Saisonbilanz 2017/18 – ZDF © DWDL
Saison-Rückblick 2017/18

Die ZDF-Formel: Mörder + Lichter = Marktführer

 

Das ZDF hat eine hervorragende Saison hinter sich und dominiert den TV-Markt mehr denn je, zumal auch das Beiboot ZDFneo auf der Erfolgswelle mitschwimmt. Beide Sender haben dabei das gleiche Erfolgsrezept: Wer einschaltet, trifft meist auf Krimi oder Trödel.

von Uwe Mantel
13.06.2018 - 08:08 Uhr

In der Saison 2011/2012 gab es zum letzten Mal die Situation, dass das ZDF und Das Erste sich in Sachen Marktanteilen um die Vorherrschaft unter den Öffentlich-Rechtlichen stritten, klarer Marktführer war auch beim Gesamtpublikum damals allerdings noch RTL. Seither ging es für Das Erste leicht nach unten, RTL ist regelrecht abgestürzt - nur am Lerchenberg in Mainz ist die Fragmentierung irgendwie vorüber gegangen, das ZDF legte im Gegenteil sogar noch zu und dominierte in der zurückliegenden Saison so deutlich wie noch nie. In jedem einzelnen Monat zwischen September und Mai lag das ZDF an der Spitze, der Vorsprung betrug bis zu 2,9 Prozentpunkte. Und in jedem einzelnen Monat konnte das ZDF seinen Marktanteil im Vergleich zum Vorjahresmonat auch deutlich steigern, im Schnitt um 0,8 Prozentpunkte.

Das Erfolgsgeheimnis des ZDF - oder besser gesagt der gesamten ZDF-Familie - ist eine gewisse Verlässlichkeit: Wenn man das Programm der Mainzer einschaltet, dann ist in der Regel entweder der nächste Mörder oder zumindest der nächste Lichter nicht weit. "Bares für Rares" hat in der letzten Saison im ZDF-Nachmittagsprogramm nochmal deutlich zugelegt und macht die Mainzer mit im Schnitt fast 25 Prozent Marktanteil beim Gesamtpublikum zum klaren Marktführer um 15 Uhr - und lieferte mit dem XXL-Ableger auch noch das erfolgreichste neue Primetime-Format seit Jahren. Im Vorfeld hat sich nachmittags auch die "Küchenschlacht", die vor einigen Jahren noch ein Schwachpunkt war, dem die Absetzung drohte, auf ein sehr ordentliches Quotenniveau gesteigert.

Auf seine Krimiserien - ob "Rosenheim-Cops" oder eine der zahlreichen "SOKO"-Reihen - kann sich das ZDF nicht nur am Vorabend verlassen, wo das Erstarken des Ersten mit seiner Quiz-Schiene allenfalls minimalen Schaden angerichtet hat, nein, auch tagsüber hat man mit Wiederholungen derselben alle Löcher gestopft, die da vor einigen Jahren noch klafften. Sei es um 16 Uhr, wo das ZDF mit dem Aufguss der "Rosenheim-Cops" mit in der Regel über 20 Prozent Marktanteil der Konkurrenz längst enteilt ist, oder auch am Vormittag, wo man die Zeit zwischen "Volle Kanne" und den mittäglichen Magazinen ebenfalls sehr erfolgreich mit Krimi-Wiederholungen auffüllt.

Und dann ist da natürlich noch die Primetime, wo das ZDF längst nicht nur freitags mit seinem Krimi-Abend gut fährt, auch der montägliche "Fernsehfilm der Woche" kommt meist aus dem Krimi-Genre und generell hat man mit seinen an unterschiedlichen Abenden beheimateten Krimi-Reihen inzwischen teils schon fast das "Tatort"-Niveau erreicht. Ob "Nord Nord Mord", "Ein starkes Team", "Wilsberg", "Die Toten vom Bodensee", "Helen Dorn", "Unter anderen Umständen" oder "Marie Brand" - sie alle sind für mehr als sieben, teils mehr als acht Millionen Zuschauer gut. Daneben hat man mit "Bergrettern" und "Bergdoktor" auch noch die Heimat-Schiene sehr erfolgreich besetzt und wie auch sonntags mit seinen Herzkino-Filmen etwas fürs Herz liefert. Und sollte das ZDF dann doch mal ein anderes Programm zeigen, dann kann man fast sicher sein, dass ZDFneo den passenden Mord gerade im Angebot hat - oder am Vorabend eben den überaus erfolgreich Horst Lichter.

In vielen Fällen geht das ZDF also auf Nummer Sicher - und doch ist es zugleich der Sender, der sich in Sachen deutscher Fiction innovativer zeigte als die meisten Konkurrenten. Ein Positiv-Beispiel ist fraglos die Miniserie "Bad Banks", mit der das ZDF viel Aufmerksamkeit generierte und zwar auch und gerade außerhalb des ZDF-Stammpublikums. Das ist für einen von allen über Beiträge finanzierten Sender eigentlich mindestens genauso essentiell wie die Bedienung der Interessen des Stammpublikums - mit reinem Blick auf die Reichweiten der linearen Ausstrahlung war die Miniserie allerdings eigentlich kein Erfolg, die Marktanteile lagen teils im einstelligen Bereich. Gefloppt ist der Versuch, mit den Serien "Zarah" und "Das Pubertier" eine andere Serienfarbe im Programm zu etablieren, auch wenn "Das Pubertier" zumindest beim jungen Publikum gut lief - aber nur wenige Ältere ansprach. Problemloser ins Programm integriert haben sich die Serien "Schuld" und "Professor T.". Immerhin: Das Problem, dass Serien fürs ZDF-Hauptprogramm so konventionell sein müssen, dass auch das ZDF-Stammpublikum nicht verschreckt wird, löst man ZDF-intern schlicht dadurch, dass man angefangen hat, auch für ZDFneo verstärkt in eigenproduzierte Fiction zu investieren. Weil sie sich aber dort ebenfalls mit den sehr erfolgreichen Krimi-Wiederholungen messen müssen, haben es Produktionen wie "Bruder - Schwarze Macht" auch dort schwer.

Während man dem ZDF Experimentierfreude in Sachen Serien-Produktion also durchaus nicht absprechen kann, wenn man auch ZDFneo mitbetrachtet, sieht es im Show-Bereich anders aus. Es scheint ganz so, als habe man die Bemühungen, hier nochmal nennenswert zu punkten, weitgehend eingestellt. Der Sender, der über Jahrzehnte so stolz auf Europas erfolgreichste Show war, steht in dem Bereich weiterhin mit einem ziemlich dürftigen Repertoire da. Das vom Ersten abgekupferte "Da kommst du nie drauf" läuft zwar ein paar Mal im Jahr solide, auch der "Quiz-Champions" ist immer mal wieder für starke Quoten gut, doch während man nach der Verpflichtung von Steven Gätjen in der Anfangszeit zunächst noch herumexperimentiert hat, war von großen Ambitionen in diesem Bereich zuletzt kaum mehr etwas zu sehen - auch, weil im Zweifel ein weiterer Krimi eben immer erfolgreicher läuft.

Noch ein Grund, warum das ZDF so viel besser dasteht als Das Erste, dem stärksten Verfolger: Dem ZDF gelingt es meist, auch am späteren Abend zu punkten, während das Erste dort deutliche Schwächen aufweist. Das hängt schon damit zusammen, dass das "heute-journal" nicht nur dann gut läuft, wenn es einen starken Vorlauf hat, sondern bei vielen offenbar auch einen Einschaltimpuls auslöst und immer wieder mehr Zuschauer vorweisen kann als das Primetime-Programm. Markus Lanz sorgt zudem ziemlich verlässlich für einen gelungenen Abschluss des Abends. Und mit seinen Satire-Formaten hat das ZDF sich in den letzten Jahren ohnehin eine herausragende Stellung erarbeitet. Die "heute-show" konnte nochmal eine Schippe drauf legen und hat nicht selten sogar mehr Zuschauer als die Primetime-Sendungen der Konkurrenz, selbst bei den Jüngeren spielt sie in den Quotencharts ganz oben mit. Auch "Die Anstalt" hat sich gut etabliert.

Und dann gibt's da natürlich noch den Sport, der dem ZDF verlässlich gute Quoten beschert. Neben Olympia war das in der letzten Saison vor allem die Champions League. Doch deren Verlust wird man in der kommenden Saison kompensieren müssen, sie wird dann nur noch im Pay-TV zu sehen sein. Insbesondere mit Blick aufs jüngere Publikum wird man sie nicht gleichwertig ersetzen können. Doch an der Marktführerschaft des ZDF wird das kaum etwas ändern - zumindest so so lange der Krimi weiter das bevorzugte Genre der Deutschen bleibt und der Trödeltrend nicht abebbt.

Über den Autor

Uwe Mantel ist stellvertretender Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Schaut seit den 80ern Fernsehen und schreibt seit 2004 auch darüber. Kann sich sowohl in gute Serien als auch trockene Zahlen vertiefen. Und seine fränkische Herkunft nicht verleugnen.

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