Der 18. September wird für die jungen Produzenten der Produktionsfirma Kater Film ein ganz besonderer Tag. Dann nämlich nimmt Prime Video ihre elfteilige Serie "Für Umme" ins Portfolio auf. Bis es soweit war, vergingen für die Macher Jahre der Ungewissheit. Ohne Erfahrungen in der Serienproduktion entschieden sich Michael Fritz Schumacher, Vlady Valentin Oszkiel und Richard Thomas Beetz im Jahr 2013 trotzdem für die Produktion eines Piloten. Die jungen Filmemacher waren zuvor als Schauspieler, Regisseur und Kameramann unterwegs und boten ihre Idee nun eigenständig potenziellen Abnehmern an. 


In der ersten Zeit bekamen sie neben viel positivem Feedback zum Inhalt vor allem eins: Absagen. Weil sie bislang noch keine Serien produziert hatten, fehlte auf den Seiten der Abnehmer das Vertrauen. Doch dann trafen die jungen Männer auf Jürgen Hörner, der damals gerade seinen Sender eoTV aufbaute, Interesse signalisierte und schließlich einstieg. 

Für Schumacher, Oszkiel und Beetz begann daraufhin das Abenteuer Selbstständigkeit so richtig. Sie gründeten die Kater Film und bemühten sich um eine Förderung. 2016 gab es schließlich 64.000 Euro vom Medienboard Berlin-Brandenburg (DWDL.de berichtete). Doch es gab auch Probleme: Immer wieder blieben Zahlungen von eoTV aus oder verzögerten sich, sodass Drehtermine verschoben werden mussten, die jungen Filmemacher verschuldeten sich während dieser Zeit. Anstatt am Stück zu drehen, musste die rund 30 Drehtage auf drei Blöcke aufgeteilt werden. Eineinhalb Jahre vergingen, bis schließlich alles abgedreht war - und dann ging eoTV in die Insolvenz. 

Michael Fritz Schumacher © Kater Film Michael Fritz Schumacher
"Es gab mehrere Momente, an denen die Zukunft des Projekts sehr ungewiss war", sagt Michael Fritz Schumacher im Gespräch mit DWDL.de. Der Moment der eoTV-Insolvenz war auch so einer. Der kleine Sender hatte zwar rund zwei Drittel der vereinbarten Zahlungen geleistet, danach ging durch die Pleite aber nichts mehr. Der Insolvenzverwalter wollte die Serie zu Geld machen, allerdings waren die Folgen noch nicht fertig. "Wir haben mit der Postproduktion lange gewartet, weil wir das Geld dafür nicht hatten", so Schumacher. Schließlich kauften die Filmemacher die Rechte aus der Insolvenzmasse für kleines Geld zurück, liehen sich weiteres Geld und konnten so die Postproduktion abschließen. Das sei keine leichte Zeit gewesen, so Schumacher, der in der Serie auch die Hauptrolle spielt. Über einen externen Sales-Agenten kam schließlich der Kontakt zu Amazon zustande, das die Serie nun einem großen Publikum zugänglich machen wird. 

Vlady Valentin Oszkiel © Ariane Pochon Vlady Valentin Oszkiel
Für die Filmemacher waren die letzten Jahre so etwas wie die Feuertaufe in der Branche. Neben ihrer kreativen Arbeit als Schauspieler, Regisseur und Kameramann waren sie erstmals auch Produzenten und Autoren. "Da mussten wir alles von der Pike auf lernen", sagt Vlady Valentin Oszkiel im Gespräch mit DWDL.de. Die Kreativen sind inzwischen Unternehmer, die auch gelernt haben, wie man Mitarbeiter für die Dauer der Produktion anstellt. Den langen Drehzeitraum bezeichnet Oszkiel als Fluch und Segen gleichermaßen. "Wir konnten uns nach den Blöcken das Material immer ansehen und haben beim nächsten Mal schon vieles besser machen können." Gleichzeitig gab es durch ausbleibende Zahlungen und Verschiebungen auch immer viel Unsicherheit. 

"Wir hatten eigentlich viel zu wenig Budget, das hat alle Produktionsprozesse und auch unserer eigenes Überleben sehr erschwert", sagt Schumacher. In der Serie geht es um den erfolglosen Schauspieler Moritz "Mo" Mikkelsen (Michael Fritz Schumacher), der mit seinen 33 Jahren immer noch der heiß ersehnten Schauspielkarriere hinterherläuft. Statt Glitzer und Glamour erlebt er aber nur Fehlschläge und Peinlichkeiten. Dabei bemerkt er gar nicht, wie vielen Leuten er mit seinem Schauspieltalent im wahren Leben hilft. "Permanentes Scheitern und wieder aufstehen erlebt unser Hauptcharakter und so ging es uns auch während der Produktion", so Schumacher. 

Wir hatten eigentlich viel zu wenig Budget, das hat alle Produktionsprozesse und auch unserer eigenes Überleben sehr erschwert.
Michael Fritz Schumacher

Trotz des geringen Budgets ist der Cast recht hochkarätig besetzt. Zu sehen sind neben Schumacher unter anderem auch Oliver Korittke, Eva Habermann, Gisa Flake und Martin Semmelrogge. Alle waren bereit, für vergleichsweise kleines Geld an der Serie mitzuwirken. Ideen für eine zweite Staffel gibt es schon - jetzt müssen aber erst einmal die ersten elf Folgen bei Prime Video überzeugen. 

Weitere Projekte sind schon in Arbeit

Durch die Veröffentlichung beim Streamingdienst erhoffen sich die Macher nun auch weitere Aufträge. Von einem großen Privatsender haben sie bereits einen Entwicklungsauftrag für eine Comedy-Serie ergattert, hier fokussiert man sich auf den kreativen Part. Auch andere Projekte sind bereits in der Entwicklung. Fest steht: Die drei Filmemacher wollen sich mit Kater Film auf Comedy-Inhalte konzentrieren. 

Einige kleine Preise hat "Für Umme" auf diversen Festivals schon eingeheimst, mit der Veröffentlichung bei Prime Video folgt nun aber die wirklich wichtige Phase mit der Frage: Wie viele Kunden erreicht Amazon mit dem Stoff tatsächlich? In jedem Fall endet nun erst einmal eine nervenaufreibende Zeit für die Macher - und das eigentlich mal als erste eoTV-Serie angekündigte Projekt findet doch noch einen Abschluss. 

Vor wenigen Wochen ist mit Jürgen Hörner der Gründer und Chef des Seriensenders überraschend verstorben. Auch ihm ist es zu verdanken, dass "Für Umme" überhaupt entstanden ist. Trotz der komplizierten Entstehungsgeschichte sind die Filmemacher Hörner dankbar. "Er war der erste, der an unsere Idee geglaubt hat und Vertrauen in uns hatte", sagt Schumacher. Und Oszkiel ergänzt: "Ohne Jürgen Hörner wäre unsere Serie wahrscheinlich gar nicht zustande gekommen."

Bei Amazon Prime Video sind die elf Folgen von "Für Umme" ab dem 18. September zu sehen.