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Media-Update vom 4. September

Kritik an OMG-Boss Schulz, Haribo künftig ohne Bully

 

OMG-Geschäftsführer Klaus-Peter Schulz sagt, es sei nicht die Aufgabe der Kunden, klassische Medien zu subventionieren, dafür wird er nun heftig kritisiert. Außerdem: WPP hat einen neuen Chef, Haribo will künftig ohne Promis werben und Sebastian Hupf hat einen neuen Job.

von Timo Niemeier
04.09.2018 - 12:58 Uhr

OMGVor ziemlich genau einem Jahr hat G+J-Chefin Julia Jäkel in einem Interview die deutsche Werbewirtschaft dazu aufgefordert, über Marketing-Investitionen bei Global Playern wie Facebook nachzudenken. Offen forderte sie mehr Geld für klassische Medienangebote (DWDL.de berichtete). Jetzt, ein Jahr später, hat sich Klaus-Peter Schulz, Geschäftsführer der Organisation der Mediaagenturen (OMG) in einem Gastbeitrag im "Horizont" dazu zu Wort gemeldet. Er konstatiert, dass die Medien- und Mediabranche "komplett im Umbruch" sei. "Und wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen", so Schulz, der damit auch Jäkels Aufruf meint. Es sei nicht die Aufgabe der Kunden, bestimmte publizistische Verlagsangebote zu subventionieren, um deren Qualität zu stützen. "Auch wenn sich ganze Generationen von Medienpolitikern darauf berufen: Bislang gibt es keinen belastbaren wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass Qualitätsmedien eine nachhaltig prägende Funktion in der Meinungsbildung hätten oder gar Meinungsvielfalt garantierten." Auch ein Vorstoß der EU-Kommission zur Bekämpfung von Online-Desinformation stößt dem OMG-Chef sauer auf: "Mal abgesehen davon, dass der Begriff der Desinformation völlig vage und nicht abgrenzbar ist gegenüber einem unberechtigten Eingriff in die Meinungsfreiheit, muss man sich fragen, warum hier die bisher funktionierenden Grundsätze zur publizistischen Verantwortung über Bord geschmissen werden sollen." Man brauche keine Kodexierung des Geschäfts, sagt Schulz. Werbe- und Mediaplanung funktioniere nach klaren Kriterien (Stichwort: Brand Safety), auch online sei das inzwischen so.

Thomas KochSchulz wird für seine Haltung aber auch heftig kritisiert. Werbeguru Thomas Koch etwa schreibt bei den Kollegen von "w&v", er sei "entsetzt" gewesen. Allein die Tatsache, dass die Schulz für seine Antwort an Jäkel ein Jahr Zeit ließ, sei eine "schallende Ohrfeige" für die Verlagschefin gewesen. Koch: "Die Mediaagenturen maßen sich demnach an, die Funktion bestimmter Medien für die Meinungsvielfalt in Frage zu stellen. Spätestens jetzt drehen sich reihenweise die Toten, die für journalistische Meinungsvielfalt gekämpft haben, im Grabe herum." Koch schreibt, es gehe bei Jäkels Appell um journalistische Vielfalt und um die Meinungsbildung durch Medien generell. Diese "gehören zu den Grundpfeilern unserer Gesellschaft". Ohne Qualitätsmedien wäre die Meinungsvielfalt dahin - "ohne sie ist unsere Gesellschaft verloren". Und für diese Gesellschaft, so Koch weiter, würden "wir alle" Verantwortung tragen. "Sie und ich, die Medien, alle Unternehmen des Landes. Dieser Verantwortung darf sich niemand entziehen, nicht einmal die Mediaagenturen." Auch Media-Impact-Geschäftsführer und Digital-Boss Carsten Schwecke widerspricht Schulz öffentlich und sagt, es sei sehr wohl die Aufgabe der Mediaagenturen, Verlagsangebote zu subventionieren. "Die reine Konzentration auf quantitative KPIs führt nämlich genau zu der Kurzfrist-Optimierung, bei der sich viele Werbungtreibende glücklicherweise gerade in einem Umdenkprozess befinden", so Schwecke.

Haribo, Bully und GottschalkSüßwarenhersteller Haribo verzichtet künftig auf prominente Testimonials. Mit Thomas Gottschalk und Bully Herbig hatte man in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zwei prägende Gesichter, damit soll nun Schluss sein. "Wir möchten vorerst mit Kampagnen ohne Testimonial arbeiten. Hierfür testen wir derzeit verschiedene Konzepte", sagte Haribo-Geschäftsführer Hans Guido Riegel gegenüber dem "Spiegel". Inzwischen erkläre sich die Marke von selbst, daher wolle man sich im Bereich Werbung neu aufstellen. Der aktuelle Vertrag mit Herbig läuft noch bis Ende des Jahres.

AS&SDas vor rund einem Monat angekündigte, überarbeitete Buchungssystem der ARD-Werbung wurde von Dentsu Aegis Network nun in Betrieb genommen. Die Mediaagentur ist damit die erste, die auf das neue System zurückgreift. Die ARD-Werbung will Werbungtreibenden die Buchung von TV-Werbung im Ersten damit künftig leichter machen. Die Kunden können sich über die neue Schnittstelle schnell einen Überblick über freie Werbezeiten verschaffen und dort auch direkt buchen. "Wir begrüßen die Investition und Weiterentwicklung der AS&S sehr, die auf die permanente Prozessoptimierung und Verbesserung der Arbeitsabläufe in unserer Agentur einzahlt", sagt Isabel Dickenscheid, Head of Planning & Implementation TV bei Dentsu Aegis Network. "Die direkte Anbindung von CLASS an unser Agentursystem trägt einen weiteren Schritt zur Automatisierung von Standardprozessen bei. Wir freuen uns, dass dieses Projekt in Zusammenarbeit mit AS&S zum Erfolg geführt hat", ergänzt Sabine Goßmann-Krüger, Director Media Applications & Processes, Dentsu Aegis Network.

GeldscheineWeniger gut weg kommt die ARD-Werbung bei ihrem neuen Radio-Preissystem. Das hatte man vor wenigen Wochen angekündigt. Knapp zusammengefasst lässt sich sagen: Anders als bislang sollen die Preise nicht mehr von Montag bis Freitag sowie Samstag und Sonntag gelten. Die neuen Tarife umfassen die Tage Montag bis Mittwoch, Donnerstag und Freitag sowie Samstag und Sonntag. Man reagiere damit auf die hohe Nachfrage der Werbungtreibenden zum Wochenende hin, erklärte AS&S-Radiochef Oliver Adrian. Werbungtreibende und Agenturen fürchten nun höhere Kosten. "Die neue Preisstruktur bildet die Leistung nicht ab", sagt etwa Roland Köster, JOM-Geschäftsführer, gegenüber "Horizont". "Unterm Strich steht vermutlich eine Preiserhöhung", befürchtet auch Omnicom-Manager Jörg Brandt. Die Änderung des Preismodells erfolgt nicht auf Basis gestiegener Radionutzung, sondern lediglich wegen der besseren Auslastung des Inventars. Die Audio MA bildet nach wie vor nur die Nutzung von Montag bis Freitag, sowie zusätzlich Samstag und Sonntag, ab. Noch können Kunden und Agenturen mit AS&S über das neue Modell diskutieren: Die konkreten Tarife sollen erst Ende September angekündigt werden.

Personalien

Mark ReadDie globale Werbeholding WPP hat einen Nachfolger für den im April zurückgetretenden Chef Martin Sorrell gefunden. Mark Read ist neuer CEO des Konzerns, er führte das Unternehmen nach dem Abgang Sorrells interimistisch zusammen mit Andrew Scott. Dieser bleibt unter Read COO. "Wir haben ein strenges Auswahlverwahren durchgeführt und interne sowie externe Kandidaten bewertet. Dieser Prozess hat keinen Zweifel daran gelassen, dass Mark der richtige Anführer für dieses Unternehmen ist", sagt Chairman Roberto Quarta. Am heutigen Dienstag hat WPP zudem seine Halbjahreszahlen veröffentlicht und einen Ausblick auf die kommenden Monate gegeben - und die Anleger damit verschreckt. Zwar soll der Umsatz leicht steigen, die operative Gewinnmarge aber soll aufgrund des Konzernumbaus sinken. Die WPP-Aktie verlor an der Londoner Börse zeitweise mehr als sieben Prozent an Wert und gehörte zu den größten Verlierern.

Sebastian HupfDer ehemalige GroupM-Manager Sebastian Hupf hat einen neuen Job, er heuert beim Ad-Tech-Giganten Sizmek an. Dort agiert er ab Oktober Managing Director für den DACH-Raum. Hupf wurde Anfang des Jahres Chef der neuen GroupM-Agentur Wavemaker, musste seinen Posten aber schon nach acht Wochen räumen. Im Juni folgte dann die endgültige Trennung vom Konzern. "Durch seine Erfahrung auf Agenturseite versteht er die Bedürfnisse unserer Kunden ganz genau und kann ihnen die KI-gestützten Lösungen für ihr Datenmanagement sowie ihre Kreation und Mediaplanung zur Verfügung stellen, nach denen sie suchen", sagt Sizmek-CEO Mark Grether. Hupf ergänzt: "Es gibt kein Unternehmen am Markt, das derzeit besser aufgestellt wäre als Sizmek, um genau das zu liefern, was Agenturen und Brands sich wünschen: Transparenz, Effizienz und Kontrolle über ihre Daten."

Armin FränklArmin Fränkl leitet ab sofort den zentralen Einkauf aller Publicis-Media-Agenturen, das hat die Unternehmensgruppe nun angekündigt. Fränkl ist damit ab sofort Geschäftsführer von Publicis Media Exchange, hier hat Publicis seinen Mediaeinkauf gebündelt. Er folgt damit auf Susanne Wallraff, die nach fünf Jahren ihren Posten räumt, aber im Unternehmen bleiben soll. Sie wird sich um die Steuerung des Investmentsbereichs der Publicis Media Exchange für die Region EMEA kümmern. Armin Fränkl kommt von Novartis, wo er sieben Jahre in unterschiedlichen Funktionen tätig war, zuletzt im Global Marketing und Sales Procurement. Zuvor arbeitete er bei Siemens und Sixt, ebenfalls vornehmlich in Einkauf und Einkaufscontrolling. Petra Gnauert, COO DACH, sagt: "Kunden, Vermarkter, Agenturen und Auditoren müssen sich der digitalen Transformation stellen und neue Mechanismen des Zusammenspiels erarbeiten. Wir sehen große Herausforderungen auf das Fernsehen zukommen, allerdings sind auch die anderen Gattungen von der Transformation betroffen. Wir danken Susanne für ihre hervorragenden Leistungen der vergangenen Jahre und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit ihr in ihrer neuen Rolle. Armin haben wir als Ansprechpartner auf Kundenseite sowohl fachlich, als auch persönlich schätzen gelernt. In der neuen Position wird er auf den Leistungen seiner Vorgängerin aufbauen, aber auch seine eigenen Erfahrungen und seinen speziellen Blickwinkel einbringen."

Was noch zu sagen wäre...

"OMG - Eure Abkürzung ist Programm."
Werbeguru Thomas Koch über die umstrittenen Aussagen von OMG-Chef Schulz

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