Saxonia Media erhält einen neuen Mehrheitsgesellschafter. Die Produktionsfirma hinter Serien wie "In aller Freundschaft", "In aller Freundschaft - Die jungen Ärzte", "Schloss Einstein", "WaPo Bodensee" oder auch "Frieda - Mit Feuer und Flamme" gehört künftig zu 51 Prozent zu MDR Media, bislang hielt der kommerzielle Arm des MDR 49 Prozent am Unternehmen. Die Anteilsaufstockung wird möglich, weil der bisherige Mehrheitsgesellschafter Bavaria Film die Prozente abgibt. Künftig hält Bavaria 49 Prozent an der Produktionsfirma. 

Die neue Gesellschafterstruktur ist bereits in der Mai-Sitzung des MDR-Rundfunkrats Thema gewesen, die Kollegen von "Flurfunk Dresden" berichteten darüber. Die neuen Machtverhältnisse bei Saxonia Media wurden aber kaum wahrgenommen. Grund dafür ist etwas anderes, das auf der Rundfunkratssitzung besprochen wurde: Die dreijährige Produktionspause für "Tatort" und "Polizeiruf", die der MDR ausgerufen hat (DWDL.de berichtete). 

Zur Erinnerung: Weil der Rundfunkbeitrag nicht wie von der KEF empfohlen angehoben wurde, steckt der MDR finanziell in der Klemme. Daher hatte man vor einigen Wochen einige Einschnitte im Programm angekündigt. Neben der Krimi-Pause traf es auch "MDR um 2" und das "Mittagsmagazin", das man nach wenigen Jahren an den NDR abgeben will. 

Speziell die geplante Pause bei "Tatort" und "Polizeiruf" sorgte für große Aufmerksamkeit - und Unmut bei den betroffenen Produktionsfirmen. Die UFA hatte über ihre Tochter UFA Mitte gerade erst eine Ausschreibung für die Produktion des Magdeburger "Polizeiruf" gewonnen - und wird nun nur einen Krimi herstellen, dann greift die dreijährige Unterbrechung. Der "Tatort" aus Dresden kommt von MadeFor. Die Verantwortlichen äußerten sich entsprechend kritisch zu den Plänen des MDR

Schiefe Optik für den MDR

MDR Media und Bavaria Film bestätigen den geplanten Anteilswechsel bei Saxonia Media gegenüber DWDL.de in einer gemeinsamen Erklärung. "Die Gremien der MDR Media GmbH und der Bavaria Film GmbH haben gemeinsam beschlossen, die Gesellschafteranteile an der Saxonia Media GmbH neu zu strukturieren", heißt es. Das Verhältnis bleibt demnach 51 zu 49 Prozent, wobei MDR Media künftig eben die 51 Prozent halten soll. Man befinde sich aktuell noch in konstruktiven Gesprächen zu den Details. Die Anteilsverschiebung steht außerdem noch unter dem Vorbehalt der vertraglichen Umsetzung, so die beiden Unternehmen. "Im Anschluss werden wir detailliert berichten."

Und so bleibt vorerst unklar, wer die Anteilsverschiebung forciert hat und wieso sie gerade jetzt erfolgt. Für den MDR kommt die Nachricht jedenfalls zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt: Gerade erst hat man zwei unabhängigen Produktionsfirmen erklärt, dass sie drei Jahre lang keine neuen Krimis umsetzen dürfen - und dann übernimmt man plötzlich selbst die Mehrheit an einem Unternehmen, das viel für die ARD bzw. die öffentlich-rechtlichen Sender produziert. Das dürfte den Unmut bei den Produzentinnen und Produzenten - weit über die UFA und MadeFor hinaus - noch verstärken. 

Unabhängige Produktionsfirmen, die nicht den Öffentlich-Rechtlichen zuzuordnen sind, beklagen regelmäßig das ziemlich breite Firmengeflecht von ARD und ZDF - und dass die Produktionsfirmen im Einfluss dieser Sender ihnen die Aufträge wegnehmen, weil ARD und ZDF gerne ihre eigenen Töchter beauftragen.

Wie ist es um die Solidarität innerhalb der ARD bestellt?

In dieser schon lange andauernden Auseinandersetzung ist die Mehrheitsübernahme von Saxonia Media durch MDR Media eine weitere Angriffsfläche für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Ob sich am Ende tatsächlich viel verändert, muss sich erst noch zeigen. MDR Media war bislang nicht nur mit 49 Prozent an der Produktionsfirma beteiligt, sondern hält nach wie vor auch 16,64 Prozent an Bavaria Film. Weitere Bavaria-Gesellschafter sind die WDR Mediagroup, SWR Media, eine privatwirtschaftliche BR-Tochter sowie über die LfA Förderbank auch der Freistaat Bayern. 

Auch ARD-intern hatte der MDR in den zurückliegenden Wochen mit der angekündigten Produktionspause von "Tatort" und "Polizeiruf" viel Staub aufgewirbelt. Ein Insider aus dem Umfeld der ARD kritisiert im Gespräch mit DWDL.de, dass der MDR zwar Solidarität von der ARD einfordere, die Solidarität auf dem Sendeplatz am Sonntagabend durch die Entscheidung, die Krimis zu pausieren, aber gekündigt habe. Zur Wahrheit gehört aber freilich auch, dass der MDR stärker als andere ARD-Anstalten von der Nicht-Erhöhung des Rundfunkbeitrags betroffen ist. 

In öffentlichen Statements versuchten MDR-Intendant Ralf Ludwig oder auch Programmdirektor Boris Lochthofen zuletzt den Eindruck wegzuwischen, dass es innerhalb der ARD ein wie auch immer geartetes Zerwürfnis gebe. "Wir führen innerhalb der ARD konstruktive Gespräche und es ist nicht so, dass es ein Versagen von Solidarität gibt", erklärte beispielsweise Boris Lochthofen im DWDL.de-Interview. Beim MDR will man perspektivisch aber trotzdem einen neuen ARD-Finanzausgleich - mit einem solchen Vorhaben macht man sich in der Arbeitsgemeinschaft, und traditionell bei den großen Häusern, nicht überall Freunde. 

Viele Veränderungen bei Bavaria

In dieser durchaus komplexen Gemengelage darf man aber auch nicht aus dem Auge verlieren, was seit rund einem Jahr bei Bavaria Film passiert. DWDL.de berichtete bereits im Sommer 2025 darüber, dass sich die Bavaria eine neue Struktur verpassen will. Aus vier Geschäftsbereichen sollen zwei werden. Neben der Content-Unit, in der man die Beteiligungen an Produktionsfirmen (Bavaria Entertainment, Bavaria Fiction, Satel Film, Saxonia Media, Story House) gebündelt hat, gibt es künftig nur noch das Studio- und Immobiliengeschäft. Beide Teile sollen als eigenständige Unternehmen agieren. 

Die bisherige Bavaria Film als integriertes Unternehmen wird es dann nicht mehr geben. Das Immobilien- und Studio-Business wird künftig von Christian Franckenstein geführt, um die Content-Unit kümmert sich Julia Reuter. Das Unternehmen, das die Immobilien und Studios verantworten wird, könnte perspektivisch auch neue Gesellschafter erhalten. Schon im vergangenen Jahr kündigte die Bavaria an, sich nach neuen Investoren umsehen zu wollen. 

Das könnte zur Folge haben, dass sich einige der aktuellen Gesellschafter aus diesem Geschäftsbereich zurückziehen. Noch gibt es hier aber keine neuen Entwicklungen. "Für den Immobilienbereich halten wir jetzt nach Investoren Ausschau, die Suche läuft, ein Makler ist beauftragt, die Vermarktung startet im Sommer", sagte Bavaria-Geschäftsführer Christian Franckenstein vor wenigen Wochen in der "Süddeutschen Zeitung". Er unterstrich damals auch die Notwendigkeit von Investitionen zur Modernisierung des Standorts. Bei der derzeit allgemein eher trüben Wirtschaftslage dürfte es angesichts dessen eine Herausforderung werden, finanzstarke Investoren zu finden. 

Und im Content-Bereich? Da wurde schon vor einem Jahr über mögliche Konsolidierungen spekuliert. Dass man nun die Mehrheit an Saxonia Media an MDR Media abgibt, kann als ein Schritt zu eben dieser Konsolidierung gesehen werden. Künftig muss man die Geschäfte der Produktionsfirma nicht mehr in der eigenen Bilanz abbilden. Wieso das aus Bavaria-Sicht erstrebenswert ist und was MDR Media von der Mehrheitsübernahme hat - außer der schon beschriebenen schiefen Optik - bleibt vorerst unklar, weil sich die Betroffenen nicht zur Sache äußern wollen.