Screenforce Days © Screenforce Days
Nach der Absage des Branchen-Events

Screenforce-Alternativen: Das planen die TV-Vermarkter

 

Wegen des Coronavirus finden die Screenforce Days in diesem Jahr nicht statt. Für die TV-Vermarkter ist es aber trotzdem wichtig, werbungtreibenden Unternehmen und Agenturen ihre Inhalte vorzustellen. Das geschieht 2020 vor allem auf digitalen Wegen...

von Timo Niemeier
26.05.2020 - 08:22 Uhr

So wie viele andere Events finden auch die Screenforce Days in diesem Jahr nicht statt. Eigentlich hätten in der kommenden Woche SevenOne Media, AdAlliance, El Cartel Media, Visoon, Discovery, AS&S, Sport1, Sky Media, Disney Media Sales & Partnerships und ServusTV ihre Programme für die nächsten Monate vorgestellt, um sie Medienvertretern und werbungtreibenden Unternehmen schmackhaft zu machen. In Zeiten von Corona ist eine solche Veranstaltung mit mehr als 2.000 Besuchern aber nicht durchführbar, daher haben sich die Vermarkter bereits Mitte März auf eine Absage der Screenforce Days verständigt (DWDL.de berichtete). 

Die Vermarkter wollen die Inhalte ihrer Sender aber natürlich trotzdem vorstellen, um Unternehmen und Agenturen einen Ausblick zu geben, wohin die Reise geht und wo eventuell gute Werbemöglichkeiten bestehen. DWDL.de hat sich daher bei allen Vermarktern umgehört, die sich der Gattungsinitiative Screenforce angeschlossen haben. Welche Alternativen planen sie in diesem Jahr und wie sehen diese Veranstaltungen aus? 

SevenOne Media / ProSiebenSat.1

Thomas Wagner© ProSiebenSat.1
Thomas Wagner, Vorsitzender der Geschäftsführung SevenOne Media, sagt gegenüber DWDL.de, dass man es natürlich sehr bedauere, dass man in diesem Jahr kein "Feuerwerk" in Köln zünden könne. Die Entscheidung zur Absage sei aber richtig gewesen. Doch auch ohne Screenforce Days will man den Kunden in diesem Jahr die kommenden Programm-Highlights "auf unterhaltsame Weise präsentieren". Das werde aber ganz anders aussehen als in den vergangenen Jahren, sagt Wagner, der noch nicht viel konkreter werden will. Man arbeite derzeit an der Umsetzung. 


ARD-Werbung Sales & Services (AS&S)

Uwe Esser© AS&S
Etwas weiter ist man da schon bei der AS&S. Uwe Esser, Geschäftsleiter TV, sagt, es lasse sich zu einer so großen Veranstaltung wie den Screenforce Days nur "schwerlich eine echte Alternative" finden. Aber dennoch lasse man den Kontakt zu den Kunden nicht abreißen. So plant man drei Vodcast, Esser beschreibt diese als einen "Mix aus unterhaltsamem Talk, harten Insights und Programminhalten". Die Absage der Screenforce Days bezeichnet Esser als "unumgänglich", wenngleich man sich die Entscheidung nicht leicht gemacht habe. Auch eine Art Light-Version des Events wäre für Esser nicht infrage gekommen. "Jeder Versuch, das coronabedingt auf ein Kammerspiel herunterzurechnen, wäre völlig indiskutabel", sagt er. 

Ad Alliance / Mediengruppe RTL

Matthias Dang© Mediengruppe RTL
Matthias Dang, Geschäftsführer Vermarktung, Technologie und Daten der Mediengruppe RTL, sagt, man werde die Screenforce Days in diesem Jahr "schmerzlich vermissen". Die Absage sei dennoch eine Notwendigkeit gewesen. Auch wenn das Land NRW Fachmessen inzwischen wieder erlauben würde, sei die Durchführung der Screenforce Days unter harten Auflagen nicht mit dem eigenen Anspruch in Einklang zu bringen gewesen. "Unser Lead-Event steht für positive Emotionen und Nähe – schwierig bei Maskenpflicht und Abstandsregeln." Welche Alternativen er für die Sender der Mediengruppe RTL plant, will Dang derzeit noch nicht verraten. "Wir haben uns in den letzten Wochen sehr viele Formate angesehen und mit Interesse verfolgt, wie andere Veranstalter diese Herausforderungen angehen. Hier gibt es einige spannende Ansätze, die sicherlich auch für die Mediengruppe RTL interessant sind." Man diskutiere derzeit einige Ideen und Konzeptansätze, sei aber noch nicht soweit, um hier konkreter zu werden.

Discovery

Susanne Aigner© Discovery
Einen sehr genauen Plan hat man unterdessen bereits bei Discovery, das mit DMAX, TLC, Home & Garden TV sowie Eurosport ja einige sehr unterschiedliche Sender zu vermarkten hat. Ende Juni werde man eine digitale Roadshow für die Mediaagenturen umsetzen, bestätigte Discovery-Chefin Susanne Aigner gegenüber DWDL.de. Dort wird man die Programmhighlights der Sender vorstellen. Moderiert wird das Format von Mitarbeitern des Bereichs AdSales. Bereits Mitte Mai hat Discovery für die Distributionspartner eine digitale Veranstaltung durchgeführt, bei der mehr als 110 Teilnehmer mit dabei waren, virtuell zu Gast war dort Boris Becker. Dafür habe man "unglaublich positives Feedback" erhalten, so Aigner. 

El Cartel Media / RTLzwei

Stephan Karrer © El Cartel Media
Kein anderes Medium habe ein in "Unterhaltungswert und Gehalt vergleichbares Event", sagt El-Cartel-Chef Stephan Karrer über die Screenforce Days. Daher sei es bedauerlich, dass das Event 2020 nicht stattfinden könne, auch wenn die Absage aus seiner Sicht unumgänglich war. "Positiv ist: Wir haben als Gattung viele neue Ideen, wir stehen für Innovation und dynamischen Wandel. Ein zentrales Event ist zu wenig, wir suchen den permanenten und direkten Weg zum Markt", so Karrer. Man arbeite derzeit an eigenen Alternativen im Vertriebsmarketing. Ob man letztlich Events im kleinen Rahmen machen werde oder auf digitale Lösungen setze, stehe noch nicht fest. "Mit unserer digitalen Frühjahrs-Roadshow haben wir aktuell gute Erfahrungen gemacht."

Disney Media Sales & Partnerships

Julia Schörner© Disney
"Besondere Zeiten wie diese bringen zwar für uns alle große Herausforderungen mit sich, öffnen aber auch Türen für neue Möglichkeiten und Kommunikationswege", sagt Julia Schörner, Director und Head Disney Media Sales & Partnerships. Man arbeite derzeit an einem virtuellen Event, um die Branche über die Entwicklungen des Disney Channels auf dem Laufenden zu halten. Anfang Juni werde man die Kunden über weitere Details informieren. Spannend dürfte für Kunden vor allem sein, welchen strategischen Stellenwert der frei empfangbare Disney Channel für das Unternehmen hat, zu dessen Existenz man sich grundsätzlich bekannt hat. Zuletzt lag das Augenmerk aber sicher eher auf dem neuen Streamingdienst Disney+, der stark gestartet ist. Die kostenlose App des Disney Channels wurde hingegen eingestellt. 

Visoon Video Impact

Franjo Martinovic© Visoon
Der Vermarkter des Nachrichtensenders Welt sowie der Viacom-Sender, der zuletzt den Verlust von Zee.One verkraften musste, tourt bereits mit einer digitalen Roadshow "durch Deutschland". Das bisherige Feedback sei sehr gut, sagt Visoon-Geschäftsführer Franjo Martinovic. Um sich direkt mit einzelnen Kunden auszutauschen veranstaltet man zudem virtuelle Mittagessen und "Dinner-Dates". Martinovic glaubt unterdessen nicht, dass die Absage der Screenforce Days der Gattung TV schaden werde. Gerade in den letzten zwei Jahren habe man bewiesen, wie "lebendig, leidenschaftlich, kreativ und innovativ der Werbeträger Fernsehen ist und bleibt."

ServusTV

Joanna Jarosz© ServusTV / Neumayr / Leo
ServusTV-Vermarktungschefin Joanna Jarosz lobt gegenüber DWDL.de, dass die Screenforce Days bereits früh abgesagt worden sind. Das zeuge von einem "großen Verantwortungsgefühl gegenüber allen Vertretern der Branche". In die Präsentationen fließe viel Herzblut und Leidenschaft, das funktioniere nur mit einem entsprechenden Vorlauf. Man selbst habe bereits in den vergangenen Jahren neben dem großen, zentralen Event mittels einer Roadshow direkten Kontakt mit Agenturen gesucht. "Dies möchten wir auch in diesem Jahr gerne fortführen. Ob und in welcher Form dies allerdings möglich ist, hängt in der aktuellen Lage auch von den gegenwärtigen Auflagen und weiteren Lockerungen ab."

Sport1

Stefan Obstmayer© Sport1/Nadine Rupp
Stefan Obstmayer, COO und Mitglied der Geschäftsleitung der Sport1 GmbH und zusammen mit Matthias Reichert in der Unit Sport1 Business für die Vermarktung zuständig, bezeichnet die Absage der Screenforce Days als "alternativlos". Ein alternatives Einzelevent wäre zum einen nicht umsetzbar und zum anderen nicht das richtige Zeichen, zeigt sich Obstmayer überzeugt. "Wir haben die Art der Kommunikation in den letzten Wochen umgestellt auf eine sehr direkte und unmittelbare Kommunikation, zum Beispiel via Videocalls, über regelmäßige Newsletter zur aktuellen Entwicklung – und darüber hinaus mit unserer ersten virtuellen Roadshow über Microsoft Teams."

Sky Media

Ralf Hape© Sky
Man bedauere sehr, dass die Screenforce Days als wichtiges Branchenevent in diesem Jahr nicht stattfinden können, sagt Ralf Hape, Sales-Chef bei Sky Media.  Angesichts der derzeitigen Situation sei die Absage aber die richtige Entscheidung gewesen. "Wir hatten über das Jahr hinweg eine Reihe an Präsentationen geplant, mit denen wir Werbetreibenden spezifisch auf Sky ausgerichtete Vertiefungsmöglichkeiten vorstellen wollten", sagt Hape. Gut angekommen sei etwa zu Beginn des Jahres eine neue Get-Together-Reihe - das war aber noch vor Corona. "Derzeit überarbeiten wir unsere Pläne und nehmen entsprechende Anpassungen vor. Zuletzt haben wir für den Markt eine erfolgreiche Frühjahrs-Tour über Microsoft Teams durchgeführt, mit einem knackigen, 30-minütigen Update speziell zu Sky Media Themen". Das Feedback sei durchweg positiv gewesen, rund 80 Prozent der Teilnehmer hätten angegeben, dass die Tour einen Mehrwert für sie gehabt habe. Man können sich gut vorstellen, so Hape, im Herbst ein ähnliches Format umzusetzen.  

Und was sagen die Kunden?

Betroffen von der Absage der Screenforce Days waren aber natürlich nicht nur Sender und Vermarkter, sondern auch viele Agenturvertreter und werbungtreibende Unternehmen. Wie bewerten sie die aktuelle Situation und das Fehlen eines zentralen Branchen-Events? "Viele kleine, dezentrale Veranstaltungen erhöhen den Aufwand und dürfen nicht zum Standard werden", heißt es von der Organisation Werbungtreibende im Markenverband (OWM) gegenüber DWDL.de. Eine Bündelung zu einer großen Veranstaltung sei daher auch im Sinne der OWM. Aber auch dort bezeichnet man die Absage als "konsequent" und "völlig richtig". Dennoch könne der derzeitige Austausch über Videokonferenzen ein Event dieser Art nicht ersetzen. Ganz grundsätzlich gebe es in Zeiten wie diesen aber auch für Unternehmen wichtigere Aufgaben, als Vermarkter-Events bzw. generell Veranstaltungen zu besuchen. "Allerdings fehlt der Branche natürlich auch das Networking."

Gemeinsame Initiative

Gegenüber DWDL.de verweisen viele der Vermarkter auch noch einmal explizit auf das gemeinsam angestrengte Alternativ-Programm zu den Screenforce Days. So hatte die Gattungsinitiative vor einigen Tagen die Webvideo-Reihe "Screenforce What's On" angekündigt (DWDL.de berichtete). Dort will man regelmäßig in 15- bis 30-minütigen Episoden Werbekunden und Agenturen mit Infos rund um die Themen TV und Bewegtbild informieren. Im Fokus stehen aktuelle Forschungsergebnisse, Expertengespräche und Insights zu Videowerbung, Multichannel oder Werbewirkung, aber auch zu einzelnen Genres wie News oder Sport. Präsentiert werden die Videos, die unter whatson.screenforce.de abrufbar sind, von Wolfram Kons, der seit vielen Jahren die Events von Screenforce moderiert.

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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