MOSAiC-Expedition © Alfred-Wegener-Institut/Stefan Hendricks
Ein Jahr lang im ewigen Eis

UFA geht mit Top-Klimaforschern auf Nordpol-Expedition

 

Wenn der deutsche Eisbrecher Polarstern am heutigen Freitag aus dem norwegischen Hafen Tromsø ausläuft, startet die größte Arktis-Expedition aller Zeiten. Als exklusiver Bewegtbild-Produzent ist UFA Show & Factual mit an Bord. DWDL.de sprach mit den TV-Machern.

von Torsten Zarges
20.09.2019 - 14:00 Uhr

"Als die Idee auf meinem Tisch landete, habe ich sofort Feuer gefangen. Das ist aufregend und exzeptionell", erzählt eine begeisterte Ute Biernat, als DWDL.de sie kurz vor ihrem Abflug nach Norwegen erreicht. Gemeinsam mit ihrem Producer Philipp Grieß, einem erfahrenen Dokumentarfilmer, zieht es die Geschäftsführerin der UFA Show & Factual in den Hafen von Tromsø, genauer gesagt zum Start der MOSAiC-Expedition. Während Biernat im Hafen bleibt, geht Grieß mit seinen Kamerateams an Bord des Eisbrechers Polarstern.

Das Projekt, dessen exklusiver Bewegtbild-Produzent UFA Show & Factual ist, hat es in sich: Noch nie zuvor war eine Arktis-Expedition so groß, so aufwändig – und so öffentlich. Organisiert vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut – Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, soll die Polarstern für ein Jahr durch die Eiswüste driften. 300 Wissenschaftler aus 19 Nationen sammeln Daten über den Ozean, das Eis und die Atmosphäre, um den Klimawandel besser zu verstehen. "Wir begleiten nicht nur ein riesiges Abenteuer, sondern werden auch hautnah zeigen, wie Wissenschaft funktioniert", so Grieß zu DWDL.de.

Zustande gekommen ist die ungewöhnliche Kooperation auf Initiative von UFA-CEO Nico Hofmann, der im vorigen Jahr mit der Helmholtz-Gemeinschaft über mögliche gemeinsame Projekte gesprochen hatte. "Zur Strategie der UFA gehört es, dass wir uns ja schon seit einiger Zeit im Doku-Bereich verstärkt haben", erklärt Ute Biernat. "Eine solche High-End-Doku zu einem Thema, das alle bewegt, passt hervorragend dazu." Die jeweils zweiköpfigen Teams der UFA Show & Factual, die etwa alle zwei Monate ausgetauscht werden sollen, dokumentieren die 140 Millionen Euro teure Expedition Abschnitt für Abschnitt. Zehn- bis 15-minütige Videos sollen pro Etappe auf der Website des Alfred-Wegener-Instituts veröffentlicht werden, zum ersten Mal voraussichtlich Mitte November. Anschließend entsteht zudem eine große TV-Dokumentation.

MOSAiC-Expedition© Alfred-Wegener-Institut/Stefan Hendricks
Als deutsche TV-Partner hat die UFA die ARD-Anstalten RBB, NDR und HR gewonnen. Unter dem Arbeitstitel "Expedition Arktis" soll die High-End-Doku im Herbst 2020 im Ersten laufen. Als Produzenten fungieren Ute Biernat und Nico Hofmann, Executive Producer ist Uli Zahn, Producer Philipp Grieß. Gemeinsam mit Fremantle International ist außerdem eine internationale Version der Doku für den weltweiten Vertrieb geplant. Auch die anderen Unternehmen der Bertelsmann Content Alliance – mit Ausnahme von RTL – engagieren sich bei der MOSAiC-Expedition: Gruner + Jahr entsendet die Reporterin Marlene Göring, die für "Stern", "Geo", "Geolino" und "P.M." berichten wird. Die Verlagsgruppe Random House plant die Veröffentlichung eines Bildbands, eines Kinderbuchs sowie des offiziellen Expeditionsberichts. Die Audio Alliance produziert über die gesamte Dauer der Expedition ein Audio-Logbuch mit dem Arbeitstitel "Aufbruch ins Eis" und ein englischsprachiges Podcast-Format namens "Arctic Audio".

"Ich bin begeistert, wie schnell man Leute mit diesem Projekt entflammen kann und wie schnell wir eine Reihe leidenschaftlicher Anhänger dafür gewinnen konnten", sagt Ute Biernat. Dem Vernehmen nach ist die äußerst aufwändige Produktion zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht vollständig finanziert, die UFA wird wohl Eigenmittel zuschießen müssen. Die TV-Macher bewerten ihre Teilnahme an der Expedition als Prestigeprojekt und betonen ihre Verantwortung, das gesellschaftliche Bewusstsein für den Klimawandel zu schärfen. Das UFA-Team hat in Tromsø eine Palette voller Festplatten mit einer Speicherkapazität von 900 Terrabyte verschifft, da an Bord kaum Internetverbindung bestehen wird. Das aufgezeichnete Drehmaterial soll alle sechs bis acht Wochen mit den für die Versorgung zuständigen Eisbrechern abtransportiert werden.

MOSAiC-Expedition© Alfred-Wegener-Institut/Stefan Hendricks
Diese und andere logistische Herausforderungen hat Philipp Grieß seit Monaten geplant. "Wenn man mit hundert Leuten bei -40 Grad Außentemperatur auf diesem Schiff eingeschlossen ist, dann sind das schon extreme Produktionsbedingungen", so der Producer, der bereits zahlreiche "Terra X"-Dokus fürs ZDF gedreht hat. "Das muss man wirklich wollen. Wir haben einige der renommiertesten Dokumentarfilmer gewonnen, die entsprechende Erfahrung haben und darauf brennen, dabei zu sein." Besonders reizvoll sei es, an Orten zu drehen, an denen noch nie zuvor ein Mensch gewesen sei. Neben den extremen Temperaturen seien auch die Dunkelheit der Polarnacht, umherstreifende Polarbären sowie die unkalkulierbare Eissituation herausfordernd.

Über den Autor

Torsten Zarges ist seit 2013 Chefreporter des Medienmagazins DWDL.de. Stellt liebend gern Fragen – an deutsche Intendanten wie an US-Showrunner. Beruflich wie privat dreht sich bei ihm (fast) alles um Serien. Zitiert Selina Meyer: "Suck-up isn´t gonna fix a f***-up."

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