Manfred Loppe © MG RTL D / Stefan Gregorowius
Die Reichweiten steigen

Streit mit FIA-Boss trübt die gute Formel-1-Bilanz von RTL

 

Eigentlich hätte RTL allen Grund zur Freude: Trotz Fußball-WM und vorzeitiger Titel-Entscheidung hat die Formel 1 in diesem Jahr mehr Zuschauer angelockt als noch 2017. Doch pünktlich zum Saison-Finale hat FIA-Boss Jean Todt den Sender für seine Übertragungen kritisiert.

von Timo Niemeier
26.11.2018 - 16:50 Uhr

Es ist eine spannende Formel-1-Saison für RTL gewesen: Zwar überträgt der Sender die Rennen schon seit mehr als 27 Jahren, in diesem Jahr musste man sich die Rechte aber erstmals seit vielen Jahren nicht mehr mit Sky teilen. Der Pay-TV-Sender erreichte mit seinen Übertragungen zuletzt fast eine halbe Million Zuschauer. Um diese Zahl konnte RTL die durchschnittliche Reichweite der Rennen zwar nicht steigern, dennoch ging es nach oben. 4,54 Millionen Menschen sahen sich die 21 Rennen im Schnitt an, das waren rund 150.000 mehr als im vergangenen Jahr.

Zur Halbzeit lief es sogar noch besser: Zu Beginn der Sommerpause nach dem Rennen in Ungarn lag man mit 400.000 über dem Schnitt aus 2017. Das dieser Wert in der zweiten Saison-Hälfte nicht gehalten werden konnte, liegt mit Sicherheit auch daran, dass das Titelrennen zusehends unspannend wurde. Sebastian Vettel zog im Kampf mit Lewis Hamilton immer wieder den Kürzeren, bevor der Brite vier Rennen vor Schluss als neuer Weltmeister feststand. Vor der Sommerpause trat die Formel 1 sogar zeitweise gegen die Fußball-WM an und konnte sich vergleichsweise gut schlagen.

"Trotz Fußball-WM haben wir ein Plus von 150.000 Zuschauern und den besten Saisonwert seit fünf Jahren. In insgesamt 12 Rennen lagen wir über Vorjahr. Das betrachten wir als vollen Erfolg", sagt RTL-Sportchef Manfred Loppe im Gespräch mit DWDL.de. Tatsächlich erreichte RTL zuletzt in der Saison 2013 eine höhere Durchschnittsreichweite, damals lockte man im Schnitt noch mehr als fünf Millionen Menschen vor die TV-Geräte. "Leider verlor das leidenschaftlich und auf Augenhöhe geführte Duell zwischen Lewis Hamilton und Sebastian Vettel nach der Sommerpause an Schärfe, bereits vier Rennen vor Schluss war die WM in Mexiko entschieden. Doch obwohl die Luft raus war, hatten wir in den letzten vier Rennen immer über vier Millionen Zuschauer." Beim Finale in Abu Dhabi lag die Reichweite am Sonntag sogar um 680.000 über dem Vorjahreswert. In der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen lag RTL in dieser Saison auf dem Niveau von 2017, im Schnitt betrug der Marktanteil rund 24,3 Prozent.

"Obwohl die Luft raus war, hatten wir in den letzten vier Rennen immer über vier Millionen Zuschauer."
RTL-Sportchef Manfred Loppe

Auch mit den neuen Startzeiten zeigt man sich beim Sender zufrieden, die Nachmittags-Rennen, die in der Vergangenheit immer um 14 Uhr begannen, wurden um etwas mehr als eine Stunde nach hinten verschoben - auch auf Bitten einiger TV-Sender. Und auch mit dem neuen Experten-Team gibt nach sich in Köln zufrieden. Erstmals stand ja nicht Niki Lauda an der Seite von Florian König, sondern abwechselnd Nico Rosberg und Timo Glock. Loppe attestiert ihnen sowie Experte Christian Danner ein "Höchstmaß an Kompetenz mit einer wohltuenden Frische und Leichtigkeit". Vor diesem Hintergrund wird es 2019 wohl zu keinen größeren Veränderungen kommen. "Never change a winning Team! Wir wären schlecht beraten, wenn wir dagegen verstoßen würden", so Loppe.

Das stärkste Rennen war übrigens das aus Deutschland, das von mehr als sechs Millionen Menschen gesehen wurde und RTL damit die höchste Formel-1-Reichweite seit November 2016 bescherte. "Die Formel 1 hat sich einmal mehr als eine herausragende Sportmarke erwiesen, die auch weiterhin Wachstumspotentiale hat", sagt RTL-Sportchef Loppe. Für das kommende Jahr erhoffe man sich aufgrund anstehender Regeländerungen einen intensiveren Wettbewerb, vor allem zwischen Hamilton, Vettel und Max Verstappen. Das könnte die Reichweiten weiter nach oben treiben.

FIA-Boss trübt die gute Stimmung

Trotz der gestiegenen Reichweite dürfte man bei RTL nicht gänzlich glücklich sein. Das liegt aber weniger an der Performance der Formel 1 auf dem Bildschirm, sondern an einem Interview, das Jean Todt, Präsident des Automobil-Weltverbandes FIA, am Sonntag gegeben hat. Der "Welt am Sonntag" erklärte Todt, er habe sich zuletzt eine Übertragung bei RTL angesehen und sei dadurch zum "maximal frustriertesten Fernsehzuschauer" geworden. Grund der Kritik: Die Werbeblöcke bei RTL. Man bekomme mehr Werbung geliefert als Rennen, so Todt (DWDL.de berichtete).

Dass das Konzept der RTL-Übertragungen Todt neu sein soll, kann man bei einem Profi wie ihm aber wohl ausschließen. Er ist seit Jahren in der Formel 1 und bei der FIA aktiv, er weiß wie das System funktioniert. Auch der Zeitpunkt des Interviews spricht für eine bewusst gewählte Provokation in Richtung RTL. Warum Todt diesen Angriff fährt, ist allerdings schwer nachzuvollziehen. RTL hat die Übertragungsrechte noch bis 2020 sicher und ist eigentlich ein treuer Partner der Formel 1. Das Konzept mit den Werbeunterbrechungen hat sich seit 1991 nicht verändert - bei Liberty Media entschied man sich zuletzt ja auch ganz explizit für RTL und damit für eben dieses Konzept. Leidtragender war Sky, wo man mit dem Wunsch nach mehr Exklusivität nicht genügend Gehör fand.

In Köln reagierte man entsprechend verschnupft auf die Kritik Todts: "Wir sind nicht beitragsfinanziert und deshalb müssen wir unser Geld durch Werbung verdienen", erklärte Sportchef Loppe noch am Sonntag. Nur so könne man den Zuschauern die Formel 1 kostenlos anbieten. Und auch Loppe wundert sich über den Zeitpunkt der Kritik, zumal RTL erst 2016 von der FIA als "Broadcaster of the Year" ausgezeichnet wurde. "Todts Aussage deckt sich auch nicht mit dem deutlichen Anstieg unserer Zuschauerzahlen in diesem Jahr und der großen Wertschätzung, die uns Lizenzgeber Liberty Media entgegenbringt."

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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