Markus Küttner und Kai Sturm © MG RTL D / Marina Rosa Weigl / DWDL.de
So plant RTL sein Sommerprogramm

Realityshows 2020: Auch Deutschland hat schöne Strände

 

Die Corona-Krise zwingt Fernsehmacher zum Umdenken: Weil ferne Strände nicht erreichbar sind, wird manche Realityshow kurzerhand nach Deutschland verlegt. Auch die RTL-Unterhaltungschefs Markus Küttner und Kai Sturm müssen daher umdenken.

von Alexander Krei
11.05.2020 - 08:08 Uhr

Sommer, Sonne, schöne Strände: Unter normalen Umständen wäre das die Grundlage für viele beliebte Realityshows, vorwiegend jenen von RTL. Doch die Corona-Krise zwingt die Fernsehmacher in den nächsten Wochen und Monaten zum Umdenken, zumal die Programmgestaltung durch die Verschiebung von Fußball-Europameisterschaft und Olympischen Spielen plötzlich unter anderen Vorzeichen steht. "Durch den Wegfall der großen Sportereignisse bieten sich ganz neue Perspektiven für unseren Entertainment-Sommer und mehr frisches Programm als ursprünglich geplant", sagt RTL-Unterhaltungschef Markus Küttner zu DWDL.de. "Wir machen einfach unsere eigene Unterhaltungs-Olympiade."

Der Anfang dieser Olympiade verlief aus Quotensicht noch nicht so erfolgreich. Die kurzfristig vom Streamingdienst TVNow ins RTL-Programm beförderte Kuppelshow "Are you the one?" startetet jüngst mit einstelligen Marktanteilen. Besser lief da schon "Temptation Island", zudem soll "Paradise Hotel" im Sommer weitergehen. Doch diese Formate sind allesamt schon vor der Krise entstanden. Die größten Aufgaben stehen für die Unterhaltungs-Mannschaft des Kölner Privatsenders also erst noch bevor und erste Entscheidungen sind bereits gefallen: So soll "Bachelor in Paradise" in diesem Jahr nicht produziert werden - das hat jedoch nichts mit Corona zu tun. "Die Bachelorette" begibt sich dagegen wie gehabt auf Männersuche.

"Wir sind bei allen Realityformaten in einer konkreten Planungsphase. Wo und in welcher Form wir sie umsetzen, wird gerade eruiert", erklärt Küttner gegenüber DWDL.de. "Natürlich muss man da ein wenig offener denken, denn viele Traumstrände und Traumziele am anderen Ende der Welt sind aktuell nicht zu erreichen. So schauen wir vor allem auf Deutschland und Europa als Kulisse und sind uns da aber sicher, dass wir trotzdem spannende Reality-Programme produziert bekommen." So wie beim "Sommerhaus der Stars", auf das man angesichts der Rekord-Quoten des Vorjahres nur ungern verzichtet hätte.

"Großes Problem, aber auch kreative Herausforderung"

Und so wird Seapoint die Show diesmal eben in Deutschland produzieren. "Da wären wir eigentlich nicht drauf gekommen", sagt Küttners Amtskollege Kai Sturm, "und es gibt so herrliche Sommerhäuser in Deutschland." Ohnehin sieht Sturm in der aktuellen Situation nicht nur Nachteile. "Die Corona-bedingten Einschränkungen für unsere Produktionen sind einerseits ein großes Problem, aber auch eine kreative Herausforderung." Zum Glück gebe es jedoch auch Produktionen, die unter Beachtung der Abstandsregel sehr gut realisierbar seien, betont der Unterhaltungschef von RTL und führt als Beispiel "Lego Masters" an, das trotz einer schwachen Premiere noch einmal runderneuert zurückkommen wird.

Auch die umstrittene Kuppelshow "Schwiegertochter gesucht" soll im Sommer in neuem Gewand weitergehen – und "Ninja Warrior Germany" wird nach dem Willen von RTL ebenfalls nicht ausfallen, wenngleich die Produktion der fünften Staffel der Einfachheit halber von Karlsruhe nach Köln verlagert wurde. Dazu kommt die kurzfristig ins Programm genommene Late-Night-Show mit Oliver Pocher, die von diesem Freitag an zunächst vier Mal zu sehen sein wird. "Das, was da passiert, baut am Ende auf seine Erfolge in Social Media auf, bekommt aber eine ganz eigene Farbe - mit Stand-Ups, Gästen, Einspielern etc. - und einem eigenen Regulativ - seiner Ehefrau nämlich", so Markus Küttner. Im Sommer folgt außerdem noch "Pocher und Papa auf Reisen".

Kreativität ist unterdessen auch bei RTLzwei gefragt, wo sich "Love Island" in den vergangenen Jahren zu einem schönen Erfolg gemausert hat. Doch während ITV im Ursprungsland Großbritannien gerade erst die neue Staffel abgesagt hat, hält RTLzwei noch an den Plänen für die vierte Staffel fest. "Wir arbeiten gemeinsam mit ITV Studios weiter an den Vorbereitungen für die neuen Folgen im Spätsommer", sagte Sendersprecher Martin Blickhan zu DWDL.de. "Die Vorgaben des Infektionsschutzes werden bereits beim Casting vollständig umgesetzt. Nach heutigem Stand findet die Produktion wie angekündigt statt. Selbstverständlich haben wir die aktuelle Lage im Blick und passen unser Vorgehen täglich an."

RTL-Unterhaltungschef Kai Sturm sieht unterdessen allen Hindernissen zum Trotz mit Blick auf seine Abteilung keine allzu großen Auswirkungen aufs Programm. "Im besten Fall müssen wir gar nicht viel kompensieren", erklärt er. "Durch unseren Gerne-Mix haben wir die Möglichkeit, kreativ mit verschiedenen Alternativ-Szenarien im Programm zu reagieren. Klar ist aber auch, dass durch eine gewisse Kurzfristigkeit und Einschränkungen durch Corona nicht alle Programme produziert werden können, wie es sonst der Fall wäre." Während das Sommerprogramm also gesichert ist, bleibt mit Blick aufs nächste Jahr zumindest ein Fragezeichen: Ob "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" wie geplant in Australien produziert werden kann, steht nicht fest. "Niemand kann heute sagen, wie die Situation im Januar 2021 ist", sagt Markus Küttner. "Also bleiben wir optimistisch und bereiten die 15. Dschungel-Staffel so gut es geht vor."

Hinweis: Ursprünglich war zu lesen, dass auch "Die Bachelorette" in diesem Jahr eine Pause einlegt. Die Entscheidung betrifft jedoch nur "Bachelor in Paradise". Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Ist Sesselsportler, von Bundesliga bis Darts-WM.

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