Die Grenze © Sat.1
Sat.1-Zweiteiler

Sehenswert: "Die Grenze" weckt leise Hoffnungen

 

Mit dem provokanten Teamworx-Zweiteiler "Die Grenze" widmet sich Sat.1 diesmal nicht der Vergangenheit, sondern einer möglichen, nahen Zukunft. Das ist Mut, der belohnt werden sollte und inhaltliche Details überstrahlt...

von Thomas Lückerath
14.03.2010 - 21:20 Uhr

Die GrenzeMan kann sich bei einer Kritik zum Sat.1-Zweiteiler "Die Grenze" in Details verlieren. Etwa darin, ob die Liebesgeschichte nötig ist, wie realistisch das Szenario oder wie tief die Charaktere gezeichnet sind. Ganz sicher ist "Die Grenze" kein Meisterwerk und verdient dennoch Standing Ovations. Denn statt die wenigen schicksalhaften Ereignisse der Vergangenheit, die noch nicht verfilmt wurden, zu suchen, haben sich Teamworx und Sat.1 hier an etwas Neuem probiert: Eine möglichst reale Erzählung einer möglichen Entwicklung der nahen Zukunft.

Oder wie Produzent Nico Hofmann gegenüber DWDL.de erklärte: "Es hat viel mit der Verbindung von Erfundenem und Realem zu tun. Ich würde es als eine Fortsetzung der großen deutschen Tradition des politischen Schockers wie zum Beispiel 'Das Millionenspiel' bezeichnen. Diese Tradition wollen wir wieder beleben. Es gab ja mal provokantes Fernsehen in diesem Land. Auch wenn man sich das heute kaum mehr vorstellen kann." Und provokant oder besser gesagt beängstigend ist der Zweiteiler in der Tat.
 

 
Es geht um die Wirtschaftskrise, die immer größer werdende Schere zwischen den Armen und den Reichen, soziale Kälte und eine Reihe koordinierter Terror-Anschläge, die alles noch viel dramatischer werden lässt und eine Teilung des Landes möglich scheint. "Die Grenze" spielt dabei, nicht unwichtig, eben nicht in der fernen Zukunft, sondern im Sommer 2010. Zusammen mit den immer wieder eingespielten fiktiven N24-Nachrichtensendungen weckt das ein beklemmendes Gefühl verbunden mit der Frage: Wie weit sind wir davon eigentlich wirklich entfernt? Und das ist vermutlich der größte Verdienst von "Die Grenze".

Foto: TeamworxDer Film regt an, beängstigt und bietet genügend Diskussionsstoff. Geradezu bedauerlich, dass es Sat.1 trotz aller Bemühungen nicht geschafft hat, das Thema im Vorfeld hochkochen zu lassen. Eine virale Kampagne sollte dabei helfen, doch erfolgreich war sie nicht. So bleibt also abzuwarten, ob der Film selbst diese Diskussionen auslösen wird. Kurioserweise war genau diese Situation eine der Sorgen von Produzent Nico Hofmann. (Foto) "Diese Produktion braucht einen Sender, der das Thema aufmerksamkeitsstark und provokant inszeniert und dabei alle Möglichkeiten der Crosspromotion nutzt", erklärte er - und entschied sich deshalb auch erst für RTL.

Doch dann wechselte das Projekt zu Sat.1. Dort kann man zumindest festhalten: Man bemühte sich. Und mit einer Dokumentation und einem "Kerner"-Special will der Sender aus den beiden Teilen heute und morgen zumindest gleich ganze Themenabende machen. Lobenswert ist der Mut für dieses Projekt aber jetzt schon. Denn man mag sich über inhaltliche Details streiten können, aber eins ist sicher: "Die Grenze" ist zur Abwechslung mal innovative deute Fiction. Und davon abgesehen hält sich die Liebesgeschichte erfrischenderweise in Grenzen und die Spannung gerade im ersten Teil enorm hoch.

Dass dagegen Teil 2 eher ein Action-Adventure geworden ist, ist etwas schade, aber dennoch sehenswert. Alleine wegen des allerletzten Satzes. Denn der sorgt für einen Aha-Effekt, der aber an dieser Stelle nicht näher beschrieben sein soll. Die Teamworx-Produktion "Die Grenze" macht Mut, weil sie zeigt, wie deutsche Fiction auch aussehen kann. Vom Meisterwerk ist sie noch ein Stück entfernt, aber sie weckt Hoffnungen. Und auch Sat.1 entwickelt sich weiter: Heino Ferch spielt nicht einmal eine Nebenrolle in diesem TV-Event.

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