© WDR/Reuters/Bryan Woolston
Media-Update vom 6. November

US-Sender boykottieren Trump-Spot, Goldbach-Rebranding

 

Mehrere US-Sender sowie Facebook boykottieren einen Wahlspot von Donald Trump und dessen republikanischer Partei. Außerdem im Media-Update: Goldbach verpasst sich ein Rebranding und Zee.One holt einen Sales-Chef.

von Timo Niemeier
06.11.2018 - 11:44 Uhr

Donald Trump
© Fox News
Am heutigen Dienstag, den 6. November, stehen in den USA die Halbzeitwahlen (midterm elections) an. Im Vorfeld dazu ist es nun zu einer Kontroverse rund um einen Wahlwerbespot der Republikaner unter Donald Trump gekommen. CNN hatte sich zuletzt geweigert, einen entsprechenden Clip der Partei auszustrahlen und begründete das damit, dass dieser rassistisch sei. "Ich nehme an, sie bringen nur Fake News und wollen nicht über die echten Gefahren berichten", polterte daraufhin Donald Trump Jr. via Twitter. Weniger Bedenken hatte man bei dem Werbespot ganz offensichtlich bei NBC, wo der Clip am Sonntag in einer Pause des Football-Spiels zwischen Green Bay Packers und den New England Patriots zu sehen war. NBC muss sich seither viel Kritik anhören, insbesondere von vielen Medienschaffenden. Am Montagmorgen wurde der Druck schließlich so groß, dass NBC bekannt gab, den Spot nicht erneut zeigen zu wollen. Ein Sendersprecher erklärte, nach einer Überprüfung habe man die unsensible Machart erkannt. Auch Fox News und Facebook boykottieren die Werbung. In dem Clip ging es um eine Gruppe von mehreren tausend Mexikanern, die sich derzeit auf dem Weg in Richtung USA befinden. Dabei wurde der Eindruck vermittelt, dass alle diese Menschen kriminell seien. "America cannot allow this invasion. The migrant caravan must be stopped. President Trump and his allies will protect our border and keep our families safe. America's future depends on you. Stop the caravan. Vote Republican", heißt es aus dem Off.

Rainer Esser
© Die Zeit
Vor einigen Wochen hatte OMG-Chef Klaus-Peter Schulz für Schlagzeilen gesorgt, indem er erklärte, es sei nicht die Aufgabe der Kunden, bestimmte publizistische Verlagsangebote zu subventionieren, um deren Qualität zu stützen. Außerdem, so Schulz weiter, gebe es keinen belastbaren wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass Qualitätsmedien eine nachhaltig prägende Funktion in der Meinungsbildung hätten oder gar Meinungsvielfalt garantierten würden (DWDL.de berichtete). "Von den Unternehmen auch noch zu verlangen, sie sollten die Demokratien retten, ist völlig überzogen", so Schulz. Nun hat sich "Zeit"-Geschäftsführer Rainer Esser (Foto) in einem Interview mit "w&v" noch einmal zu diesen Sätzen geäußert. Spätestens jetzt, so Esser, müssten "wir alle aufwachen und uns unserer gesellschaftlichen Verantwortlich stellen". Esser: "Schauen Sie sich um: Draußen auf der Straße marschieren Nazis, in Chemnitz werden Menschen auf offener Straße gejagt, und in unseren Parlamenten krakeelt eine Partei, die unsere Demokratie, unsere Meinungsfreiheit und Vielfalt offen verachtet und eines der schrecklichsten Verbrechen, den Holocaust, verharmlost. Alle, insbesondere auch Unternehmen und ihre Marketingverantwortlichen, müssen Haltung zeigen, und viele tun das auch schon." In einer von Populisten aufgeputschten Gesellschaft mache es nicht nur keinen Spaß zu leben, es würden sich dort auch keine guten Geschäfte machen lassen.

Goldbach
© Goldbach
Unter dem Claim "Your Message is our Passion" hat der Vermarkter Goldbach seine Gesellschaften in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter einer einheitlichen Domain und Marke vereint. Die bislang kommunizierten Gesellschaftsnamen wie Goldbach Media oder Goldbach Audience fallen im Außenauftritt weg, bleiben aber als juristische Firmennamen bestehen. Künftig heißt es nur noch: Goldbach. Das Rebranding wurde von innen heraus mit den eigenen Mitarbeitern umgesetzt. Michi Frank, CEO der Goldbach Group, sagt: "Goldbach zeigt sich mit dem neuen Markenauftritt selbstbewusst, passioniert und kundenorientiert. Es freut mich, dass wir es unseren Kunden mit nur noch einer Website einfacher machen, sich in unserer Angebotswelt zurecht zu finden. Der Claim spiegelt wider, wer wir sind und wie wir Wertschöpfung betreiben."

ARD-Werbung SALES & SERVICES GmbH
© ARD-Werbung SALES & SERVICES GmbH
Die AS&S Radio hat in ihrer Studie "Qualitäts-Effekte" die Bedeutung von qualitativer Mediaplanung unterstrichen. Die Qualität von Radiokontakten in ihren unterschiedlichen Dimensionen sei demnach messbar und quantifizierbar und habe eine entsprechende Wirkung auf die Ergebnisse von Kampagnen. Mit der Studie will der Vermarkter vor allem die eigene Radioflotte stärken. So heißt es unter anderem, Radio-Kampagnen mit einem AS&S Radio-Anteil von 50 Prozent würden im Schnitt eine um 26 Prozent höhere Werbeerinnerung bringen als Kampagne mit einem Anteil von nur 25 Prozent. "Radio-Kampagnen mit einem Marktanteil von unter 30 Prozent mögen effizient eingekauft sein, sind aber nachweislich meist nicht so effektiv wie in ausgewogeneren Planungen", sagt AS&S Radio-Geschäftsführer Oliver Adrian. "Das aufgeräumte und glaubwürdige Umfeld der A&S Radio-Sender sorgt dafür, dass Werbung besser erinnert wird." Kritik muss der Vermarkter derweil weiter für sein neues Preissystem aushalten, das man für 2019 angekündigt hatte. Anders als bislang sollen die Preise nicht mehr von Montag bis Freitag sowie Samstag und Sonntag gelten. Die neuen Tarife umfassen die Tage Montag bis Mittwoch, Donnerstag und Freitag sowie Samstag und Sonntag. "Die neue Preisstruktur bildet die Leistung nicht ab", sagte JOM-Geschäftsführer Roland Köster bereits vor einigen Wochen. Nun legt er nach und sagt gegenüber "Meedia": "Die neue Preisstruktur orientiert sich an der Nachfrage, weniger an der Leistung. Das neue Preissystem erhöht zum einen den Planungsaufwand, was wiederum die Rentabilität des Mediums verschlechtert. Zudem schränkt die neue Preisstruktur die Planungsflexibilität des Mediums ein, was vor allem bei taktischen Kampagnen zum Nachteil werden kann."

Personalien

Stefan Barchfeld
© Zee.One
Der Nischensender Zee.One holt sich Verstärkung im Sales-Bereich: Stefan Barchfeld ist ab sofort neuer Head of Commercial/Sales bei der Zee.One-Mutter Asia TV GmbH. In dieser Funktion ist er für alle Umsätze der Gruppe im deutschsprachigen Raum sowie für die Werbezeitenvermarktung des Senders im TV und auf allen digitalen Plattformen verantwortlich. Barchfeld war zuletzt Geschäftsführer bei der Friseurkette Klier, hat aber auch schon viel Erfahrung in der Medienbranche. So war er zwischen 2010 und 2015 Director Strategy & Sales bei der Bauer Advertising KG. Hier steuerte er die regionalen Verkaufsbüros im In- und Ausland und bildete eine Schnittstelle zu Mediaagenturen und Werbekunden auf Führungsebene. Darüber hinaus arbeitete er als Vize-Vertriebschef bei MTV Central Europe in München und als Commercial Director bei NBC Universal Networks Deutschland. Bei ProSieben und kabel eins war er zudem nationaler Verkaufsleiter. Friederike Behrends, CEO Asia TV GmbH, sagt: "Mit Stefan Barchfeld haben wir einen äußerst erfahrenen Vermarktungsexperten gewonnen. Seine internationale Erfahrung, sein fundiertes medienübergreifendes Know-how sowie seine strategischen Fertigkeiten ergänzen unser Team hervorragend. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit ihm."

Was noch zu sagen wäre…

"Werbung für wertvolle Marken gehört in hochwertige redaktionelle Umfelder. Wer diesen offenbaren Zusammenhang leugnet, ist ein Depp oder arbeitet wissentlich gegen die Interessen seiner Kunden."
"Zeit"-Geschäftsführer Rainer Esser im "w&v"-Interview

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