Ich bin ein Star - Holt mich hier raus! 2018 © MG RTL D / Stefan Menne
"Wir kaufen immer die Katze im Sack"

Der Dschungel geht weiter - aber mit Veränderungen?

 

Auch 2019 will RTL sein Dschungelcamp wieder öffnen. Als Lehren aus der unterm Strich ernüchternden zwölften Staffel stellt RTL-Dschungelchef Markus Küttner jedoch mögliche Veränderungen in Aussicht. Mit dem diesjährigen Cast war er nicht rundum glücklich.

von Alexander Krei
04.02.2018 - 10:43 Uhr

Fünfeinhalb Millionen Zuschauer und ein durchschnittlicher Marktanteil von 38 Prozent in der Zielgruppe: Wer mit Blick auf die am Samstagabend zu Ende gegangene zwölfte Staffel des RTL-Dschungelcamps von schwachen Quoten spricht, jammert wahrlich auf hohem Niveau. Dennoch gehört es auch zur Wahrheit, dass "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" in diesem Jahr rund eine Million Zuschauer weniger vor den Fernseher gelockt hat als noch 2017 - sieben Millionen und mehr, wie man das in der Vergangenheit immer wieder gesehen hat, waren diesmal nicht drin. Am Tag nach dem Finale kann nun also die Spurensuche beginnen: Warum fand die von ITV Studios Germany produzierte Realityshow diesmal nicht so viele Fans wie gewöhnlich?

Markus Küttner
© RTL
Bei RTL gibt man sich zunächst jedoch gelassen. "Der Dschungel erreicht mehr Zuschauer als jede andere Show im deutschen Fernsehen. Für viele gehört 'IBES' inzwischen zum Jahresstart dazu", sagt Markus Küttner (Foto), der den Bereich Comedy & Real Life leitet, gegenüber DWDL.de. "Wir schauen bei den Quoten bekanntlich immer auf die Reichweite und die Marktanteile, und es fällt auf, dass wir zwar Zuschauer absolut verloren haben, aber bei den Marktanteilen gar nicht so weit hinter den Werten der Vorjahre liegen. Das zeigt, dass der Verlust von Zuschauern kein Phänomen ist, mit dem sich der Dschungel alleine auseinandersetzen muss." Tatsächlich dürften die vergleichsweise geringen Marktanteils-Verluste aber auch darauf zurückzuführen sein, dass diesmal so mancher Dschungel-Fan nicht etwa zur Konkurrenz zappte, sondern den Fernseher am späten Abend gar nicht erst einschaltete.

Einen nicht unerheblichen Anteil am Erfolg der Show hat jedoch vor allem die Performance der Kandidaten im Camp. "Damit hat man mal mehr Glück, mal weniger", räumt Küttner ein. Für die zwölfte Staffel gilt wohl eher Letzteres. "Wir kaufen bekanntlich immer die Katze im Sack", betont der RTL-Dschungelchef. "Ich könnte aus der Vergangenheit viele Beispiele von Promis nennen, bei denen ich kaum eine Erwartung an die Performance im Dschungel hatte, die uns dann aber ein großes Spektakel abgeliefert haben - Sarah Knappik, Larissa Marolt - oder umgekehrt, von denen wir sehr viel erwartet hatten und dann eher enttäuscht wurden." Hier verweist Küttner etwa auf Sarah Kulka und Aurelio Salvina, die die meisten Zuschauer wohl schon längst wieder vergessen haben.

Deutlich mehr versprochen hat man sich bei RTL in diesem Jahr von Ex-Fußballer Ansgar Brinkmann, der nach etwas mehr als einer Woche überraschend das Handtuch warf. Im Vorfeld der Staffel sei er mehrfach zu Brinkmanns Verpflichtung beglückwünscht worden, erzählt Markus Küttner im Gespräch mit DWDL.de. Der sei klasse und sorge für Trubel, habe es geheißen. "Nun, der Rest ist Geschichte", sagt Küttner, der Daniele Negroni, Matthias Mangiapane und Tina York im Gegenzug als Lichtblicke bezeichnet - ebenso wie die spätere Dschungelkönigin Jenny Frankhauser, ihres Zeichens bekannt geworden als Schwester von Daniela Katzenberger. Dass selbst hart gesottene Realityshow-Fans in diesem Jahr Mühe hatten, die Namen aller Teilnehmer richtig zuzuordnen, könnte das Unterfangen zudem erschwert haben.

"Ich kann mir gut vorstellen, dass es ein paar Veränderungen geben wird."
Markus Küttner, Bereichsleiter Comedy & Real Life bei RTL

Eine Pause wird RTL dem Dschungel trotzdem nicht gönnen: Anfang 2019 soll die 13. Staffel von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" produziert werden, wie der Sender gegenüber DWDL.de bestätigte. Angesichts der allgemein gesunkenen Quoten kann es sich RTL wohl ohnehin nicht leisten, auf einen derartigen Hit zu verzichten. Wie nach jeder Staffel will sich der Sender noch im Februar mit den Verantwortlichen von ITV zusammensetzen und über das reden, was gut und was weniger gut gelaufen ist im Dschungel. "Bei der Gelegenheit besprechen wir auch den Cast und überlegen, was wir hier verbessern können", betont RTL-Mann Markus Küttner. "Ich kann mir gut vorstellen, dass es ein paar Veränderungen geben wird – welche das sein werden, kann ich jetzt natürlich noch nicht sagen."

Blickt man nach England, wo es vom Vorbild "I'm a Celebrity - Get Me Out Of Here!" Ende vergangenen Jahres bereits die 17. Staffel zu sehen gab, so fällt jedoch auf, dass sich RTL mit Veränderungen deutlich stärker zurückhält. Das zweite Camp, das man vor einigen Jahren zu Beginn der Staffel einführte, fehlte in diesem Jahr wieder, und die Einführung eines zweiten Dschungeltelefons, durch das man sich mehr Zoff erhoffte, hatte angesichts allgemeiner Ödnis keinen nachhaltigen Effekt. Die englischen Kollegen ließen ausgewählte Bewohner jüngst dagegen zwischenzeitlich in echten Betten schlafen und stellten dafür einen abgeschottenen Schlafraum in den Dschungel. Zudem wurde mit Live-Prüfungen experimentiert. Gemessen daran, hat sich das deutsche Dschungelcamp in den vergangenen Jahren kaum verändert. Am Ende steht und fällt der Erfolg der Show allerdings ohnehin mit den Campern - hier wird RTL im nächsten Jahr wieder ein glücklicheres Händchen beweisen müssen.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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