WDR © imago images / Ralph Peters
Emotionale Aussprache ohne Fortschritte

Causa "Umweltsau": Verhärtete Fronten im WDR

 

Das Interesse an der Aussprache zwischen Geschäftsleitung und Belegschaft am Dienstagnachmittag war zu groß für den kleinen Sendesaal des WDR, die Ergebnisse wiederum ernüchternd: Die Fronten bleiben verhärtet.

von Thomas Lückerath
07.01.2020 - 19:11 Uhr

Vor sechseinhalb Jahren fiel an dieser Stelle das berühmte Versprechen des damals gerade neu gewählten WDR-Intendanten Tom Buhrow: Er bringe die Liebe mit, sagte er im Sommer 2013 bei der Pressekonferenz zu seiner Wahl im Kleinen Sendesaal des WDR im Funkhaus am Wallraf-Platz in Köln. An diesem ersten Dienstag des Jahres 2020 lag aber wenig Liebe im völlig überfüllten Saal, der aufgrund zu großen Andrangs geschlossen werden musste. Dank einer Leinwand im Foyer des Funkhauses verfolgten nach WDR-Angaben etwa 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Redakteursversammlung.


Es sollte eine Aussprache werden zwischen der Redakteursvertretung des WDR und der Geschäftsleitung über den Umgang mit dem "Umweltsau"-Song und der öffentlichen Entschuldigung des Intendanten. "Es war ein offener, kritischer und konstruktiver Austausch, der mit Blick nach vorne weiter fortgesetzt wird. Intendant Tom Buhrow und seiner Geschäftsleitung ist es wichtig, den Mitarbeiter*innen transparent Rede und Antwort zu stehen", erklärt die WDR-Pressestelle danach kurz und knapp. 

Kritisch sei es durchaus gewesen, aber von offen und konstruktiv könne keine Rede sein, berichten Teilnehmer der Veranstaltung, bei der es hoch her ging, im Gespräch mit DWDL.de. Den lautesten Applaus im Kleinen Sendesaal des WDR gab es laut den Schilderungen mehrerer Teilnehmer zufolge immer dann, wenn mehrfach festgestellt worden sei, die Geschäftsleitung lasse leider Kenntnis von Social Media vermissen und sich von einer Empörungswelle dort treiben.

Auf die Frage von "Monitor"-Chef Georg Restle, wofür genau sich Intendant Buhrow eigentlich entschuldigt habe, wollte dieser nicht eingehen. Er erklärte aber, dass er auch wieder so handeln würde. Aufgefallen sei auch ein sehr emotionaler Jochen Rausch, der sich von der Kritik am Umgang mit dem "Umweltsau-Video" persönlich angegriffen fühlte und unflätig wurde. Ausführlich legte die Geschäftsleitung ihre Betrachtung der Situation dar, verteidigte sich mit der enormen Kritikwelle, die den WDR auch außerhalb von Social Media erreicht habe. Eine Annäherung gab es jedoch nicht.

Etwa zweieinhalb Stunden dauerte das Treffen, wobei sich Intendant Tom Buhrow allerdings unter deutlicher Kritik aus der Belegschaft vorzeitig aus dem Treffen verabschiedete. Termine standen an, wichtiger offenbar als die Klärung dieses Themas, das mehrere hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigte. Er wisse, man gehe nach diesem Treffen mit unterschiedlichen Meinungen und Auffassungen auseinander, sagte Buhrow bevor er ging.

Es ist das ernüchternde Ergebnis eines Nachmittages, bei dem sich einige Teilnehmer abgespeist und nicht verstanden fühlten. Andere wiederum bezeichneten die Veranstaltung als "klärendes Gewitter mit anhaltender Bewölkung". Die nächste Redakteursversammlung ist planmäßig für den 12. März angesetzt. Beide Seiten einigten sich immerhin darauf, schon vorher und auf mehreren Ebenen im Austausch zu dem Thema zu bleiben. Ein Minimalkonsens.

Über den Autor

Thomas Lückerath ist Gründer und Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Hatte schon viereckige Augen, bevor es Bingewatching gab. Liebt Serien, das Formatgeschäft und das internationale TV-Business. Ist mehr unterwegs als am Schreibtisch.

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