DWDL
07:19 Uhr: Das Ergebnis der Wahl bleibt offen, anders als unsere Augen, denen das zunehmend schwerer fällt. Wir beenden an dieser Stelle unseren nächtlichen Streifzug durch das Angebot sechs deutscher Sender bzw. Plattformen und bedanken uns für das Interesse an unserer ernst gemeinten, aber hoffentlich auch unterhaltsamen Begleitung der medialen Wahlberichterstattung. Ein Fazit der Nacht folgt. In einer Stunde übernimmt dann unsere Frühschicht. Die DWDL-Nachteulen Thomas Lückerath, Alexander Krei und Jan Freitag sagen: Guten Morgen - und gute Nacht.

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Bild
06:57 Uhr: Schneller als mancher Wettbewerber in der frühmorgendlichen Berichterstattung bezieht Bild den Tweet von US-Präsident Donald Trump ein, der sich wie ein Konter auf Bidens Auftritt liest. Während woanders debattiert wird oder Werbung läuft, ist es Julian Reichelt, der schnell und präzise analysiert, welche Ungeheuerlichkeit Trumps vorzeitig erklärter Sieg ist.

Julian Reichelt © Bild Reichelt läutet die "Trickser-Phase" ein

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ZDF
06:43 Uhr: Das war ein bisschen peinlich: Seit Minuten war klar, dass Joe Biden eine Rede halten würde - und dann verpasst das ZDF den Beginn. Bis zur letzten Sekunde spricht Bettina Schausten mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Zu sehen gibt's dann stattdessen zunächst Reporter Johannes Hano und auch der Simultandolmetscher bleibt anfangs stumm. Das hat die Konkurrenz besser gemacht.

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Welt
06:39 Uhr: Vor zwei Stunden klangen die Moderatoren bei Welt schon einigermaßen sicher, dass Donald Trump die Wahl für sich entscheiden kann. Inzwischen sind Tatjana Ohm & Co. wieder deutlich zurückhaltender und fragen sich, weshalb Joe Biden gleich schon vor die Presse treten will. Julius van de Laar, der als internationaler Kampagnen- und Strategieberater arbeitet und sich vor der Kamera äußerst eloquent gibt, vermutet, dass gerade ein "PR-Krieg" entsteht. Es geht um die Deutungshoheit - denn tatsächlich ist noch nichts entschieden. Und angesichts vieler Briefwahlstimmen darf eine baldige Entscheidung durchaus bezweifelt werden. 

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DWDL
06:29 Uhr: Man möchte all den tendenziell niedergeschlagenen Berichterstattern deutscher Sender zwischendurch aufmunternd zurufen: Aber die Wahlbeteiligung! Bei jeder deutschen Wahl der Strohhalm, an dem sich alle festhalten, wenn die Wahl nicht verlief wie im Vorfeld geplant. Und statt des Beklagens gesunkener Beteiligung in Deutschland, hat diese US-Wahl in historischem Ausmaß Wählerinnen und Wähler mobilisiert.

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RTL und ntv
06:27 Uhr: "Ausgang nach wie vor offen", erklärt das RTL-Duo um kurz vor halb sieben - sieht Florida und Texas noch nicht entschieden und vermittelt damit einen sehr offenen Eindruck. Tendenzen bei den Auszählungen der Stimmen werden weiter nicht kenntlich gemacht. Hier stirbt die Hoffnung fürs Biden-Lager zuletzt.

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Welt
06:26 Uhr: Carsten Hädler macht bei der Analyse der Zahlen einen guten Job - auch, weil er nicht nur auf die einzelnen Bundesstaaten schaut, sondern in die Tiefe geht. Immer wieder sucht er sich einzelne Countys heraus, anhand derer er zusätzliche Fakten und Hintergründe erläutert. Nur bei Idaho und Iowa kam er kurz durcheinander. Nach mehr als sechs Stunden aber nur allzu menschlich.

Carsten Hädler © Welt Carsten Hädler geht in die Tiefe

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DWDL
06:20 Uhr: Auch wenn ein abschließendes Wahlergebnis ohne juristischen Streit bislang unwahrscheinlich erscheint – über die Berichterstattung sind durchaus Urteile möglich. Die ARD war wie zu erwarten sachlich, seriös und recherchetief, aber auch ein bisschen öde – was vielleicht am staubig blauen Studio lag. RTL hingegen überraschte mit charmant-souveräner Leitung von Peter Kloeppel und Gesa Eberl. Heimlicher Sieger des Abends war allerdings der Ärmel, mit dem Jörg Schönenborn bei jedem Einsatz am Touchscreen verlässlich auf Texas klickte.

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Phoenix
06:13 Uhr: Frech: Woanders muss ohne Gnade durchmoderiert werden, nicht aber bei Phoenix. Teamwechsel von Nachtschicht zu Tagesschicht und damit drei neue Gesichter für die Werbepausen von CBS, die zu dieser Stunde damit zu den frischesten im deutschen TV-Angebot gehören. In der heißen Phase wirkt die Tiefenanalyse von Phoenix plötzlich fehl am Platz, wo man sich vor dem Bildschirm eher fragt: Was bedeuten die minütlich reintrudelnden Updates aus den Bundesstaaten?

US-Wahl bei Phoenix © Phoenix Zu viel Ruhe im Sturm bei Phoenix

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ZDF
06:08 Uhr: Nachdem sich Joe Biden überraschend Arizona für sich entscheiden konnte, führt der ZDF-Reporter vor Ort ein Interview mit einem irritierten, aber dennoch erstaunlich aufgeräumten Trump-Anhänger, der die Welt nicht mehr verstehen kann. "Das sah nach einem großen Trump-Sieg aus", erzählt er und liefert einen Erklärungsversuch gleich mit. Biden habe die jüngeren Wähler besser angesprochen. Der Blick nach Arizona dürfte Biden-Fans Mut machen. Doch Bettina Schausten verweist kurz danach auf Orte, an denen die Lage genau andersherum ist. Den Beleg liefert danach Christian Sievers mit frischen Zahlen. Sein Fazit: "Dieses Rennen ist weiter offen - und wird es wahrscheinlich noch länger bleiben."

Trump-Fan im ZDF © ZDF Irritiert, aber aufgeräumt

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Sat.1
05:59 Uhr: Auweia. In Sat.1, einst ein ernstzunehmendes Vollprogramm, wird als US-Experte gerade - wie zuvor schon bei Bild - der "GNTM"-Juror Thomas Hayo präsentiert, den neben den Attributen "Deutschlands erfolgreichster US-Export" und "lebt seit 27 Jahren in New York" der Satz "kennt Donald Trump persönlich" für das qualifiziert, was Marlene Lufen und Christian Wackert unter Wahlberichterstattung verstehen. Auch kurz vorm Showdown jedenfalls sind Influencer auf Dubai-Urlaub und "The Masked Singer" bedeutend wichtiger als alles, was sonst noch so passiert in der Welt.

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Bild
05:58 Uhr: Auch wenn die Wahl noch nicht entschieden ist, lässt sich über die Wahlnacht bei Bild schon sagen: Das Bewegtbild-Angebot steht anderen TV-Sendern in dieser Nacht in Nichts nach: Politprominenz zu Gast, Reporterinnen und Reporter vor Ort in den USA und wein Wechsel zwischen "Oval Office" für Talk und Newsroom für aktuelle Zahlen und deren Deutung, was Chefredakteur Julian Reichelt in der Eile souverän jonglierte. Überraschend zahm war Claus Strunz, rumgepoltert hat dafür mehrfach ein aufgebrachter Alexander von Schönburg. Was nach vielen Stunden Talk nonstop auffällt: Vorproduzierte Einspieler gibt es abgesehen von albernen Trump-Momenten nicht. Zeit zum Durchatmen blieb dem Publikum bei Bild damit kaum.

Julian Reichelt © Bild Kaum Zeit zum Durchatmen bei Bild

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RTL und ntv
05:37 Uhr: Hanna Klouth wird der Times Square nun doch zu eng. Offenbar habe sich ein Trump-Fan auf New Yorks pulsierendes Herz verloren und dort unter der demokratischen Mehrheit für Bewegung gesorgt, "sie können das leider nicht sehen", fügt die RTL-Reporterin spürbar nervös hinzu. Eine Nervosität, die sich eventuell auch daraus erklärt, woran Gesa Eberl zurück im Studio mit schiefem Lächeln erinnert: 2008 hat Barack Obama zur selben Tages-, besser: Nachtzeit kurz vor halb sechs bereits seinen Wahlsieg gefeiert. 2020 bleibt die Situation unklar, angespannt, aufgeladen und ein bisschen gefährlich.

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ZDF
05:33 Uhr: Cem Özdemir schon wieder on fire - diesmal im ZDF. Donald Trump habe ein Problem mit Frauen, vor allem mit starken Frauen, sagt er und zitiert den US-Präsidenten: "Grab them by the pussy." Es ist die Antwort auf die AfD-Politikerin Beatrix von Storch, die Bundeskanzlerin Merkel zuvor attestiert, nicht auf Augenhöhe mit Trump zu sein.

Beatrix von Storch im ZDF © ZDF Özdemir gegen Storch am frühen Morgen

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Bild
05:30 Uhr Bei Bild im "Oval Office" wird bei einem längeren Videocall mit FDP-Chef Christian Lindner die Ernüchterung gefestigt, dass Biden die Wahl offenbar verlieren werde. Alle Fragen zielen darauf ab. Und dann kommt das Ergebnis für Arizona - und oben im Newsroom ist für Julian Reichelt wieder alles offen.

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ARD
05:22 Uhr: Wer sich die offensive Fröhlichkeit einiger ARD-Korrespondenten und -Korrespondentinnen so anhört und -sieht, wird das Gefühl nicht los, sie pfiffen wohl ein wenig im Walde. Xenia Böttcher jedenfalls kriegt das Grinsen kaum aus dem Gesicht, als sie von einer republikanischen Wahlveranstaltung in Brownsville/Texas berichtet, die Gäste dort hätten nach anfänglicher Skepsis nun das Gefühl, der konservative Staat sei doch sicher für Trump. Gut Lachen hat indes Katharina Wilhelm in Kalifornien, das "wie immer demokratisch wählt".

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Bild
05:16 Uhr: Mit der steigenden Spannung im knappen Rennen ums Weiße Haus wird Bild-Chefredakteur Julian Reichelt oben im Newsroom zum sachlichen, schnell schaltenden Analytiker der eintrudelnden Zahlen, während im "Oval Office" eine Instastory von Musikerin Cardi B. die Topstory ist.

Julian Reichelt © Bild Julian Reichelt, erstaunlich sachlich

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Sat.1
05:11 Uhr: Seit einer guten halben Stunde hat auch das "Sat.1-Frühstücksfernsehen" die Arbeit aufgenommen. Im Studio stehen amerikanische Flaggen - doch um kurz nach fünf geht's nicht etwa um harte Fakten, sondern um das Verhältnis zwischen Donald Trump und seiner Frau Melania. Noch einmal wird an den Moment erinnert, an dem sich die First Lady weigerte, die Hand ihres Mannes zu nehmen. "Man weiß nicht, was am Abend vorher passiert ist", lacht Moderatorin Marlene Lufen. Hier ist die Welt noch in Ordnung.

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ZDF
05:06 Uhr: Auch ZDF-Zahlenmann Christian Sievers sieht Donald Trump inzwischen in einer guten Position - bei aller Unsicherheit, die die Wahlnacht noch mit sich bringen könnte. "Wer einen Biden-Durchmarsch erwartet hätte, der wird enttäuscht", sagt Sievers. "Donald Trump hat sich alle Chancen auf vier weitere Jahre gesichert."

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Bild
04:56 Uhr: "Manchmal braucht man ein Kind im Porzellanladen, das erstmal alles kaputt haut, bevor man es wieder zusammenbaut”, sagt Alexander von Schönburg und versteift sich in seiner Verteidigung von Donald Trump gegen die moralischen Vorwürfe gegen den amtierenden US-Präsidenten bis zur Aussage: "Der Charakter von Trump ist doch egal." Gehässiges Gelächter einer Bild-Kollegin neben ihm.

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Welt
04:52 Uhr: Sicher, es ist nur ein Bauchgefühl, doch das Welt-Trio ist sich angesichts der jüngsten Entwicklung der Zahlen bereits erstaunlich sicher, dass Donald Trump die Wahl gewinnen wird. "Ich habe von Anfang an gesagt, Donald Trump wird's nochmal machen. Und bis jetzt habe ich nichts gesehen, das mich davon abgebracht hätte", sagt Marie Przibylla. Und Carsten Hädler erinnert sich an das Jahr 2016: "Ich wusste in dem Moment, als er Florida gewonnen hat: Das war der Effekt, den er gebraucht hat." Aktuell spreche seiner Meinung nach ebenfalls "mehr für Trump". Reporter Paul Sonntag, der dort ist, wo Joe Biden seine Wahlparty feiern will, spricht von "sehr, sehr dünnen Hoffnungsschimmern" für den Demokraten und fragt: "Wo hat er denn überhaupt noch ein Schlupfloch, um noch einen Weg zu finden? Da muss man schon recht lange hinschauen." Spannende Aussagen.

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Phoenix
04:51 Uhr: Während bei vielen anderen Sendern die Dramatik durchgehend hochgehalten wird, gibt Phoenix zwischen den Programmübernahmen von CBS mit Breaking News und neuen Zahlen mit seinen Gesprächen ein bisschen Gelegenheit zum Durchatmen. Besonders bereichernd: Professorin Christiane Lemke von der Universität Hannover, die auch kurz vor 5 Uhr morgens fundiert aber auf den Punkt analysiert. Muss guten Kaffee geben bei Phoenix.

Wahl bei Phoenix © Phoenix Gelassenheit bei Phoenix

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DWDL
04:49 Uhr: "Die Wahlnacht ist ja noch jung", sagt Jörg Schönenborn kurz vor fünf angesichts wackliger Prognosen und zeigt sich damit ähnlich gelassen wie Harvard-Dozentin Cathryn Clüver, die ihre verspannte Vorgängerin Nora Müller abgelöst hat. Darüber hinaus sind alle spürbar zappelig. Nikolaus Blome hört ein Klingeln auf dem Ohr und verlässt sein Interview mit Kevin Kühnert in tiefer Sehnsucht nach Wahlentscheidungen. Doch Fehlanzeige. "Schön wär’s", antwortet Peter Kloeppel, "die Trippelschritte sind klein". Zumindest bei der narkotischen Frustbewältigung in spe dagegen geht es zügig voran: New Jersey, vermeldet der RTL-Ticker, stimmt für die Legalisierung von Marihuana.

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Welt
04:38 Uhr: Welt-Reporterin Daniela Will hat dagegen einen, nun ja, interessanten Gesprächspartner am Times Square entdeckt: Der junge Mann namens Patrick stellt sich als Trump-Unterstützer vor, aber je länger er spricht, desto mehr zweifelt Will daran. Weshalb er für Trump sei, will sie wissen. Seine Antwort: Er habe 10.000 Dollar von ihm bekommen. "An dieser Stelle müssen wir uns nicht weiter unterhalten", sagt die Reporterin und lässt Patrick einfach stehen.

Welt-Berichterstattung © Welt Der 10.000-Dollar-Mann

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RTL und ntv
04:29 Uhr: Seit Stunden schon steht RTL-Reporterin Hanna Klouth unverdrossen am New Yorker Times Square und berichtet davon, dass es mangels Menschen nichts zu berichten gibt. Also spricht sie mit dem ortsansässigen Arzt Nils Hennig aus Deutschland halt über Corona, mal wieder. Peter Kloeppel spricht zurück im Studio über die parallel laufenden US-Wahlen zum Senat und Repräsentantenhaus. Wobei sein Sprechen erstmals einem Haspeln gleicht. Die Nacht fordert ihren Tribut.

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Welt
04:14 Uhr: Tatjana Ohm und Carsten Hädler mit einer interessanten Analyse, warum Joe Biden, der zu Beginn des Abends in so manchen Swing States bereits vermeintlich sicher in Führung lag, dort nun doch hinter Trump zurückzufallen droht. Die eher demokratischen Briefwählerstimmen, so ihre Analyse, könnten dort zuerst ausgezählt worden sein - nun kommen jedoch vor allem die Republikaner dazu, die erst am Wahltag ihre Stimmen abgegeben haben. Tatsächlich bleibt das Rennen eng, etwa in Ohio oder in Pennsylvania.

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Bild
04:10 Uhr: Jetzt holt Bild dann wieder die Experten-Promis zurück ins Spiel, die früher am Abend immer mal wieder Teil der Marathon-Sendung waren - und schalten zu Thomas Hayo. "Siehst du auch schon rot?", fragt Claus Strunz. Der sitzt in New York, was man auch seinen flotten Beitrag zum Thema entnehmen kann. Hier hat noch keine Übermüdung eingesetzt.

Thomas Hayo bei Bild © Bild "Siehst du auch schon rot?"

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ARD
04:05 Uhr: Georg Mascolo hat mittlerweile Stefan Bierling ersetzt und sofort wird der Tonfall journalistischer. Jörg Schönenborn stellt derweil fest, dass "die Kameras grad alle falsch" stehen, als er auf sein fleißiges Statistikteam zoomen will, das vorwiegend nach studentischer Hilfskraft aussieht (was natürlich keinerlei inhaltlichen Aussagewert hat). Und vielleicht strahlt der honorige Zahlenfresser ja wegen der juvenilen Atmosphäre im Studio diese obamaeske Sportlichkeit aus, ein unruhiges Zittern in den Knien, als würde er gleich die Showtreppe hochfedern.

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Welt
03:57 Uhr: Dass die aktuellen Zwischenstände in dieser Nacht nicht alles sind, beweist Welt mit seinen Berichten aus Washington. Reporterin Nancy Lanzendörfer berichtet über die Demonstrationen in der US-Hauptstadt, die inzwischen von immer mehr Polizisten und ihren Fahrrädern abgesichert werden. Noch sei die Stimmung allerdings friedlich - und unweit der aufgestellten Zäune werde sogar Fußball gespielt. Hoffentlich nicht die Ruhe vor dem Sturm.

Welt-Berichterstattung © Welt Welt lenkt den Fokus auf Demonstrationen

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Bild
03:52 Uhr: Zum wiederholten Male gibt Bild vermeintlich drängend vom Plausch im "Oval Office" hoch in den Newsroom, es gibt sogar extra eine "Breaking News"-Animation, die sich an der wuchtigen Gestaltung der US-Sender orientiert und Dramatik vermittelt. Aber dann: Nix. Keine Breaking News, stattdessen Bla bla. Und einen Chefredakteur, der auflöst: "In sechs bis sieben Minuten wird’s spannend." 

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ZDF
03:50 Uhr: Während es auf dem großen weißen "Wetten, dass..?"-Sofa, das sich das ZDF ins Berliner Wahlstudio gestellt hat, zuletzt etwas langatmig wurde, begrüßt Elmar Theveßen in Washington immer wieder interessante Gäste auf seinem Balkon mit Blick aufs Weiße Haus. So wie Constanze Stelzenmüller von der Brookings Institutions. Sehr fundiert spricht sie über Donald Trumps Außenpolitik, die "die Welt unsicherer gemacht" habe, wie sie etwa mit Verweis auf sein "Flirten mit Diktatoren" sagt. Doch sie betont gleichzeitig: "Donald Trump ist nicht Amerika." Und doch könnte es sein, dass eben dieses Amerika ihn heute Nacht erneut zum Präsidenten wählt.

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Bild
03:40 Uhr: "Der schreibt bestimmt noch seinen Leitartikel wie Josef Joffe", ulkt "Bild"-Moderator Kai Wiese, als der zugeschaltete Journalist Don F. Jordan beim ersten Versuch zwar zu sehen war, aber nicht auf die Grüße aus dem "Oval Office" reagiert.

Bild-Schalte © Bild Kein Gruß zurück ins Oval Office

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RTL und ntv
03:36 Uhr: Das akademisch verschachtelte Trump-Bashing der beiden ARD-Experten wirkt bei aller Zustimmung langsam leicht abgenutzt. Der Senderwechsel zu RTL dient deshalb auch der Entkrampfung. Die linke Hand locker in der Hosentasche, dazu ein viriler Bronzeton über der rosafarbenen Krawatte – wäre RTL ein Schützenfest, Peter Kloeppel würde dort im Morgengrauen wohl Jazz spielen. Anderthalb Stunden vor Schließung der letzten Wahllokale dürfte den Zuschauern aber mehr nach Walgesängen zur Beruhigung zumute sein – es ist unfassbar spannend.

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RTL und ntv
03:18 Uhr: Satt, sauber und fleißig - voilà: RTL ist zurück und geht mit Moderationsduo ins Wahlfinale. Ohne die Kleidungsanalyse zu vertiefen: dass Peter Kloeppels Anzug blau ist und Gesa Eberls Kleid rot, hat vermutlich mit der Farbenlehre des Wahlsystems zu tun und sähe wohl, Hand aufs Herz, umgekehrt zumindest beim seriösen Anchor ein wenig overdressed aus. So ganz kann sich der Sender die Polarisierung aber doch nicht verkneifen, etwa wenn Peter Kleim aus Washington berichtet, Donald Trump habe sich "im Weißen Haus verbarrikadiert", was etwas dramatischer klingt als es ist. Dafür näselt Nikolaus Blome gewohnt tiefenentspannt im Berliner Studio.

Wahl bei RTL © RTL Farbenlehre des US-Wahlsystems bei RTL und ntv

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Welt
03:08 Uhr: "Die Nachbarschaft hat's nicht so mit Donald Trump", sagt Welt-Moderator Carsten Hädler über das Ergebnis in jenem County, in dem der US-Präsident seinen Erstwohnsitz hat. Trump liegt dort nämlich zurück - obwohl hier 30 Milliardäre leben.

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RTL
02:50 Uhr: RTL interessiert sich gerade mehr für Melanias Schönheitsoperationen als das aktuelle Hochrechnungsgeschehen und wiederholt eine Doku vom Abend. Im Laufband hat Biden übrigens sieben Wahlleute mehr als bei der ARD, deren Frontbericht aus North Carolina auch schon mal lief. Aber nach sechseinhalb Stunden Frontberichterstattung sind ein paar Redundanzen schon okay. Neu ist immerhin, dass der Trump-Tower am unteren RTL-Rand abgeriegelt wird. Besser, man schickt die "Die Spezialisten“" nach New York, die bei Sat.1 parallel ein Rauchvergiftungsopfer mit bauchfreiem Top dokufiktional intubieren.

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Phoenix
02:48 Uhr: "Dann nutzen wir diese Werbepause mal für eine Analyse" - Sätze, die man sonst selten hört bei Phoenix, wo heute Nacht aber immer dann Alfred Schier aus dem Phoenix-Studio übernimmt, wenn beim US-Sender CBS Werbung kommt.

Wahl bei Phoenix © Phoenix "Werbepause" bei Phoenix

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Bild
02:47 Uhr: No Comment: Bei Bild werden endlich die fünf schönsten Frisuren des amerikanischen Präsidenten besprochen.

Wahl bei Bild TV © Bild Er hat die Haare schön

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ZDF
02:38 Uhr: Bettina Schausten beschleicht ein Déjà-vu. "Ein bisschen liegt so etwas in der Luft, als würde sich 2016 am Ende womöglich wiederholen", sagt die ZDF-Moderatorin mit Blick auf die Zahlen aus Florida, wonach dieser Bundesstaat an Donald Trump gehen könnte. Aktuell liegt der Präsident hier knapp vorne. Gut: Nur wenig später vertieft Washington-Korrespondent Elmar Theveßen diese Vermutung im Gespräch mit Michael Werz vom Center of American Progress, einem Thinktank, der der demokratischen Partei nahesteht. Aus dem Bider-Lager sei zu hören, dass Florida "nicht gut aussieht", sagt er, gibt sich aber demonstrativ beruhigt. Florida sei schließlich nur "einer von vielen Wechselwähler-Staaten". 

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Welt
02:31 Uhr: Bei Welt beschäftigt sich ein Beitrag mit der steigenden Zahl an privaten Waffenbesitzern in den USA. Gezeigt wird der Manager einer Kfz-Werkstatt, der, so erzählt es der Reporter, seine Waffe überall trage, "ob bei der Arbeit, beim Einkaufen oder in der Kirche". "Ich bin vor kurzem Vater geworden", sagt der Mann, "und ich muss in der Lage sein, meine Frau und meine Tochter zu verteidigen."

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Bild
02:27 Uhr: Überraschung. Zurück im Oval Office von Bild sitzen tatsächlich weiterhin Cem Özdemir und Alexander von Schönburg nebeneinander. Aber es kracht erneut relativ schnell, als es um Briefwahlen geht. Özdemir führt seinem Nachbarn entnervt das Prinzip eines Rechtsstaat aus: "Und das ist gesunder Menschenverstand. Das muss man doch jetzt nicht erklären."

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ARD
02:21 Uhr: Es ist schon hochinteressant, mit welcher Engelsgeduld ARD-Korrespondent Marcus Schuler dem republikanischen Lokalchef bei San Franzisco zuhört, wie er vom "Virus der kommunistischen Partei Chinas" schwadroniert, märchenhafte Wachstumszahlen erfindet oder behauptet, nach Bidens Sieg werde die Welt von Bill Gates und George Soros beherrscht. Das ist sie doch, die sprichwörtliche Überparteilichkeit vermeintlicher Systemmedien – nach jeder Seite hin gesprächsoffen, objektiv bis zur Selbstverleugnung und irritierend amüsant.

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Bild
02:13 Uhr: "Sind wir jetzt gerade in einer seriösen Sendung?", fragt sich Cem Özdemir, als Alexander von Schönburg im Studio zum wiederholten Mal mit aggressivem Ton laut wird, weil er Özdemir die Gleichsetzung von Trump und Nordkoreas Diktator Kim-Jong Un in den Mund legt. "Was ist das jetzt gerade? Kabarett oder Schauspiel?" Hilfesuchend guckt Özdemir in Richtung Claus Strunz, der ungewöhnlich zurückhaltend an der Seitenlinie bleibt, aber mit einer improvisierten Abgabe in den Newsroom die Situation entschärft.

Wahl bei Bild TV © Bild "Kabarett oder Schauspiel?", fragt Cem Özdemir bei Bild

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ARD
02:12 Uhr: Der Preis für die beste Mund-Nasen-Schutz-Jacken-Kombination geht definitiv an die ARD-Reporterin Claudia Buckenmaier. Einen Kontrast zum kräftigen Rot der Washington-Korrespondentin liefert übrigens ZDF-Moderatorin Bettina Schausten, die in dieser Nacht ganz in Blau auf Sendung geht. Allerdings ohne Mund-Nasen-Schutz.

Claudia Buckenmaier © ARD Claudia Buckenmaier ganz in Rot: Guido Maria Kretschmer gefällt das

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ARD
02:06 Uhr: Stefan Niemann lächelt ein wenig, als habe er Zahnweh. Schwer zu sagen, ob der Korrespondent Geheimwissen unterdrückt oder den Hochrechnungszwischenstand von 11:0 für Trump im Bildschirmeck als Fußballergebnis deutet, aber hoffnungsfroh sieht anders aus. Während die Studiogäste Stefan Bierling von der Uni Regensburg und Nora Müller (Körber-Stiftung) noch über Trumps China-Politik debattieren, geht Biden mit 44:26 in Führung, was eher nach American Football klingt.

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ZDF
02:03 Uhr: Nach knapp zwei Stunden streikt erstmals die Technik - gemeint ist nicht der Buzzer, sondern die Vidiwall, auf der Christian Sievers wild herumdrücken muss, ehe die Zwischenergebnisse der Bundesstaaten eintrudeln. Und während in Maine nichts entschieden ist, gibt's zumindest in Maryland eine Entscheidung, wenn auch nur nach mehrmaligem Klopfen auf den Bildschirm. Hier hat sich Joe Biden durchgesetzt. "Hat es sich wengstens gelohnt, dass ich die ganze Zeit drauf rumgedrückt habe", lacht Sievers.

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Phoenix
01:58 Uhr: Viel Einordnung, etwa zum US-System bei der Briefwahl und was die von unserer Briefwahl unterscheidet - bei Phoenix wird zwischen den Strecken mit CBS-Übernahme sachlich wertvoll und ruhig mit Experten im Studio informiert. Hier gibts keine Unterbrechungen durch Tweets oder Firlefanz. In Kombination mit USTV im englischen Original ein guter Mix, wenn auch etwas Stückwerk.

US-Wahl bei Phoenix © Phoenix Sachlich und ruhig wird bei Phoenix analysiert

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Welt
01:49 Uhr: Carsten Hädler packt das Orakel aus. "Seit 1964 ist es so, dass der Kandidat, der diesen Bundesstaat gewonnen hat, der neue US-Präsident geworden ist", sagt der Welt-Moderator über Ohio. Und geht kurz darauf noch mehr ins Detail, genauer gesagt ins nördliche Ottawa County. Dort sei sogar in den vergangenen 100 Jahren jeder Kandidat, der hier gewonnen hat, Präsident geworden. Na, wenn's so einfach ist, kann man sich die Sache mit der Wahl ja fast schon sparen.

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Bild
01:47 Uhr: Binnenkonflikte offen ausgetragen: Alexander von Schönburg erregt sich über die Selbstgerechtigkeit von Twitter im Wahlkampf zu Ungunsten von Trump. Patricia Platiel hält dagegen, die Stimmung kippte beinahe als sie betont, dass außer dem von Trump zitierten "NY Post"-Artikel über Biden kein anderes Medium diese Story verbreiten wollte, weil es offensichtlich eine Schmierkampagne gewesen sei. Es wird laut im "Oval Office" - und Claus Strunz hat nicht mal was damit zu tun.

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RTL
01:42 Uhr: Während sich die ARD kurz mal mit einer verpatzten Live-Schalte und falschen Tweets auflockert, macht RTL einen Schlenker zur politischen Relevanz des Profisports und lässt die Wahlprogramme rappen – noch so ein kreativer Thementwist. Was dabei auffällt: RTL hat deutlich jüngere, weiblichere Reporter vor Ort, was einen deutlich sichtbaren Kontrast zum grauweißen Wolf des Nachrichtenabends darstellt: Peter Kloeppel. Bis er um drei auf den Bildschirm zurückkehrt, macht die aktuelle Berichterstattung allerdings erstmal Doku-Pause.

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ntv
01:33 Uhr: RTL und ntv werden erst ab 3 Uhr gemeinsam senden - bis dahin berichtet der Nachrichtensender in seinem virtuellen Studio vorerst auf eigene Faust. Es ist eine grundsolide Mischung aus Schalten zu Reportern und Experten wie dem Politikwissenschaftler Thomas Jäger, der vor seiner heimischen Bücherwand aussieht, als warte er auf eine Einladung zum Literarischen Quartett. Interessant ist das Gespräch trotzdem. "Wen wählen hispanische Männer?", fragt er, weil er hier eine möglicherweise entscheidende Wählergruppe wähnt. 

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ZDF
01:30 Uhr: Spannende politische Diskussion über das amerikanische Wahlsystem und seine Folgen im ZDF. "Mit Fairness hat das nix zu tun", sagt der ehemalige Grünen-Chef Cem Özdemir und unterstreicht, dass Trump kein verlässlicher Partner für Europa sei. "Wir haben jetzt schon gemerkt, was es bedeutet, wenn die Amerikaner als Verbündete fehlen im Kampf für den Erhalt der liberalen Demokratie. Und im Falle einer Wiederwahl? "Wer sich auf jeden Fall freuen wird, das werden die Putins sein, das wird der Diktator von Nordkorea sein, das wird Herr Erdogan sein, das werden alle Autoritätre dieser Welt sein." FDP-Politiker Alexander Graf von Lambsdorf sieht das ähnlich. Er verweist darauf, dass Donald Trump die amerikanischen Behörden "nach und nach politisiert" habe. Folgen weitere vier Trump-Jahre, befürchtet er einen "fundamentalen Wechsel, der wird schwer zurückzudrehen sein."

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Bild
01:29 Uhr: Die Bild-Berichterstattung bleibt Korrespondenten-lastig. Die menschelnde Seite der Wahlnacht im Mittelpunkt. Das war in den ersten Stunden ein unterhaltsamer Mix, der mit zugeschalteten Promis angereichert wurde. Mit dabei waren beispielsweise Thomas Heinze, Schauspielkollege August Zirner ("Unsere Gesprächskultur verkümmert") und Michael Stich ("Es ist ein Personenkultur aufgebaut worden"). Jetzt darf es aber gerne häufiger in den Newsroom gehen - für mehr Einordnung der ersten Zahlen.

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Bild
01:22 Uhr: "Die Hymne dieser Nacht: Too close to call", bringt es Bild-Chefredakteur Julian Reichelt oben im Newsroom auf den Punkt. Und zack - geht’s wieder runter zu den Holzstühlen im "Oval Office".

US-Wahl bei Bild © Bild Bei "Bild" analysiert der Chefredakteur noch selbst

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Welt
01:15 Uhr: Welt-Reporter Paul Willmann steht im Wilmington bei der Wahlparty der Demokraten. Aber Carsten Hädler ist unzufrieden wegen der Ruhe. "Bei dir ist gar nichts los. Gibt's bei dir gar keine Party?", fragt er. Und tatsächlich: "Gerade eben war die Musik noch an, Carsten", antwortet Willmann, "jetzt sprichst du mich an und jetzt ist es ruhig." Das sei der Vorführeffekt. "Aber das werden wir noch korrigieren." Dürfte auch vom Ergebnis der Nacht abhängen.

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Bild
01:06 Uhr: Um 1 Uhr vermeldeten viele andere Sender die (noch wenig aussagekräftigen) ersten Zahlen aus den USA. Phoenix schaltet wie geplant das CBS Signal auf, wo diese unmittelbar besprochen wurden. Bei Bild jedoch wird ungestört weiter geplaudert - unterbrochen von einem Einspieler der Reihe "Trumps legendärste Pressekonferenzen". Ein bisschen irritierend, dass Bild einerseits eine Eilmeldung verschickt, im Live-Programm die Zahlen aber gänzlich ignoriert. Bekommt man hier wirklich alle Neuigkeiten mit?

Nachtrag: Um 1:09 Uhr gehts dann doch aus dem "Oval Office" in den Bild-Newsroom und mit Verspätung die ersten Zahlen.

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Phoenix
01:01 Uhr: Phoenix ist seit einigen Minuten auch wieder live in air - und bleibt ein Ruhepol im Vergleich zum Geschnatter von vier oder mehr Gesprächspartnern bei Bild. Zunächst mit dem Alfred Schier und einigen mehr oder weniger technisch gelungenen Schalten. Jetzt ist Phoenix mit dem ausgeschalteten CBS - entweder mit deutscher Simultanübersetzung (furchtbar) oder im englischen Original on air.

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ARD
01:00 Uhr: Jörg Schönenborn verspricht um Punkt 1 Uhr erste Ergebnisse, muss uns aber vertrösten: fünf der sechs Staaten seien "too Close to Call", also noch nicht ausgezählt. Wenn er sie mit seinem Bundestagswahlfinger antippt, bleiben alle bis auf Indiana folglich grau statt rot wie Ilka Eßmüllers Blazer auf RTL oder blau wie das ARD-Studio, dessen monochromes Ambiente ein wenig an billige Gameshows der frühen Neunziger erinnert. Nennen wir’s mal Understatement.

US-Wahl im Ersten © Screenshot Das Erste Schlicht und nüchtern: Das ARD-Wahlstudio

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DWDL
00:59 Uhr: Bisschen Zapping zwischendurch: Kurz vor eins ist die ARD in Oregon angekommen, ORF2 auf 3sat über Trump, während Info eine Doku vom Kalten Krieg zeigt, den eine Frau auf heiß zu werden befürchtet, sollte der Amtsinhaber gewinnen. Auf One läuft derweil das Biopic "Die Kennedys", beim WDR ein Schimanski aus der Reagan-Ära und RTL verliert erstmals seit Stunden die Lust auf Trump und wendet sich Biden zu. Ach ja – bei Sat.1 läuft immer noch oder schon wieder "Navy CIS". Armer alter Kanzlerkanal.

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DWDL
00:56 Uhr: Nicht nur im Fernsehen ist diese Wahlnacht ein großes Thema - auch "Zeit Online" hat eine Sondersendung auf die Beine gestellt. Bei der Einrichtung des Studios scheint man sich allerdings an den Kulissen des Kinderkanals bedient zu haben. Fehlt eigentlich nur noch Bernd das Brot als Co-Moderator.

US-Wahl bei Zeit Online © Zeit Online Kinderkanal-Style bei Zeit Online

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Bild
00:52 Uhr: Und während manche Sender mit dem Team für die Wahlnacht gerade erst auf Sendung gegangen ist, hat Bild schon mehr als sechs Stunden mit seinen zwei Moderatoren-Duos hinter sich - und liefert einen überraschend überzeugenden Auftritt ab. Viel Meinung, wenig Fakten - aber die trudeln ja auch bald erst ein. Diagramm-Schlachten bleiben hier weitgehend erspart, dafür manchmal Belanglosigkeiten, aber insgesamt ein für die Marke schlüssiges Angebot.

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ARD
00:28 Uhr: Florida, Texas, Tennessee. Alte Erst-Wähler, eingewanderte Trump-Wähler, pragmatische Wechsel-Wähler. Das Erste unternimmt eine kurzweilige, recht lehrreiche Rundreise durch die Bundesstaaten vorm Showdown. In Delaware berichtet Jan Philipp Burgard sogar kurz mal aus Joe Bidens Heimatstadt – so lange, dass Andreas Cichowicz nachfragt: Wo ist eigentlich Donald Trump? Jörg Schönenborn weiß es auch nicht, hätte da aber noch ein paar Infografiken über Wählerwanderungen.

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ZDF
00:23 Uhr: Nach einer launigen Runde bei Markus Lanz haben im ZDF jetzt Bettina Schausten und Christian Sievers übernommen - und ein wenig scheint es zwischen den beiden bereits zu knistern. Sievers hat "etwas, das du lieben wirst", sagt er zu seiner Kollegin und meint den Buzzer, den er immer dann betätigen wird, wenn's neue Zahlen gibt. Immerhin diesmal keine Glocke, raunzt Schausten zurück. Die sei beim letzten Mal "einen Hauch nervig" gewesen, sagt sie. Und verspricht dem Publikum schon mal, auf Abstand zu Sievers gehen zu wollen: "Christian und ich werden uns nicht zu nahe kommen." Beruhigend.

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Phoenix
00:11 Uhr: Bei Phoenix setzt man auch bei dieser US-Wahl auf eine Mischung aus eigenem Programm und Übernahmen des US-Senders CBS. Dabei präsentiert sich Phoenix in der Optik wie gewohnt nüchtern. Michaela Kolster beendete den Dienstag mit "Phoenix - der Tag", jetzt läuft eine Wiederholung der "Phoenix Runde" von 22:15 Uhr. Ab 00:45 Uhr ist Phoenix dann erst live bei der Wahlnacht dabei.

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Welt
00:08 Uhr: Beim Nachrichtensender Welt hat das Team der Nachtschicht begonnen, darunter Carsten Hädler, der sich um die Analysen und Zahlen kümmert. Für seine sportliche Betätigung zwischen seinen Einsätzen ist bestens gesorgt, denn die Redaktion hat den Moderator virtuell eingezäunt - und man darf schon jetzt gespannt sein, ob sich Hädler im Laufe der Nacht als Stabhochspringer ausprobieren wird.

Carsten Hädler © Screenshot Welt Carsten Hädler ist umzingelt

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RTL
00:03 Uhr: Als das "Nachtjournal" Punkt zwölf zur anderthalbstündigen long extended dub version anschwillt, hat RTL seine Kompetenz, an dieser Stelle darf man gern auch mal sagen: Stärke zur tiefgründigen Oberflächlichkeit bereits seit Stunden gezeigt und garniert sein thematisches Sperrfeuerwerk auch weiterhin mit einem Stakkato aus halluzinierender Grafik, schnellem Schnitt und wuchtigem Sound. Alles über-, unter-, durcheinander. Gelegentlich etwas wirr und konfus, aber sehr unterhaltsam.

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ARD
23:46 Uhr: Zwei Stunden vorm ersten Ergebnis ist Jörg Schönenborn schon voll in seinem Element, besser noch Biotop: Balkendiagramme. Als würden nicht die USA wählen, sondern Deutschland, präsentiert uns der WDR-Mann im ARD-Wahlauftrag Statistiken zur politischen Lage, das amerikanische Wohlstandsgefühl vor und nach Trump etwa. Trumptrumptrump. Schon jetzt hat man gelegentlich das Gefühl, hier würde Trump gegen Trump antreten, nicht gegen – wie hieß der andere noch gleich?

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Bild
23:31 Uhr: Wenn es nicht der Ton manches per Video zugeschalteten Gastes ist, der knackt, sind es die benutzen Holzstühle im von "Bild" nachgebauten Oval Office, die unter der journalistischen Expertise ächzen. Ein schneller Abgleich mit den anderen Sendern ergibt: Nirgends sieht es unbequemer aus. Ein mediales Highlight der ersten Stunden von Bild TV hat Boris Rosenkranz festgehalten und bei Twitter dokumentiert:

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Bild
23:22 Uhr: Bei Bild TV sendet man seit 18:30 Uhr, wechselt sich die geplante Marathon-Sendung über stetig ab. Am frühen Abend schaute auch Chefredakteur Julian Reichelt schon mal vorbei, erhielt in der Live-Sendung einen Anruf, nahm ihn an parallel zum Gespräch der Sendung an. Nervös auf den Stuhl nach vorne rutschend wollte er dann brandheiße News weitergeben: Er sei gerade eben informiert worden, dass die Republikaner doch tatsächlich die Republikaner vorne sehen in Ohio und Arizona.

Wahl bei Bild TV © Bild Wo ist Strunz?

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DWDL
23:17 Uhr: Es geht los, die heiße Phase der Wahlberichterstattung. Das ZDF berichtet seit mehr als drei Stunden, die Nachrichtensender sowieso, selbst RTL hat seine Primetime für Trump-Porträts freigeräumt - wenngleich sie akustisch an Bagger-Reportagen auf ntv erinnern und dramaturgisch an Boulevardmagazine. Kein Wunder, dass uns der deutsch A-Promi Alessandra Meyer-Wölden durch die Sendung führt und Frauke Ludowig über Trumps Frauen sinniert. Aber gut: Sat.1 zeigt zu dieser Zeit lieber Krimis und das Erste "Die Kanzlei".

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DWDL
23:15 Uhr: Wer die Wahl hat, hat die Qual - welches Sprichwort könnte zu einer langen Wahlnacht besser passen als dieses? Und der Spruch gilt gewissermaßen auch für das Fernsehen, schließlich fahren auch hierzulande zahlreiche Sender ein nächtliches Sonderprogramm zur US-Präsidentschaftswahl. Weil es gar nicht so einfach ist, den Überblick zu behalten, zappen wir uns für Sie durch die Kanäle: Welcher Sender wagt sich zuerst aus der Deckung? Wer liefert ungewöhnliche Aspekte? Wo werden abenteuerliche Aussagen getätigt? Und bei wem gibt's zwischen Talks, Berichten und den entscheidenden Zahlen vielleicht auch mal amüsante Pannen? Der Kaffee steht bereit, lasset das Zapping beginnen!