Big Brother" kehrt zurück: Ein Hort für Rampensäue

 

Mehr als vier Jahre nach der letzten Staffel kehrt "Big Brother" zurück - diesmal bei Sixx. Doch schon im Vorfeld gibt's Kritik, weil einige "Normalos" gar nicht so normal sind. Was die Macher dazu sagen und wie das neue Haus aussieht...

von Alexander Krei
21.09.2015 - 17:07 Uhr

Den ersten kleinen Shitstorm in den sozialen Netzwerken hat sich Sixx bereits eingehandelt, noch bevor das "Big Brother"-Haus am Dienstagabend nach mehrjähriger Pause seine Pforten wieder öffnen wird. Bei vielen echten Fans des Formats stößt es auf wenig Gegenliebe, dass die ersten drei Kandidaten allesamt keine unbeschriebenen Blätter sind, was die Erfahrung mit dem Medien angeht. Da wäre etwa der ehemalige Mr. Thüringen zu nennen, der es immerhin schon zu einer eigenen Wochenserie bei "Punkt 12" gebracht hat, oder der 21-jährige Tim Heilig. Dieser zählt schon vor seinem Einzug fast eine halbe Million Fans auf Facebook und ist in einer gewissen Zielgruppe also kein Unbekannter. Klassische Normalos sehen gewiss anders aus.

"Die Bewohner, die wir haben, sind keine - in dem Sinne - prominenten Persönlichkeiten", beschwichtigt Sixx-Chefin Christina Kuby bei einem Pressegespräch in Köln. Allerdings attestiert sie ihren Protagonisten "eine hohe Affinität, in die Öffentlichkeit zu gehen". Die Realityshow bleibt also auch nach dem Wechsel von RTL II zu Sixx ein Hort für Rampensäue. Dass eine ehemalige "Bachelor"-Kandidatin bekannt genug ist, um bei "Promi Big Brother" teilzunehmen, während eine ehemalige "Catch the Millionaire"-Kandidatin ins klassische "Big Brother"-Haus verfrachtet wird, entlarvt dann vermutlich, welchen Stellenwert man dem sendergruppen-eigenen Format im Vergleich zum RTL-"Bachelor" beimisst. Kuby verweist jedoch darauf, wie schwierig es heutzutage sei, Menschen zu finden, die nicht bei Facebook sind oder Videos bei YouTube hochladen. Allerdings möchte man entgegnen, dass dann doch noch ein Unterschied darin besteht, ob man seine Kommentare mit einem überschaubaren Freundeskreis teilt oder seine Videos in der Absicht ins Netz stellt, damit hunderttausende Zuschauer zu erreichen.

Rainer Laux, der hierzulande schon bei der ersten "Big Brother"-Staffel an Bord war und das Format so gut kennt wie kaum ein Zweiter, kann der in den sozialen Netzwerken ausgebrochenen Debatte dennoch nicht viel abgewinnen. Die Kandidaten würden im Haus "zurückgeworfen auf sich selbst" - ganz gleich, ob sie nun völlig unbekannt sind oder nicht. Ob es dennoch klug war, ausgerechnet drei medienaffine Kandidaten als erstes zu verraten, wird sich erst noch zeigen müssen. Und doch wäre es freilich zu früh, noch vor der ersten Show ein Urteil zu fällen - immerhin gibt es ja noch neun freie Plätze. "Ich bin mir sicher, dass wir die richtigen 12 ausgewählt haben", sagt Kuby über die Bewohner, die sich ab Dienstag im Idealfall 92 Tage lang in Köln-Ossendorf auf 235 Quadratmetern rund um die Uhr von Kameras überwachen lassen wollen.

Insgesamt 7.500 Bewerber zählten Sixx und die Produktionsfirma Endemol Shine, was die Chefin des Senders "gigantisch" findet, zumal mal bislang noch gar nicht verkündete, was es überhaupt zu gewinnen gibt. Inzwischen steht fest, dass der Sieger der Show 100.000 Euro sein Eigen nennen darf, was weniger ist als in den vorherigen Staffeln. Ansonsten will Sixx allerdings nicht sparen. "Die Produktion kostet nicht weniger, weil Sixx ein kleinerer Sender ist", betont Christina Kuby und erhofft sich von "Big Brother" neuen Schwung für den Frauensender, der aus nachvollziehbaren Gründen auf ein reines "Girlscamp" verzichtet hat. Auf die Frage, wann die Show für Sixx ein Erfolg ist, antwortet sie sich dennoch zurückhaltend: "Wenn's über dem Schnitt liegt." Der beträgt aktuell übrigens 1,4 Prozent.

Für eine bekannte Marke wie "Big Brother" sollte der Sprung über die Hürde also möglich sein. Grund zum Optimismus lieferte "Promi Big Brother", das Sixx in den vergangenen beiden Staffeln jeweils um Mitternacht mit einer unterhaltsamen Nachlese begleitete. Auf bis zu 9,6 Prozent Marktanteil steigerte sich die "Late Night Show" mit Jochen Bendel, den der Sender nun auch als Moderator für die wöchentlichen Entscheidungsshows verpflichtet hat. "Die Zahlen haben gezeigt, dass das Grundinteresse an 'Big Brother' wieder da ist", so Kuby. Und auch wenn Sixx verspricht, sich an den ersten Staffeln der Realityshow, über die einst fast das ganze Land sprach, orientieren zu wollen, so sieht "Big Brother" heute dann doch anders aus als vor 15 Jahren. "Wir sind schneller und schneiden anders", sagt "Big Brother"-Mann Rainer Laux und betont, sich dem Zeitgeist angepasst zu haben.

Big Brother© Sixx/Martin Rottenkolber

Einblick in den Garten, der auch einen kuppelförmigen Strafbereich umfasst

Während der ersten Staffel habe man den damaligen Kandidaten und heutigen Ballermann-Sänger Jürgen einmal zehn Minuten lang im Garten auf einem Grashalm kauend gezeigt. Die Quoten-Kurve sei damals stetig nach oben gegangen, weil jeder wissen wollte, wie es weitergeht. Auch auf Musik verzichteten die Macher damals. Und doch bleibt die Grundidee auch im Jahr 2015 bestehen: Insgesamt 58 Kameras sollen jeden Winkel des Hauses sowie des mit 245 Quadratmetern sogar noch etwas größeren Gartens überwachen. Erzählt wird jeder Tag vom Aufstehen bis zur Nachtruhe - und alle zwei Wochen muss jeder WG-Bewohner entscheiden, wen er am liebsten nach Hause schicken würde. Danach liegt es in den Händen der Zuschauer, welcher Kandidat eine Woche später das Haus verlassen muss.

Das Haus wurde nach dem Ende von "Promi Big Brother" übrigens grundlegend umgestaltet, wie der Blick ins Innere am Tag vor der Auftakt-Show zeigt. Cool und modern kommt es daher und wirkt zumindest stellenweise so, als habe Ikea Produktionsbeihilfe geleistet, was nach Angaben von Produzent Laux jedoch nicht der Fall war. Man habe Wert darauf gelegt, das Haus gemütlich einzurichten. "Das trägt dazu bei, sich schnell heimelig zu fühlen", so Kuby. Im Gegensatz zur Promi-Version spielt "Big Brother" nicht mit "Oben" und "Unten", sondern führt einen kuppelförmigen Strafbereich ein, der sich im Freien befindet und aller Voraussicht nach auch nicht allzu lange leerstehen wird. Und sollte es tatsächlich mal etwas härter zur Sache gehen, könnte der Sendeplatz um 22:10 Uhr helfen. Dieser ermögliche "mehr Freiheiten" als am Vorabend, betont Rainer Laux und verweist auf den weniger strengen Jugendschutz. Zumindest darüber werden andere wachen müssen als der Große Bruder.

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