"Geld schießt keine Tore", besagt eine alte Fußball-Floskel. Sie wird immer dann bemüht, wenn ein teuer eingekaufter Stürmer einfach nicht trifft, auch wenn das von ihm erwartet wird. Von einem "Fehlkauf" ist dann schnell die Rede, und wenn's richtig schlecht läuft, gar von einem "Flop". Dennoch gilt: Wer viele Spitzenspieler verpflichtet, hat bessere Karten, die Meisterschaft zu gewinnen.

Wollte man dieses Bild auf die derzeit großflächig gesendete TV-Berichterstattung zur Fußball-Weltmeisterschaft übertragen, dann muss man unweigerlich zu dem Schluss kommen, dass die Telekom die besten Spieler auf dem Platz hat. Mit einem bemerkenswerten Aufgebot ist MagentaTV derzeit bei der WM in den USA, Kanada und Mexiko am Start und lässt ARD und ZDF ziemlich alt aussehen. Zwar spulen die Öffentlich-Rechtlichen ihre Sendungen routiniert ab, doch wenn Esther Sedlaczek und Bastian Schweinsteiger ihr Zwiegespräch vor einer einzigen Kamera aufführen oder die ZDF-Expertenriege im weit entfernten Berliner Hauptstadtstudio auf einer Art Wettcouch vor mäßig motivierten Claqueren sitzt, dann ist wenig zu spüren von den Emotionen, die ein solches Großturnier für gemeinhin mit sich bringt.

Bereits am ersten Tag der WM legte MagentaTV die Latte hoch und ließ Moderator Johannes B. Kerner, Trainer-Legende Jürgen Klopp und Weltmeister Thomas Müller vor der beeindruckenden Kulisse des Aztekenstadions in Mexiko City fachsimpeln und kalauern. Und wer das Trio mit seinen locker sitzenden T-Shirts da stehen sah, erkannte sofort: Da haben drei Männer richtig Bock auf diese Turnier. Natürlich waren da nicht die scharfen Worte, mit denen Ex-Bundesliga-Trainer Streich die Machenschaften von Trump und Infantino anprangerte. Dafür aber lieferten Kerner, Klopp und Müller von Beginn an bestes Entertainment, das selbst den Unterhaltungswert mancher Spiele in den Schatten stellte.

Für die Telekom, die sämtliche Übertragungsrechte an der auf über 100 Spiele aufgeblasenen Weltmeisterschaft hält, ist das ein echter Glücksfall. Dank maßgeschneiderter Verbreitung über sämtliche Social-Media-Kanäle sind die Magenta-Männer allgegenwärtig – und liefern noch dazu massentaugliche Schlagzeilen, wie die Debatte um Klopps inzwischen berühmt-berüchtigte "Noch"-Aussage über den Bundestrainer eindrucksvoll vor Augen führte. Keine Frage: So auffällig wie in diesem Jahr waren die Übertragungen von MagentaTV noch nie.

Tatsächlich hat die Plattform auch in den vergangenen Jahren schon Welt- und Europameisterschaften übertragen und damit eine durchaus gute Figur gemacht. Verglichen mit der derzeitigen WM-Berichterstattung, in der auch Laura Wontorra und Mats Hummels eine gute Figur abgeben, erinnern die bisherigen Bemühungen allerdings wie ein schüchtern absolviertes Warm-Up. In diesem Jahr hingegen wirkt MagentaTV nicht bloß wie die nette Anlaufstelle, wenn ARD und ZDF gerade mal keine Spiele zeigen. Nein, MagentaTV hat sich in die Pole Position katapultiert und lässt die Öffentlich-Rechtlichen ziemlich alt aussehen.

Natürlich sind die Vergleiche auch ein Stück weit unfair. Auf der einen Seite die alteingesessenen Sender, die unter einem zunehmenden Spardruck leiden, dort der Weltkonzern, für den die Weltmeisterschaft ein riesiges Marketingtool zur Bewerbung seines TV-Angebots darstellt. Da kommt es erkennbar auf ein paar Euro mehr oder weniger nicht an.

Dabei führt die Telekom aber letztlich nur auf die Spitze, wozu auch die jahrzehntelangen Platzhirsche einmal imstande waren. 20 Jahre ist es her, dass das ZDF das Duo Kerner und Klopp gewissermaßen erfand. Schon im Jahr des "Sommermärchens" schaffte es Klopp, damals noch mäßig erfolgreicher Trainer des Bundesliga-Neulings Mainz 05, sich bei den Fußball-Fans einen gewissen Kultstatus zu erquatschen. Gegen seine flapsige Art, verbunden mit starken Analysen am Touchscreen, wirkte das ebenso kultige ARD-Duo Netzer und Delling plötzlich ziemlich aus der Zeit gefallen. Was folgte, war erst ein Fernsehpreis und schließlich eine Weltkarriere.

Freilich, der Jürgen Klopp von heute ist, inzwischen ausgestattet mit viel Macht im Red-Bull-Reich, ein anderer Jürgen Klopp als zu Zeiten der Heim-WM. Wenn er jetzt in den Stadien der Weltmeisterschaft steht und seine Meinung zu Spielern und Aufstellungen kundtut, dann ist die öffentliche Wahrnehmung weit größer als sie es damals war. Das verschafft den Magenta-Übertragungen bei aller Albernheiten, die sich im Zusammenspiel mit Kerner und Müller ergeben, jene Fallhöhe, die in der Vergangenheit noch fehlte. Oder um es in der Fußballsprache auszudrücken: Die Telekom hat sich im Sturm massiv verstärkt und beweist: Geld schießt eben doch Tore.