Media-Update vom 21. April

Werbemarkt im März: RTL erholt, aber ProSieben dick im Minus

Werbung im Fernsehen © Pixabay/DWDL

Der Brutto-Werbemarkt lag im dritten Monat des Jahres überraschend deutlich im Plus, sogar die TV-Vermarkter verzeichneten ein kleines Wachstum. Während sich RTL nach dem Katastrophen-Februar erholt zeigte, schwächelten jedoch ProSieben und Kabel Eins.

von Timo Niemeier am 21.04.2026 - 11:11 Uhr

Das Marktforschungsunternehmen Nielsen hat die neuesten Werbezahlen für den März veröffentlicht - und die fallen überraschend positiv aus. So lagen die Brutto-Werbespendings im dritten Monat des Jahres über alle Mediengattungen hinweg bei ziemlich genau 3 Milliarden Euro. Das waren 4 Prozent mehr als im März des Vorjahres. Nachdem der Markt im Februar noch bei einem Minus in Höhe von 3,1 Prozent lag, sind das jetzt gute Nachrichten. Ob es eine nachhaltige Entwicklung sein wird, muss sich freilich erst in den kommenden Monaten zeigen. 

Doch sogar die TV-Vermarkter verzeichneten im März ein kleines Wachstum in Höhe von 0,8 Prozent, nachdem ihre Brutto-Einnahmen im Februar noch um satte 7,3 Prozent zurückgegangen waren. Wie immer lohnt sich an dieser Stelle ein detaillierter Blick in die Nielsen-Zahlen. Gute Nachrichten gibt es nämlich vor allem für RTL Deutschland bzw. die Ad Alliance. Nachdem die Gruppe im Februar einen Rückgang der Brutto-Werbeeinnahmen in Höhe von 13,3 Prozent verzeichnete, ging es jetzt um 4,2 Prozent bergauf. 

Wichtig für die Ad Alliance: Mit RTL hat sich der mit Abstand wichtigste Sender der Gruppe wieder stabilisiert. Der Werbe-Marktführer verzeichnete im Februar einen heftigen Einbruch der Brutto-Werbeeinnahmen in Höhe von rund 20 Prozent. Im März wuchs RTL im Gegensatz dazu wieder um 3,6 Prozent. Das half der ganzen Gruppe, wo aber auch ntv, Nitro, RTLup und Vox Zuwächse verzeichneten. Lediglich Super RTL lag im März im Minus. 

Anders sieht die Situation dagegen bei ProSiebenSat.1 aus. Also der Gruppe, die im Februar laut Nielsen um 4,3 Prozent weniger Brutto-Werbeeinnahmen verzeichnete. Dieser Verlust weitete sich im März auf 6,4 Prozent aus. Vor allem ProSieben (-9,4 Prozent) und Kabel Eins (-13,4 Prozent) schwächelten. Sat.1 machte seine Sache zwar besser, lag aber ebenfalls noch 1,8 Prozent im Minus. Zwischen Januar und März verzeichnete ProSiebenSat.1 damit insgesamt Rückgänge in Höhe von 2,6 Prozent, bei der Ad Alliance sah es angesichts von -3,7 Prozent noch etwas schlechter aus. 

Damit dürfte auch klar sein, was die Aktionärinnen und Aktionäre von ProSiebenSat.1 und RTL Group in wenigen Wochen erwartet, wenn die Unternehmen ihre Geschäftszahlen für das erste Quartal dieses Jahres veröffentlichen. ProSiebenSat.1-Hauptgesellschafter Media for Europe (MFE) hatte zuletzt schon erklärt, dass die Geschäfte in Deutschland und Spanien ziemlich schleppend ins neue Jahr gestartet seien, während es in Italien besser läuft (DWDL.de berichtete). 

Doch zurück zu den neuesten Werbezahlen von Nielsen. Das starke Wachstum im März ist demnach auf gleich mehrere Mediengattungen zurückzuführen. So lag der gesamte Online-Bereich (hier wie immer ohne Social, Search und YouTube) 13,5 Prozent im Plus. Bei den Außenwerbern waren es immerhin noch 9,0 Prozent und bei den Zeitungen 6,6 Prozent. Während Out of Home und Zeitungen damit auf Jahressicht leicht im Plus liegen, kommt der Bereich Online bislang auf ein starkes Wachstum in Höhe von 10,7 Prozent. 

Das Radio erzielte im März dagegen 1,3 Prozent weniger Brutto-Werbeeinnahmen als vor einem Jahr. Das ist für die Gattung zwar das bislang beste Ergebnis des Jahres, der Abwärtstrend hält jedoch an. Ebenfalls um 1,3 Prozent im Minus lagen die Publikumszeitschriften. Das Kino verzeichnete sogar 11,1 Prozent weniger Brutto-Werbeeinnahmen, aufgrund des starkes Jahresstarts vor allem im Januar steht das Werbemedium Kino Year to date aber nach wie vor bei einem kleinen Plus. Bei Brutto-Werbeeinnahmen in Höhe von rund 25 Millionen Euro im ersten Quartal ist das Kino die mit Abstand kleinste Mediengattung in der Nielsen-Betrachtung - und fällt dementsprechend in der Gesamtbewertung kaum ins Gewicht. Zum Vergleich: DMAX lag alleine im März bei Brutto-Werbeeinnahmen in Höhe von etwas mehr als 35 Millionen Euro. 

Wie immer gilt es bei den Nielsen-Zahlen zu berücksichtigen, dass hier die Listenpreise zugrunde gelegt werden und Rabatte, Eigenanzeigen und Tauschgeschäfte nicht berücksichtigt sind. Die tatsächlichen Einnahmen etwa der TV-Sender sind teils deutlich geringer. Dennoch sind die Nielsen-Zahlen ein Indikator für die grundsätzliche Entwicklung des Marktes. 

AEOS Werberanking ©

Amazon hat in der zurückliegenden Woche seinen Platz an der Spitze der von All Eyes on Screens ermittelten Werbecharts gehalten. Mit etwas mehr als 2.000 Spots erzielte der Konzern eine Bruttoreichweite in Höhe von 964 XRP. Das reichte mit Abstand für den Platz an der Sonne, in der Woche davor lag Amazon sogar noch bei etwas mehr als 1.000 XRP. Auf Platz zwei liegt Kaufland, das es auf eine Bruttoreichweite in Höhe von 631 XRP brachte. Kinder komplettiert das Treppchen mit 625 XRP. 

Äußerst umtriebig in Sachen TV-Werbung ist zuletzt auch das türkische Tourismusministerium gewesen. 555 Spots schaltete dies alleine in der vergangenen Woche im deutschen Fernsehen, das entsprach 334 XRP. So präsent wie jetzt war das Ministerium in diesem Jahr in den TV-Werbeblöcken überhaupt noch nie, mit dem nahenden Sommer macht die Offensive aber durchaus Sinn. Die meisten Spots aus der Türkei waren bei ntv zu sehen. Überhaupt liefen die meisten Spots auf einem Sender der Ad Alliance, kleinere Kontingente entfielen auch auf Das Erste, RTLzwei und Eurosport.  

260413-260419xrp © All Eyes On Screens

Das Werberanking kurz erklärt

All Eyes On Screens (früher: AdScanner) stellt für das Ranking eine Liste aller in der vergangenen Woche im deutschen TV ausgestrahlten Werbespots zusammen und ermittelt für diese die in Summe erzielte Reichweite in den gemessenen Vodafone-Haushalten. Da hier die sekundengenaue Reichweite statt der bislang branchenüblichen Werbeinselreichweite als Grundlage dient, spricht All Eyes On Screens von XRP (Exact Rating Points). Da es sich um Brutto-Reichweiten handelt, werden dafür die Einzel-Reichweite jeder Ausstrahlung aufaddiert. Zur Veranschaulichung: Läuft ein Spot zehn Mal und erreicht dabei jeweils fünf Prozent der gemessenen Vodafone-Haushalte, ergibt das für die gesamte Woche 50 XRP - auch wenn es immer die gleichen fünf Prozent gewesen wären.