Dass sie einmal eine Fernsehshow moderieren würde, hätte Angelina vermutlich wenige Minuten zuvor nicht gedacht. Nun aber steht die junge Frau mitten auf der Bühne und sagt Timon Krause an, als hätte sie in ihrem Leben nie zuvor etwas anderes getan.

Krause, das muss man wissen, ist ein angesagter Mentalist und hat Angelina wenige Minuten vor der Sendung in einen Zustand der Hypnose versetzt – was dazu führt, dass die Zuschauerin schon kurz nach ihrer enthusiastischen Ansage direkt wieder in eine Art Schlummerzustand verfällt, aus dem sie von Krause kurz darauf glücklicherweise befreit wird. Erst dann darf Matthias Opdenhövel übernehmen – zumindest theoretisch.

Sonderlich viel bekommt Opdenhövel in den folgenden 90 Minuten jedoch nicht zu tun, schließlich ist es ja "Timon Krauses Mentalisten-Show", wie der Untertitel des von i&u Studios produzierten ProSieben-Neustarts namens "Ich durchschaue jeden" nahelegt. Das kann dann auch durchaus als Drohung verstanden werden – zumindest in Richtung der drei prominenten Gäste, die sodann alles daran setzen, sich von Krause nicht mehr als nötig ins Innere ihrer Gedankenwelt blicken zu lassen. Spoiler: Weitgehend ohne Erfolg.

Ob dahinter Psychologie, Suggestion oder geschickte Ablenkung steckt, bleibt zweitrangig - der Effekt funktioniert. So entwickelt sich "Ich durchschaue jeden" allerdings zu einem ziemlich einseitigen Duell. Tatsächlich wird recht schnell ersichtlich, dass Schauspielerin Caroline Frier, Schlagersängerin Vanessa Mai und Sat.1-Frühaufsteher Daniel Boschmann nahezu keine Chance haben gegen ihren übersinnlichen Herausforderer. Der weiß, welche Gegenstände sie sich aus einem vollgepackten Gabentisch heraussuchen, und erahnt sogar blind, ob sie sich für Schere, Stein oder Papier entscheiden.

Ein Hauch von Frische

Es ist also ein einigermaßen aussichtsloser Kampf, in dem das Trio allenfalls hier und da mal einen glücklichen Treffen landen kann. Da überrascht es dann auch nicht, dass es auch im "Arktos Superspiel"-Vibes versprühenden Finale nur noch leidlich spannend wird.

Dass "Ich durchschaue jeden" zum Auftakt dennoch nicht langweilt, liegt fast ausschließlich an Timon Krause selbst. Seine Fähigkeiten mögen längst bekannt sein - umso mehr ist es seine Präsenz, die den Abend trägt. Der 32-Jährige verbindet Charme mit Souveränität und verleiht dem zuletzt ziemlich festgefahrenen Show-Fernsehen zumindest einen Hauch von Frische.

Ob das Konzept allerdings mehr als ein paar Folgen trägt, darf bezweifelt werden. Dafür wiederholen sich die Mechanismen zu schnell. Perspektivisch hätte Timon Krause deutlich mehr verdient als eine Show, deren größte Tricks womöglich schon nach wenigen Ausgaben verpuffen.

"Ich durchschaue jeden! Timon Krauses Mentalisten-Show", mittwochs um 20:15 Uhr bei ProSieben