Paramount © IMAGO / Zoonar
Man kann nicht behaupten, dass in den zurückliegenden Monaten zu wenig über Paramount und die Ellison-Familie geschrieben wurde. Wie der erst im vergangenen Jahr durch die Übernahme von Skydance frisch geformte Konzern den Konkurrenten Netflix im Rennen um die WBD-Übernahme ausgebootet hat, hat die Branche über Wochen hinweg bewegt. Dass Paramount Skydance 111 Milliarden Dollar für die Übernahme hinblättern will, sorgte jedoch auch für Stirnrunzeln. Sollte sich der Vollzug der Transaktion verzögern, drohen weitere Kosten: Paramount Skydance muss ab Oktober wohl rund 6,9 Millionen Dollar zahlen - pro Tag, an dem der Deal nicht abgeschlossen ist.   

Und tatsächlich ist der Deal alles andere als in trockenen Tüchern: Gleich mehrere US-Bundesstaaten haben Widerstand angekündigt. Von den Bundesbehörden kann Paramount dagegen Unterstützung erwarten. Das liegt auch daran, weil vor allem der Vater von Paramount-Boss David Ellison, Oracle-Mitgründer Larry Ellison, eine enge Beziehung zu US-Präsident Donald Trump pflegt. Das US-Justizministerium hat dem Deal bereits zugestimmt (DWDL.de berichtete). 

Im Zuge dieser Ereignisse ist in den zurückliegenden Wochen unter den Tisch gefallen, dass Paramount zuletzt auch aggressiv in Inhalte investierte - und das trieb durchaus kuriose Blüten. Im November sicherte sich der US-Konzern überraschend die Champions-League-Rechte - und das sowohl für Deutschland als auch für Großbritannien. Ab der Saison 2027/28 sollen die meisten Spiele der Königsklasse bei Paramount+ zu sehen sein, hieß es damals. Bis heute gibt’s dazu aus gutem Grund keine weiteren Informationen: Bei Paramount hatten sie durch die angestrebte WBD-Übernahme zuletzt Wichtigeres zu tun. 

Der Erwerb der CL-Rechte kam im November 2025, übrigens kurz vor der Übernahmeschlacht mit Netflix rund um WBD, ziemlich überraschend, ist Paramount+ doch bislang nicht nur nicht für Sport-Übertragungen bekannt. Der Streamingdienst fristet hierzulande ein allgemein eher tristes Dasein. Nach einem starken Aufschlag zu Beginn mit vielen Eigenproduktionen, zog man sich aus diesem Bereich schnell zurück. Mittlerweile setzt man vor allem auf die großen US-Franchises wie "Yellowstone" oder auch "Dutton Ranch". Eine der wenigen Ausnahmen im Bereich der Eigenproduktionen ist die Reality "Germany Shore". 

Ein Gerücht macht die Runde...

Bei der Champions League hat man nun unter anderem den derzeitigen Rechte-Inhaber DAZN ausgestochen. Wie viel Paramount für die Rechte bezahlt hat, ist nicht bekannt. Dem Vernehmen nach haben die US-Verantwortlichen aber tief in die Taschen gegriffen. Und doch gab es in der Branche zuletzt Spekulationen darüber, wie Paramount die Rechte überhaupt nutzen wird. Ein Gerücht geht so: Paramount könnte die Rechte an der Fußball-Königsklasse zumindest für eine gewisse Zeit lang sublizenzieren, um mehr Zeit zu erhalten, die eigene Berichterstattung auf Schiene zu bringen. 

Der Gedanke ist nicht völlig abwegig: Paramount hat bislang noch überhaupt keine Details zu den Übertragungen oder zum Konzept veröffentlicht. Nach dem Abgang von Deutschlandchef Till Weidemüller im Jahr 2023 gab es außerdem keine Nachfolge, auch Mark Specht verließ damals das Unternehmen. Die Folge war ein massiver Brain Drain im deutschsprachigen Raum. Man wandte sich damals ab von einer geografisch organisierten Struktur und veränderte sich in der Führung, die sich an Geschäftssegmente anlehnte. 

Doch jetzt stellt sich ganz konkret für Deutschland (und Großbritannien) die Frage: Wie werden die Champions-League-Rechte genutzt? Und wer entscheidet das überhaupt? Die VIMN Germany GmbH, über die das Deutschlandgeschäft von Paramount heute läuft, wird von Michael Keidel und Olivier Jollet geführt. Also dem Vice President Ad Sales, Affiliate & Streaming Partnerships in Northern, Central & Eastern Europe (Keidel) und dem Chef von Pluto TV (Jollet).

"CL-Rechte könnten auf den Prüfstand kommen"

Dass das deutsche Team von Paramount eher nichts mit dem Erwerb der Champions-League-Rechte zu tun hatte, ist relativ eindeutig. Als die Nachricht sich im November 2025 Bahn brach, war man bei Paramount in Deutschland offenbar selbst überrascht und nicht handlungsfähig: Eine Pressemitteilung zum Rechteerwerb hat es nie gegeben. Bis heute verweist man auf eine entsprechende Mitteilung der zuständigen Rechteagentur. Immerhin: Beim Screenforce Festival machte man die Champions League jüngst zum Thema. 

In dieser Gemengelage war es das "Wall Street Journal", das vor wenigen Tagen einen Artikel über die bevorstehende WBD-Übernahme durch Paramount Skydance veröffentlichte. Darin wies man auch darauf hin, dass der neue Konzern nach der erfolgten Übernahme 80 Milliarden US-Dollar Schulden haben würde. "Eine Belastung, die Entscheidungen über Ausgaben für Inhalte und Investitionen in Streamingdienste bis hin zum Nachrichtengeschäft und zu Sportrechten beeinträchtigen könnte", hieß es in dem Text. 

François Godard, Medienanalyst bei Enders Analysis, nahm den "WSJ"-Artikel zum Anlass für eine Analyse. Er verwies auf den kürzlich abermals eingebrochenen Paramount-Aktienkurs und erklärte, der Konzern werde Kosten senken müssen. "Die Übertragungsrechte für die UEFA Champions League in Großbritannien und Deutschland könnten auf den Prüfstand kommen", schrieb Godard. 

Paramount weicht auf Anfrage aus

Und der Medienanalyst ging sogar noch etwas weiter - und zeigte ein mögliches Exit-Szenario für Paramount auf. Godard schreibt, Paramount habe die Champions-League-Rechte zu "überhöhten Preisen" erworben. Die Strategie werfe Fragen auf, weil Paramount+ in Deutschland (auch preislich) anders positioniert sei als ein Sport-Streamer. Sollte Paramount die CL-Rechte also wirklich behalten wollen, wird es wohl ziemlich sicher zu einer Preiserhöhung kommen. Laut Godard könnte Paramount die Rechte in Großbritannien an TNT Sports (ehemals BT Sports) weitergeben, an dem Sender hält der Konzern durch die WBD-Übernahme künftig ohnehin 50 Prozent. 

Und in Deutschland? Hier bringt der Medienanalyst DAZN ins Spiel - also den bisherigen Rechteinhaber. "In Deutschland könnte es eine Partnerschaft, einschließlich Sublizenzierung, mit DAZN" geben, so François Godard. Er begründet das vor allem mit dem Druck von Investoren, die Schulden zu senken. Ziel in einem solchen Szenario wäre es, die Verluste zu begrenzen, "da die Aussichten auf eine Kostendeckung bei den Rechten innerhalb des Fünfjahreszyklus gering sind".

DWDL.de wollte also von Paramount wissen, ob die Champions League ab der Saison 2027/28 in Deutschland tatsächlich bei Paramount+ zu sehen sein wird und, wenn ja, wann mit konkreten Informationen zu den Übertragungen zu rechnen ist. Oder ob nicht vielleicht doch eine Sublizenzierung denkbar ist. Von einem Pressesprecher kommt eine interessante Antwort: "Paramount+ hält als bevorzugter Bieter die Rechte an der UEFA Champions League in Deutschland im Zeitraum von 2027 bis 2031. [...] Zum aktuellen Zeitpunkt kommentiert Paramount nicht, wie eine mögliche Übertragung gestaltet sein wird."

"The best is yet to come"

Bei Paramount antwortet man also nicht auf die Frage nach einer möglichen Sublizenzierung. Andererseits vermeidet man auch das klare Bekenntnis, dass man die Spiele übertragen wird. Beim Screenforce Festival Anfang Juli klang das noch etwas anders. Lee Sears, President Paramount Advertising International, stand da in Düsseldorf auf der Bühne und erklärte: "2027 kommt die Champions League zu Paramount+. [...] The best is yet to come.

Bevor irgendwas in Sachen Champions League entschieden wird, ist es aber viel wahrscheinlicher, dass der Konzern erst einmal die angestrebte WBD-Übernahme abwartet. Dann ergibt sich nämlich auch in Deutschland eine völlig neue Konstellation, zum Konzern würde dann unter anderem Eurosport gehören. Eine Zusammenlegung von HBO Max und Paramount+ wurde ebenfalls angekündigt. Und was ist eigentlich mit discovery+? Fest steht: Mit der Champions League könnte Paramount+ seine Stellung im deutschen Markt spürbar verbessern. Aktuell ist aber mehr denn je unklar, ob die Zeit bis zum Beginn der Saison 2027/28 reicht, um gute Übertragungen auf die Beine zu stellen und einige sehr drängende Fragen, von der konkreten Aufstellung des Konzerns im deutschen Markt bis hin zum Personal und dem Konzept der CL-Übertragungen, zu klären.