Luke Mockridge © Sat.1/Willi Weber
Vom TV zum SVoD-Dienst

Warum Lukes Sat.1-Shows plötzlich bei Netflix verfügbar sind

 

Bei Netflix sind inzwischen Formate abrufbar, die man eigentlich mit deutschen TV-Sendern in Verbindung bringt. Was in der Fiktion längst Alltag ist, findet nun offenbar auch den Weg in die Unterhaltung. Das treibt mitunter kuriose Blüten…

von Timo Niemeier
25.06.2020 - 16:20 Uhr

Wenn Sie in jüngster Vergangenheit mal das Netflix-Angebot durchstöbert haben, sind Sie vielleicht auch auf Unterhaltungsformate gestoßen, die Sie dort so wohl nicht vermutet hätten. Der internationale Streamingdienst hat sich inzwischen nämlich auch Ausstrahlungsrechte an Sendungen gesichert, die man als geneigter TV-Zuschauer eigentlich nur aus dem linearen Fernsehen kennt. Besonders auffällig ist das im Fall vom Luke Mockridge. 

Bei Netflix sind inzwischen zahlreiche Luke-Formate zu sehen, die ihre Erstausstrahlung bei Sat.1 feierten. So gibt es neben der 90er und 2000er Show des Entertainers auch "Luke! Die Schule und ich!" sowie "Luke! Die Woche und ich" beim Dienst zu sehen. Von der wöchentlichen Late-Night gibt es bei Netflix die Staffeln vier und fünf zu sehen, das sind die letzten beiden Staffeln des Formats. Kurios: Bei Joyn steht derzeit überhaupt keine Staffel der Sendung zum Abruf bereit. Ein Format, das man eigentlich mit Sat.1 in Verbindung bringt, ist damit bei Netflix - und damit streng genommen bei der Konkurrenz - zu sehen. 

Von "Luke! Die Schule und ich" gibt es bei Netflix die dritte Staffel aus dem vergangenen Jahr, Nutzer von Joyn sehen dort nur die aktuellste Staffel aus diesem Jahr. Exklusiv hat Netflix die jeweiligen Staffeln übrigens nicht, sie sind unter anderem auch bei Amazon Prime Video und MySpass.de, einer Video-Plattform von Brainpool, zu sehen. Brainpool ist auch die Produktionsfirma, die hinter all den Formaten steht, die ursprünglich mal im TV liefen und jetzt bei Netflix zu sehen sind. Ganz offensichtlich darf die Produktionsfirma die Rechte an den Formaten nach der linearen TV-Ausstrahlung auch auf anderen Plattformen auswerten - und davon macht man Gebrauch wie sonst keiner. 

Und was sagt nun eigentlich Sat.1 dazu, dass Formate, die dem Sender zugerechnet werden, mit Personen, die ganz klar Köpfe des Senders sind, plötzlich bei der Konkurrenz laufen? Beim Sender hält man sich bedeckt und sagt nur: "Die Situation ist nicht neu, wir haben mit unterschiedlichen Produzenten unterschiedliche Rechtemodelle." Durch die Zweitverwertung bei Netflix aber stellen sich eine Reihe von Fragen. Ändern sich etwa Teile des Produktionsablaufs zuungunsten des Senders, wenn Brainpool weiß oder damit rechnen kann, dass die Folgen später auch woanders zu sehen sein werden? 

"Es war schon immer eine Strategie von Brainpool, eigene Formate und Inhalte bestmöglich und umfangreich auszuwerten."
Ingrid Langheld, Geschäftsführerin Brainpool Live Artist & Brand

Eine Stichprobe von DWDL.de kann das nicht belegen. Im Gegenteil: In einigen Ausgaben seiner Shows begrüßt Luke Mockridge ganz explizit das Sat.1-Publikum - was beim Streaming auf Netflix natürlich etwas kurios wirkt. Dennoch muss man bei Brainpool an die jeweiligen Folgen noch einmal ran und etwa die Werbung herausschneiden. Das klappt eher schlecht als recht, wie eine Stichprobe beweist. Da, wo Werbung in Sat.1 läuft, folgen bei Netflix harte Schnitte und plötzliches Klatschen der Zuschauer. Das wirkt in vielen Fällen unnatürlich. 

Auch andere Brainpool-Formate bei Netflix

Brainpool vermarktet aber nicht nur die Sat.1-Shows nach der Ausstrahlung kräftig weiter. Bei Netflix finden sich etwa auch die ersten beiden Staffeln der ProSieben-Gründershow "Das Ding des Jahres". Nur die letzte Staffel aus dem aktuellen Jahr ist derzeit bei Joyn zu finden. Außerdem ist auch die komplett von Brainpool produzierte ARD-Show "PussyTerror TV" mit Carolin Kebekus beim Streamingdienst zu finden, von der "Bülent Ceylan Show", die früher mal bei RTL lief, hat man die Staffeln drei bis vier an Netflix verkauft. 

Im Fiktionalen ist die Vermarktung der Rechte nach der TV-Ausstrahlung durch die Produktionsfirma längst Alltag. Hier rechnen die Macher von Serien und Filmen fest mit diesen Einnahmen - oder die Auftraggeber müssen eben mehr zahlen, um die Rechte vollständig zu behalten. In der Unterhaltung ist die ganze Thematik aber noch recht frisch. Brainpool kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, betreibt man mit "MySpass" doch schließlich eine Seite, auf der die Nutzer schon in der Vergangenheit viele für das TV produzierten Inhalte fanden, etwa "TV Total"-Folgen und Clips sowie ganze "Schlag den Raab"-Ausgaben. Und auch heute füllt Brainpool die Seite stetig mit neuen Inhalten. 

Netflix-Anspielung in Luke-Show

Ingrid Langheld© Steffen Z Wolff
Ingrid Langheld (Foto rechts), Geschäftsführerin Brainpool Live Artist & Brand, sagt gegenüber DWDL.de: "Es war schon immer eine Strategie von Brainpool, eigene Formate und Inhalte bestmöglich und umfangreich auszuwerten. Es freut uns natürlich, dass auch Streamingdienste bei uns ein passendes Programm finden und lizensieren." Für Netflix selbst stellt sich die etwa Frage, was man sich von den Unterhaltungsformaten, die ganz klar auf bestimmte Sender zugeschnitten sind, erwartet. Zumal man sie ja nicht einmal exklusiv im Angebot hat. Im Falle von "Luke! Die Woche und ich" kommt noch hinzu, dass Teile der Sendung einen aktuellen Hintergrund haben - der bei der zeitversetzten Nutzung nicht mehr gegeben ist. Hört man sich bei Netflix um, erfährt man, dass das Unternehmen schon seit einiger Zeit Shows oder auch Dokus von lokalen Partnern lizenziert, Brainpool sei nur einer dieser Partner. So hat Netflix unter anderem auch Formate von Telepool, ZDF Enterprises, WDR Mediagroup oder auch Studio Hamburg Marketing & Distribution im Portfolio. 

Mitunter treibt die Zweitverwertung der Shows auch kuriose Blüten. In der ersten Folge der fünften Staffel von "Luke! Die Woche und ich" begrüßt der Entertainer seiner Zuschauer und freut sich, dass man sich nun schon in der fünften Staffel befinde. "Bei Sat.1 spricht man schon von einer Ära", sagt Mockridge da, nur um das Format dann mit einer Netflix-Serie zu vergleichen. "Wären wir jetzt eine Netflix-Serie, würden wahrscheinlich krasse Dinge passieren, damit es interessant bleibt. Da würden Hauptdarsteller sterben oder neue Charaktere auftauchen", so Mockridge - und plötzlich läuft im Hintergrund Dennis aus Hürth durchs Bild. Wer das sehen will, wird bei Sat.1 oder Joyn derzeit nicht fündig - auf Netflix gibt es die Netflix-Anspielung in Brainpools Sat.1-Show aber zu sehen. 

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