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Milliarden-Poker um Fußball-Rechte

Champions League: 6 Lehren aus dem Rechte-Deal

 

Inzwischen ist es amtlich: Die Champions League verschwindet ab 2018 aus dem Free-TV. Der Deal ist dabei in mehrerlei Hinsicht spannend - weil er mit alten Gewohnheiten bricht und neue Perspektiven öffnet. Eine Analyse der Situation.

von Alexander Krei
13.06.2017 - 16:26 Uhr

Die Zeit der Free-TV-Selbstverständlichkeit ist vorbei.

Was in anderen Ländern längst selbstverständlich ist, bricht sich nun also auch in Deutschland Bahn: Das über viele Jahre hinweg gelernte Modell, wonach sich Free- und Pay-TV-Sender die Übertragungen von Fußballspielen teilen, neigt sich aktuell seinem Ende entgegen. Schon jetzt lässt sich sagen, dass sich die Zahl der frei-empfangbaren Fußballspiele verringern wird: Einerseits, weil das ZDF bei der Champions League ab Sommer 2018 komplett raus ist, andererseits weil schon ab der kommenden Saison die bislang zuschauerstarken Relegationsspiele im Bezahlfernsehen verschwinden werden. Man darf davon ausgehen, dass vor allem die Sponsoren diese Entwicklung genau beobachten werden, weil sie in Zukunft mit deutlich weniger Präsenz rechnen müssen.

Die alten Argumente der Privaten ziehen nicht mehr.

Erinnern Sie sich noch an Jürgen Doetz? Der langjährige Präsident des Privatsender-Verbandes VPRT witterte noch vor wenigen Jahren ein "gebührenfinanziertes Monopol auf die Fußballberichterstattung im deutschen Fernsehen". Solche Töne dürfte man inzwischen nicht mehr vernehmen, weil sich nicht erst mit der jüngsten Vergabe der Champions-League-Rechte gezeigt hat, dass die Privatsender durchaus mithalten können - wenn sie denn wollen. Plötzlich zeigt RTL die Qualifikation für Welt- und Europameisterschaften, Eurosport sichert sich Bundesliga-Rechte und selbst ein neuer Player wie DAZN mischt auf einmal im Milliarden-Poker mit. Nein, einen Automatismus hat es für ARD und ZDF nie gegeben. Jetzt, da Exklusivität zum entscheidenden Faktor wird, um die Zuschauer zu binden, öffnen auch die Privaten ihre Schatullen.

TV-Partnerschaften werden im Sportbereich immer wichtiger.

Ungeachtet der Ankündigungen, sich vermehrt auf Entertainment zu konzentrieren, wollte Sky nach der Bundesliga auch die Champions League unbedingt behalten. Zusammen mit der Bundesliga legt der Pay-TV-Sender damit künftig jährlich gut eine Milliarde Euro alleine für Fußball-Rechte auf den Tisch - eine stolze Summe, die so groß ist, dass man sich zumindest bei der Champions League ein paar Milionen durch eine Sublizenzierung an DAZN wieder zurückholen möchte. Deratige Partnerschaften sind angesichts steigender Preise inzwischen längst keine Seltenheit mehr: Für die Handball-Bundesliga hat sich Sky mit der ARD zusammengetan, Sport1 wiederum ist beim Eishockey als Free-TV-Partner an der Seite der Telekom dabei, zudem hat Sport1 auch mit DAZN eine Partnerschaft geschlossen. Absolute Exklusivität ist also auch heute ein rares Gut.

Der Erfolgs-Beweis steht noch aus.

Sky baue seine "führende Position im Sport aus", frohlockte Sky-Chef Carsten Schmidt am Dienstag, und der CEO von DAZN, James Rushton, jubelte, die Champions League ergänze das bisherige Live-Angebot des Streamingdienstes "perfekt". Ende gut, alles gut? Nun, das muss sich erst noch zeigen, denn zum jetzigen Zeitpunkt machen beide Seiten noch ein großes Geheimnis daraus, wie sie die vereinbarte Sublizenzierung überhaupt ausgestalten wollen. Nicht ausgeschlossen, dass sie es selbst noch nicht im Detail wissen. Ohne deutsche Mannschaften dürfte es für DAZN jedenfalls nicht ganz leicht werden, neue Zuschauergruppen für sein Streaming-Angebot zu begeistern. Gleichzeitig muss Sky erst noch beweisen, dass sich die massive Investition durch den Wegfall des Free-TV-Angebots in neue Kunden ummünzen lässt.

Der Deal ist zumindest kurzfristig keine schlechte Nachricht für die Free-TV-Sender.

Zumindest vorerst ist das Verschwinden der Champions League ins Pay-TV für die Free-TV-Sender keine schlechte Nachricht - vielleicht mit Ausnahme des ZDF, dem ab der übernächsten Saison ein wichtiger Quotengarant beim jungen Publikum abhanden kommt. Weil auf einen Schlag 17 Abende im Free-TV frei werden, an denen die Konkurrenz oft genug aus Sorge vor der Fußball-Übermacht kuschte, besteht zumindest kurz- und mittelfristig die Chance, den Wettbewerb am Mittwochabend wieder spannender zu gestalten. Mit Wiederholungen günstig produzierter Rankingshows dürfte es dann allerdings nicht mehr getan sein. Auf lange Sicht tun sich aber freilich schon Probleme auf: Der zu erwartende Anstieg der Pay-TV-Durchdringung könnte den frei-empfangbaren Sendern Zuschauer kosten. Und ohne attraktive Sportrechte laufen sie zunehmend Gefahr, aus dem Relevant Set zu rutschen.

Die Fans müssen die Rechnung bezahlen.

Wer schon bisher sicher gehen wollte, seine Mannschaft in der Champions League zu Gesicht zu bekommen, kam nur schwer um ein Pay-TV-Abo herum. In Zukunft werden Fans aber in Folge der Verknappung im Free-TV wohl ganz sicher noch tiefer in die Tasche greifen müssen, um Live-Fußball sehen zu können. Gut möglich, dass diese Entwicklung eine weitere Stärkung des Public-Viewings zur Folge haben wird. Diese Exklusivität wiederum werden die Gastwirte zu spüren bekommen, die ihrerseits mit steigenden Preisen reagieren werden. Eine schier unendliche Spirale, von der am Ende vor allem die UEFA und die ohnehin schon großen Fußballvereine finanziell profitieren dürften.

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