Saisonbilanz 2018/19 - Kabel 1 © DWDL
Saison-Bilanz 2018/19

kabel eins: Der unverhoffte Aufsteiger der Saison

 

kabel eins lag in der letzten Saison in jedem Monat über dem Vorjahreswert und hält sich seit Anfang des Jahres nun kontinuierlich vor RTL II - vor allem, weil sich die Probleme am Vorabend weitgehend in Wohlgefallen aufgelöst haben. In der Primetime überzeugten vor allem die "Trucker Babes"

von Uwe Mantel
17.06.2019 - 08:29 Uhr

kabel eins gelang es in der Saison 2018/19 zwischen September und Mai in jedem einzelnen Monat, den Marktanteil des Vorjahres zu übertreffen - etwas, das sich kein anderer der acht großen Sender auf die Fahnen schreiben kann. Zu Beginn des Jahres zog kabel eins zudem an RTL II vorbei und hält den Sender - trotz dessen zwischenzeitlicher Erholung - seither auch durchgehend hinter sich. Das macht kabel eins zum Aufsteiger der Saison unter den acht großen Sendern.

Doch wie kam es dazu? Die Primetime wird noch immer mehrheitlich mit alten Filmen und alten Serien, die man meist längst von Sat.1 kennt, bespielt. Den Versuch, neue US-Ware zu etablieren, hat man bei kabel eins mit ganz wenigen Ausnahmen wie etwa "Wisdom of the Crowd" (das allerdings auch nicht funktionierte) aufgegeben - in der Regel laufen neue Serien bei Sat.1 oder ProSieben oder werden gleich bis zu Sixx und ProSieben Maxx durchgereicht oder warten gar auf ihren Einsatz beim neuen Streaming-Angebot Joyn. Die Eigenproduktionen in der Primetime sind zwar vom Dienstag auf den Donnerstag gewechselt, unter den Neustarts drängt sich aber auch kein so herausragender Leuchtturm auf, der den Aufschwung erklären könnte. Und das Nachmittags- und Vorabendprogramm sieht auf den ersten Blick so aus wie schon vor mehreren Jahren.

Vorabend-Offensive versandet, Vorabend trotzdem gerettet

Und doch versteckt sich genau dort der Hauptgrund für die ansteigende Trendkurve von kabel eins. Dabei ist von der "Vorabend-Offensive", die Senderchef Marc Rasmus noch im Frühjahr letzten Jahres angekündigt hat, nichts übrig geblieben. Zuvor hatte man "Mein Lokal, Dein Lokal" und "Achtung Kontrolle" zu Auslaufmodellen erklärt. Doch ersteres zeigte noch im Frühjahr dank einer Konzeptänderung, dass in dem Format noch erheblich mehr Leben steckt als es der Sender selbst für möglich gehalten hatte. Der Restaurant-Wettbewerb erzielte im Frühjahr zuletzt mit im Schnitt über 7 Prozent Marktanteil im April und Mai gar die höchsten Quoten seiner Geschichte. Auch "Abenteuer leben täglich" um 17 Uhr fuhr im Frühjahr mit ebenfalls im Schnitt mehr als 7 Prozent Marktanteil hervorragend.

Also konzentrierte man sich in dieser Saison auf den 19-Uhr-Sendeplatz. Doch ob "Koch die Box" oder "Gekauft, gekocht, gewonnen" - die Quoten der neuen Formate blieben so schlecht, dass kabel eins zunächst wieder auf "Achtung Kontrolle" zurückfiel - und plötzlich feststellte, dass auch dieses Format nochmal einen zweiten Frühling erlebte. Im März und April lag der Marktanteil im Schnitt bei über 5 Prozent in der Zielgruppe - kein Hit, aber auch nicht schlecht für ein Genre, das der Senderchef schon für "maximal ausinterpretiert" erklärte. Vor allem wenn man die großen Probleme betrachtet, die beispielsweise Schwestersender Sat.1 zur gleichen Zeit hat, kann sich kabel eins also glücklich schätzen - sollte aber besser trotzdem nicht nachlassen, für diesen Sendeplatz weiter zu entwickeln. "Achtung Kontrolle" lag zuletzt in etwa im Senderschnitt, eine Gewähr, dass es nicht schon im Herbst wieder drunter fällt, ist das aber nicht. Auf Autopilot kann dafür weiterhin der Nachmittag laufen. kabel eins fährt dort mit seinen US-Krimi-Wiederholungen ebenfalls so gut wie selten zuvor - auch das bildet einen wichtigen Teil des starken Daytime-Rückgrats, das kabel eins derzeit so gut dastehen lässt.

Die Primetime: Viel Solides und die Trucker-Babes als neues Highlight

Nachdem man nach dem Tod von Tamme Hanken zuletzt die Sorge haben musste, dass kabel eins nur noch Frank Rosin als Zugpferd für die Eigenproduktionen hat, haben sich in dieser Saison nun die "Trucker Babes" zu einem echten Highlight auf dem für kabel eins so schwierigen Sendeplatz am Sonntagabend entwickelt. Während man sich dort sonst mit Verschwörungstheorien, Rotlicht-, Trend- und Urlaubsreports eher schlecht als recht über die Zeit hangelte, erzielten die "Trucker Babes" über 7 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen - nochmal eine deutliche Steigerung zu den ersten beiden Staffeln. Der Sender verfiel da schnell in die übliche Sender-Verhaltensweise und schickte testweise auch schon "Trecker Babes" und "Bus Babes" auf Sendung, die beide allerdings noch nicht an den Erfolg des Originals anknüpfen konnten.

Auch sonst gelang kabel eins neben diesem Highlight zwar viel Solides, aber kein richtiger Hit mehr. Das Zeug dazu hätte am ehesten noch "Rosins Fettkampf" gehabt - doch die Idee, dass der Gastgeber aus seiner eigenen Show ausscheiden konnte, erwies sich nur so lange als gewitzt, bis es tatsächlich nach kurzer Zeit passierte. Das ließ die zunächst sehr guten Quoten schnell erheblich absacken. Wenn Frank Rosin nun also nicht dem Jojo-Effekt folgend jedes Jahr selbst erneut zum Fettkampf antreten will, dann dürfte das Format ohne ihn als Teilnehmer also kaum fortzusetzen sein.

Während "Urlaub für Anfänger" zum Fehlschlag wurde, hielt sich "Ab ins Kloster" unterdessen ebenso solide wie "Unser Kiosk - Trost und Prost im Viertel", womit man auf den fahrenden Sozialreportage-Zug aufgesprungen ist. Mit den großen RTL II-Erfolgen konnte das Format aber bei Weitem nicht mithalten, auch wenn zum Abschluss nochmal ein Bestwert erzielt werden konnte. Ob man in Zukunft an diesem Höchstwert anknüpfen kann, oder doch wieder um die 5-Prozent-Marke herum schleicht, bleibt also einstweilen Spekulation. In die Lief-ganz-ordentlich-Riege reiht sich inzwischen übrigens auch "Rosins Restaurants" ein, das seine besten Zeiten wohl langsam hinter sich hat, als Garant für solide Quoten aber trotzdem wichtig bleibt - zumal Frank Rosin eines der wenigen bekannten Sendergesichter ist.

Mehr Erfolge mit prägenden Personen, die dem Sender im wahrsten Sinne des Wortes ein Gesicht geben, bleiben also auch weiterhin die Herausforderung, die kabel eins in der kommenden Saison und den nächsten Jahren meistern muss, um in einer Zukunft, in der die On-Demand-Nutzung immer wichtiger wird, nicht unterzugehen. Das starke Fundament, auf dem man derzeit steht, könnte dafür eigentlich die notwendige Ruhe und Gelassenheit geben, um mehr zu wagen.

Über den Autor

Uwe Mantel ist stellvertretender Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Schaut seit den 80ern Fernsehen und schreibt seit 2004 auch darüber. Kann sich sowohl in gute Serien als auch trockene Zahlen vertiefen. Und seine fränkische Herkunft nicht verleugnen.

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