Jon Hamm © Amazon
Ein Blick hinter die Kulissen

Über Pressetage und einen nachdenklichen Jon Hamm

 

Bei seriellen Prestige-Projekte wie „Good Omens“ geben Pressetage die Gelegenheit zu Interviews. Für den Cast, der oft längst am nächsten Projekten arbeitet, sind diese Veranstaltungen eine Zeitreise. Und der erste Blick aufs fertige Werk bleibt z.B. für Jon Hamm etwas, woran er sich nie gewöhnen wird.

von Thomas Lückerath , London
10.06.2019 - 09:50 Uhr

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Bevor wir zu Jon Hamm kommen, fangen wir noch etwas früher und grundsätzlicher an: Wie entstehen eigentlich die Interviews mit Schauspielstars, preisgekrönten Autoren und Showrunnern, die auch bei DWDL.de regelmäßig zu diversen Serienprojekten erscheinen? Wie bekommen deutsche Medien Zugriff auf Stars, die immer noch oft aus den USA kommen? Nun, in seltenen Fällen gibt es am Rande von Preisverleihungen oder Vorträgen mal die Gelegenheit für exklusive Gespräche. In unserem Fall klappt manches Interview auch durch jahrelange Kontaktpflege und Präsenz bei US-Veranstaltungen wie den LA Screenings oder Primetime Emmys. Oft aber sind es organisierte Pressjunkets, wie die Pressetage im Englischen genannt werden. 

 

Einst, in einer noch ganz auf Hollywood fokussierten Serienwelt, wurden solche Veranstaltungen gerne gebündelt in Los Angeles veranstaltet: Aus aller Welt kamen Journalisten um den Protagonistinnen und Protagonisten diverser aktueller Serien eines Hollywoodstudios wie Warner Bros, Fox oder ABC Disney, ihre Fragen zu stellen. Diese Bündelung war nötig, um die langen Anreisen zu rechtfertigen. Und sie war möglich, weil US-Serien oft erst mit Zeitverzug in internationalen Märkten starteten. Oft also hatte man damit schon Interviews geführt, die erst Monate später zur Verwendung kommen würden - wenn die betreffenden Serie es denn überhaupt nach Deutschland schafften.

Im Zeitalter globaler Angebote wie Netflix und Amazons Prime Video hat sich die Kommunikation geändert, weil die Zielgruppe für die Berichterstattung über neue Serien heute oft unmittelbar international ist: Gleichzeitige weltweite Veröffentlichung führt zu zeitnah veranstalteten Pressjunkets, die sich oft auf eine Serie fokussieren. Hollywood ist dafür nicht mehr der Nabel der Welt. Für den maximalen medialen Buzz, bekommen auch immer mehr große Serien - egal ob von Streamingdiensten oder linearen Sendern - eine große Premiere im Kino spendiert. Oft hängen die Pressjunkets und Premieren zeitlich zusammen - und nicht selten gestehen Schauspielerinnen und Schauspieler beim Pressjunket, dass sie bei der Premiere am Abend auch zum ersten Mal das Endprodukt sehen. Sicher, manchmal wird mit so einer Aussage auch nur kokettiert.

Oft genug aber stimmt sie. Nach einigen hundert geführten Gesprächen mit Schauspielerinnen und Schauspielern fällt schließlich auf, wenn gerne über die Bücher der Serie oder die Chemie am Set geschwärmt wird. Wenn über Anekdoten vom Dreh oder die Einordnung der Serie in gesellschaftliche Zusammenhänge gesprochen wird. Wenn es eben um alles geht, aber nur sehr selten um die fertige Serie. Selbst naheliegene Fragen nach Lieblingsszenen werden meist ausweichend beantwortet: Mit Bezug auf die Drehbücher. Oder die Stimmung am Set beim Dreh gewisser Szenen. Ich wurde vor einiger Zeit neugierg und habe angefangen, nach Ende der knapp bemessenen Interview-Zeit noch kurz nachzuhaken, wie viel er oder sie denn schon gesehen hat von seiner bzw. ihrer neuen Serie. Das gab dann die Bestätigung.

Vielleicht ist die Frage, die ich mir deshalb irgendwann stellte genauso speziell wie dieser Text hier. Aber ich wunderte mich: Gefragte Schauspieler, wie beispielsweise der prominente Cast von „Good Omens“, der kürzlich gestarteten Koproduktion von Amazon und BBC, stehen ständig vor der Kamera. Michael Sheen beispielsweise, in „Good Omens“ als guter Engel auf Erden zu sehen, steht in diesen Wochen für Warner Bros. als bärtiger Serienmörder für seine nächste Serie, „Prodigal Son“, vor der Kamera. Mit dem für diese Rolle nötigen Bart saß er auch in London neben David Tennant auf dem Sofa des Soho Hotels. Und auch auf den Fotos bei der „Good Omens“-Weltpremiere wenige Stunden später muss der Bart für die nächste Serie dran bleiben, selbst wenn Sheen damit schon gänzlich anders aussieht als der brave Engel. 

Michael Sheen

Michael Sheen: Mit der Bartpracht für die nächste Serie bei der Premiere von "Good Omens"

Wie ist das eigentlich als Schauspieler bzw. Schauspielerin, wenn der Dreh einer Serie oder eines Films schon Monate oder gar mehr als ein Jahr zurück liegt? Pressetage sind schließlich die Rückkehr zu eine Rolle, die man meist schon vor längerem abgehakt hat. Ist es wirklich pure Freude, das Ergebnis der Arbeit - inklusive CGI und Soundbearbeitung - zu sehen? Schließlich wohnt dem Schauspiel für Film und Fernsehen die Tragik inne, dass die beim Dreh so elementare Schauspielkunst beim fertigen Endprodukt von vielen Ebenen überlagert wird. Vom Schnitt über den Sound bis zur Qualität von CGI zum Beispiel. All das kommt erst nach Drehschluss, wenn der Cast einer Produktion schon den Haken dahinter gemacht hat und auf dem Sprung zum nächsten Auftrag ist.

Kein Wunder also, dass man vor dem ersten Blick aufs finale Produkt durchaus Respekt hat. So geht es jedenfalls Jon Hamm, der in „Good Omens“ den Erzengel Gabriel spielt. Wir kommen noch dazu. Noch ein Wort zu den besagten Pressjunkets. Interviews werden manchmal 1:1, häufiger aber in Roundtables organisiert: In Gruppen haben Journalistinnen und Journalisten aus verschiedenen Ländern für 15 oder 20 Minuten Zeit, gemeinsam mit mal einem oder mal mehreren Stars oder Kreativen zu sprechen. Das Klatschblatt hat dabei ganz andere Fragen als die Fachpresse. Eine Programmzeitschrift interessiert sich für andere Aspekte als die Tageszeitung. Oft reihen sich mehrere dieser Gespräche, die mit Vorliebe in umgeräumten Hotelzimmern angesagter Design- oder Luxushotels stattfinden, aneinander. Man zieht von Hotelzimmer zu Hotelzimmer.

Der Klassiker unter den Fragen der Journalistinnen und Journalisten: „What was your biggest challenge?“ Beliebt ist auch die Frage nach der witzigsten Situation am Set. Uninspirierte aber naheliegende Fragen, so dass die Antworten oft gut vorbereitet sind. Da kommt niemand zum Nachdenken. Auf so etwas ist die PR-Maschinerie gut vorbereitet. Wer das Englische als Journalist nicht so gut beherrscht, ist glücklich, früh eine dieser Standardfragen los zu werden. Das ist verständlich und effektiv. Sorgt aber dafür, dass man später manche Anekdote mehrfach liest. Bei mehreren Gruppen von Schreibenden die den Stars nacheinander zugeführt werden, werden sich naturgemäß viele Fragen doppeln.

Es ist aber auch ein Risiko, zu ungewöhnliche Fragen zu stellen. Bei knapper Zeit und der damit verbundenen, fehlenden Gelegenheit für Nachfragen, muss die eine Chance sitzen. Nichts ist ärgerlicher als wenn eine gut gemeinte, interessante Frage schnell abgekanzelt wird. Für viele Journalistinnen und Journalisten sind die kurzen Gespräche mit den Stars schon von Druck geprägt - und der Hoffnung, eine Frage zu stellen, die richtig verstanden und gehaltvoll beantwortet wird. 

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