Foto: Cover © Cover
Fragwürdiges Konzept

Blattkritik: Spieleheft "Play Vanilla" enttäuscht

 

Nach langer Ankündigung liegt es am Kiosk: "Deutschlands erstes Spielemagazin für Sie". DWDL.de hat das PC- und Videospielemagazin für Frauen unter die Lupe genommen.

von Thomas Lückerath
09.04.2007 - 14:15 Uhr

Foto: CoverAuf 148 Seiten im Pocket-Format will "Play Vanilla" aus dem Hause Computec Media das Thema PC-, Video- und Handyspiele für eine neue Zielgruppe aufbereiten: Frauen. Offenbar ein Trendthema nachdem mehrere Konsolenhersteller ihre Geräte in weiteren Farben auf den Markt brachten, um so neue Käuferinnen zu finden.
 
So ist die Sony PSP in weiß und der Nintendo DS Lite sogar in pink erhältlich. Leider ist die Zielgruppenansprache bei "Play Vanilla" genauso plump geraten wie bei den Konsolenherstellern: Reicht allein eine pinke Konsole um Frauen für das Gaming zu begeistern und einen neuen Markt nachhaltig zu erschließen? Ist eine Spielezeitschrift mit Fragestellungen wie "Wie finde ich das Spiel, das zu mir passt?" wirklich mehr als der Griff in die zu erwartende Klischeekiste?

So überraschen die Themen der 1,90 Euro teuren Erstausgabe von "Play Vanilla" kaum. Und mit dem so allgemeinen Titelthema "69 trendige Spiele ... für zwischendurch ...für unterwegs ...für einen spaßigen Abend" bleibt die Frage offen, mit was man bei Ausgabe 2 das Cover füllen will. Das Heft wirkt von der ersten Seite an zu bemüht.
 
Ausführlich wird erklärt, was "Play Vanilla" sein will. Aus der vom Verlag vermittelten Selbstverständlichkeit die hinter der Idee des Heftes stecke, wird auf den ersten Seiten von "Play Vanilla" ein Vorhaben, dass offenbar intensivster Erklärung bedarf. Prominente Frauen müssen her, um die Botschaft "Frau spielt jetzt" zu verbreiten.
 


Auf den folgenden Seiten wird die Schwierigkeit des ganzen Projekts sehr offensichtlich: Eingeteilt in die Rubriken "Short Play", "Happy Hour", "Ladies Night" und "Shopping Guide" schwankt "Play Vanilla" zwischen Berichten wie in jedem bereits erhältlichen Spielemagazin auf der einen und fehlplatzierten Shoppingtipps oder Accessoire-Ratgeber auf der anderen Seite. Überhaupt stellt sich die Frage ob man mit der ausgiebigen Berichterstattung über kurzweilige Handygames und simple Puzzle- und Geschicklichkeitsspielchen nicht genau das Gegenteil dessen erreicht, was "Play Vanilla" eigentlich will: Die Frau als Zielgruppe ernstnehmen.

Die Themen sind teilweise hart an der Schmerzgrenze: Abnehmen mit Nintendos neuer Spielkonsole Wii? Welches Möbelstück passt zur Playstation 3? Das kann nicht ernst gemeint sein. Und so musss man festhalten: Die ehrenhafte Absicht sich dem Spielemarkt von einer neuen, frischen Seite zu nähern ist mit "Play Vanilla" in den Sand gesetzt geworden.
 
Die zwanghafte Abgrenzung zur bekannten Berichterstattung über PC- und Videospiele drängt "Play Vanilla" und seine Leserinnen so unnötig in eine Ecke, in der die interessierte Spielerin noch viel schlechter aufgehoben ist als bei den bestehenden Magazinen. Vielleicht sollte man nicht nach Geschlecht sondern Interesse unterscheiden: Ein Casual Gaming-Magazin für Frau UND Mann wäre das intelligentere Konzept gewesen.

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