Am 1. Juni war „Legal Day One“, jener Tag ab dem man bei RTL Deutschland und Sky Deutschland auch offiziell miteinander sprechen durfte, am heutigen 7. Juli ist nun „Company Day One“ im Unternehmen, bevor ab August das um Sky verstärkte RTL Deutschland dann auch nach außen im Markt als neuer Player auftreten will. Heute aber sei es erst einmal der Tag für die Teams. Der Wunsch der neu aufgestellten Geschäftsführung: In Unterföhring und Köln sollen die Mitarbeitenden feiern. Und zwar so richtig: Für Mittwochmorgen einfach mal keine Termine machen, so der vorab verbreitete interne Vorschlag von oben. Damit man heute ausgelassen auf die neue Ära anstoßen könne.
Die steht zweifelsohne bevor, noch jedoch sind sich im Haus einige nicht sicher, was sie davon halten sollen. Es ist ein zügiger Zeitplan, der gerade bei RTL Deutschland umgesetzt wird. Für dessen Vorbereitung blieben auch fast zehn Monate Zeit zwischen der Ankündigung der Übernahme im Juni vergangenen Jahres und dem grünen Licht der EU-Kommission im April diesen Jahres. Intern wie extern läuft seit dem „Go“ aus Brüssel eine wohl orchestrierte Kommunikation an. Mit der News aus Brüssel die ersten Interviews mit wohl überlegten Talking Points - etwa mehr Bundesliga im Free TV, fürs Publikum. Und die Sicherung europäischer Mediensouveränität, für die Medienpolitik.
Das Wochenende nach dem „Legal Day One“ machte man zum Super-Sport-Wochenende - und einer Demonstration der gemeinsamen Auswertungsmöglichkeiten. Das Screenforce Festival in der vergangenen Woche: Der erste öffentliche Aufschlag des neuen RTL Deutschland - vor Ort in Düsseldorf fürs Fachpublikum, aber auch mit schnellen Schnitten und energischem Enthusiasmus für Social Media aufbereitet. Ein Gesamtbild, das danach schreit, als maximal dynamisch wahrgenommen zu werden. Und Bewegung im deutschen Markt, in dieser Größenordnung, ist eine spannende Entwicklung.
Gerade deshalb schaut man genauer hin, gerade deshalb stellen sich noch viele Fragen. Dass ist bei einem Umbau dieser Größenordnung doch nicht verwunderlich, heißt es - wenn man in diesen Tagen führenden Köpfen im Unternehmen spricht. Das allein beruhigt allerdings noch nicht. Intern etwa, wo die obersten Führungsstrukturen zwar sortiert wurden und damit verbunden auch schon einige Abgänge bekannt sind. Das kann es, so die Sorge in Teilen der Belegschaft, angesichts der erklärten Synergie-Effekte und dem Abbau von Doppelstrukturen, noch nicht gewesen sein.
Aber nicht nur intern stellen sich Fragen, auch extern: Was macht RTL Deutschland nun mit dem Sky Stream-Geschäft? Selber TV-Provider zu sein, sei für RTL Deutschland keine Priorität - hört man aus dem Unternehmen. Naheliegend wäre ein Verkauf des Provider-Geschäfts etwa an den wichtigen Partner Deutsche Telekom, dessen Magenta TV man sonst aktiv Konkurrenz machen würde. Auf die vielen Marken des Unternehmens angesprochen, erklärte CEO Stephan Schmitter in ersten Interviews nach dem Go aus Brüssel, mit RTL+, Sky und Wow im Streaming zum Start dreigleisig fahren zu wollen. Doch wie will man gleich drei Pay-Marken positionieren und wie effizient ist es, für drei Marken Aufmerksamkeit kreieren zu müssen? Man könnte denken, Wow wäre verzichtbar - soll aber in Österreich sogar neu eingeführt werden.
Eines der größten Fragezeichen unter Sky-Abonnent*innen: Was ist bei diesem Merger eigentlich der Mehrwert für die hochpreisig zahlende Kundschaft? Mehr Bundesliga bei RTL klingt gut für die, die bisher nicht teuer dafür bezahlen. Eben diese jedoch fragen sich: Sinkt nicht der Wert des eigenen Abos, wenn immer mehr von Sky auch via RTL oder RTL+ ausgewertet wird? Sind als Ausgleich Oktagon, NFL und Europa League ein überzeugender Mehrwert? Wenn dann allein für Sport-Abonnent*innen. Wie sieht die Programmstrategie für Sky darüber hinaus aus? Dafür kam das Screenforce Festival vermutlich ein paar Wochen oder Monate zu früh.
Und dann gibt es noch eine nachgelagerte Frage beim großen RTL/Sky-Spektakel: Wenn man im Unternehmen, bei den Präsentationen und auf den Plakaten - quasi überall - gerade den Zusammenschluss dieser beiden Marken sieht: Welche Rolle spielt in der um Sky und Wow erweiterten Markenwelt künftig noch Vox? RTL und Vox - das war 25 Jahre ein fixes, aufeinander abgestimmtes Duo. Noch vor wenigen Jahren eine Marke mit dem Anspruch auf Angriff. Der Sprung in die erste Liga. Das Duell mit Sat.1. Und jetzt ist Vox eine endliche, lineare Marke?
Fünf Jahren nachdem man bei RTL mit dem Großprojekt „RTL United“ die Markenarchitektur vereinfachen wollte, um sich zu fokussieren, hat das um Sky und Wow gewachsene RTL Deutschland jetzt neben der Unternehmensstruktur auch wieder eine Vielzahl an Marken zu koordinieren. Gut, das hat man auch früher schon geschaukelt. Neu ist allerdings die Frage, ob bei dem heiteren Programme- und Sportrechte-Verschieben - oder gleich von vornherein geplanten Doppelauswertungen - am Ende identifizierbare, unterscheidbare Absendermarken erhalten bleiben.
Es gibt also viel zu tun. Heute aber soll erstmal gefeiert werden in Köln und Unterföhring. Möge der Kater nicht zu schlimm werden.
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