Battle of the Bands © RTLzwei
Neues Musik-Casting bei RTLzwei

"Battle of the Bands": Neue Popstars braucht das Land?

 

20 Jahre nachdem die No Angels dank "Popstars" ihre Karriere starteten, will es RTLzwei mit einer neuen Mischung aus Casting und Reality wissen. "Battle of the Bands" heißt die Show, doch der Weg zum Erfolg dürfte für die Kandidaten von heute härter sein.

von Alexander Krei , Köln
30.07.2020 - 08:10 Uhr

Noch bevor RTL seinen ersten "Superstar" suchte, brachte RTLzwei das Genre der Musik-Castingshow nach Deutschland - und landete mit "Popstars" einen großen Hit. Noch erfolgreicher als die Show war jedoch die Karriere der No Angels, jener Sieger-Band, die aus der ersten Staffel hervorging. Mit mehr als fünf Millionen verkauften Platten und vier Nummer-1-Hits galt die Gruppe in den folgenden Jahren zeitweise als erfolgreichste Girlgroup Kontinentaleuropas. Ein Wechsel des Formats zu ProSieben und neun Staffeln später war vorläufig Schluss, ehe RTLzwei der Suche vor fünf Jahren noch einmal neues Leben einzuhauchen versuchte.

Doch die Hoffnung, noch einmal neue "Engel" zu finden, scheiterte - am Ende ging die elfte "Popstars"-Staffel nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Vorabendprogramm zu Ende. Dass sich die Siegerband Leandah nach nur wenigen Monaten wieder auflöste, dürften nur ganz hartgesottene Fans mitbekommen haben. Inzwischen jedoch scheinen die Wunden bei RTLzwei verheilt zu sein. Nicht anders ist es zu erklären, dass der Sender jetzt erneut ein Musik-Casting startet: 20 Jahre nach dem Beginn von "Popstars" gibt's von diesem Donnerstag an "Battle of the Bands" zu sehen, versehen mit dem Untertitel "Boys vs. Girls" und produziert von der neuen Firma Youngest Media.

Der Name ist dann auch tatsächlich Programm: Sechs Mädels und sechs Jungs ziehen gemeinsam in ein Kölner Loft und treten als Band in musikalischen Performances gegeneinander an. Und weil die Show zeitgemäß sein soll, gibt es - ähnlich wie beim Kuppelshow-Hit "Love Island" - eine App, über die das Publikum einerseits weitere Einblicke in den Alltag der beiden Bands erhält, andererseits aber auch darüber abstimmen kann, wer gehen muss und wer nachrücken darf. "So ein Format gibt es noch nicht", sagt Jana Ina Zarrella, die bei "Battle of the Bands" die Moderation übernimmt, über die Mischung aus Casting und Reality.

Für die 43-Jährige schließt sich gewissermaßen ein Kreis, immerhin ging ihr Mann Giovanni einst in der zweiten "Popstars"-Staffel mit "Bro'Sis" selbst als Sieger einer RTLzwei-Castingshow hervor. "Durch ihn habe ich zu Hause das beste Beispiel, dass so eine Sendung eine großartige Plattform für eine Karriere sein kann", erzählt sie im Gespräch mit DWDL.de. Und doch haben sich die Bedingungen innerhalb von fast zwei Jahrzehnten massiv verändert - die Konkurrenz ist groß geworden, auch abseits des Fernsehens. Dazu kommt der Druck durch die sozialen Medien: Wer erfolgreich sein und auffallen will, muss Instagram oder TikTok bespielen und dadurch gewissermaßen immer auf Sendung sein.

Dennis und Benni Wolter und Jana Ina Zarrella

Benni und Dennisu Wolter sowie Jana Ina Zarrella (Foto: RTLzwei)

"Unser künstlerisches Leben hat sich durch Social Media verändert", weiß Zarrella, die mehr als eine halbe Million Follower bei Instagram zählt und auch deshalb viele Jobs erhält. "Ich mache es gerne, weil man so schnell bei den Leuten ist und von ihnen Feedback bekommt", sagt sie. "Die Jugendlichen dürfen aber nicht vergessen, dass viele Follower alleine nicht ausreichen. An allererster Stelle musst du Talent haben und hart arbeiten, um oben zu bleiben." Schon früh habe sie zusammen mit Giovanni Grenzen gezogen. "Unsere Kinder werden nicht gezeigt, unser Zuhause wird kaum gezeigt. Alles, was zu intim und privat ist, muss nicht sein."

"Manchmal ist weniger mehr"

Das sehen auch Dennis und Benni Wolter so, die sich seit zehn Jahren mit ihrer YouTube-Show "World Wide Wohnzimmer" erfolgreich behaupten und nun für RTLzwei als Backstage-Moderatoren bei "Battle of the Bands" fungieren - vorwiegend in der App und auf dem YouTube-Kanal des Senders. "Auf lange Sicht ist es heute fast unmöglich, sich im Geschäft zu halten, ohne die sozialen Medien zu bedienen", glaubt Dennis Wolter, doch auch er rät dem Nachwuchs zur Zurückhaltung. Was man von sich preisgebe, müsse jedoch nicht unbedingt Fake sein. "Man zeigt eben eine Seite von sich, während man andere besser für sich privat hält. Manchmal ist weniger mehr."

Tatsächlich scheinen die Zwillingsbrüder in den vergangenen Jahren einiges richtig gemacht zu haben, wie ihr kürzliches Engagement als Moderatoren einer ESC-Show der ARD oder jetzt bei RTLzwei zeigen. Eine Grenze zwischen Internet und Fernsehen wollen die beiden jedenfalls nicht ziehen. "Dass Influencer kein Fernsehen machen wollen, ist ein altes Märchen", sagt Dennis. "Wir haben schon immer gesagt, dass es auf das Format ankommt - egal ob auf Plattformen oder im Fernsehen." Nun also "Battle of the Bands". "Wir sind große Reality-TV-Fans. Das ist sozusagen unser Guilty Pleasure", betont Benni. "Natürlich erhoffen wir uns tolle Musii, aber auch ein wenig Beef - das gibt der ganzen Sache den nötigen Pfeffer."


Darauf hofft auch Jana Ina Zarrella, die im Übrigen acht Jahre lang selbst in einem Chor gesungen hat. In welche musikalische Richtung die Sieger-Band der neuen RTLzwei-Show gehen wird, vermag die Moderatorin allerdings nicht zu sagen. "Die Musikrichtung muss sich am Interesse der Zuschauer orientieren", sagt sie. "Seit Helene Fischer den Schlager poppiger gemacht hat, ist der Schlager wieder im Kommen - auch bei den Jüngeren." In einem Musikcasting gehe es darum, alles mögliche zu probieren. "Man kann daher im Vorfeld nicht sagen, dass es auf jeden Fall eine Schlager- oder Pop-Band geben wird." Popstars zu werden, dürfte heute ohnehin weit schwerer sein als noch vor 20 Jahren.

RTLzwei zeigt "Battle of the Bands - Boys vs. Girls" donnerstags um 20:15 Uhr.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Ist Sesselsportler, von Bundesliga bis Darts-WM.

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