Wissen hoch drei: Was die neuen Magazine taugen
„Horizonte“, die Zweite: Opulent und tiefgründig
Auch wenn man sich auf dem Cover als „Modernes Magazin für Reportage und Wissen“ bezeichnet, unterscheidet sich „Horizonte“ aus dem Heinrich Bauer Verlag dennoch leicht von seinen beiden neuen Mitstreitern auf dem Markt der Wissensmagazine. Der Leser findet hier für 4,50 Euro weniger die kurzweiligen Anekdoten, die Rätsel des Alltags oder wissenschaftliche Beiträge als viel mehr Reportagen, die alle bisher bekannten Rahmen sprengen.
„Die geheime Wüstenstadt“ ist das Titelthema der zweiten Ausgabe von Horizonte, welchem man sich auf gleich 28 Seiten widmet. Mehrere Foto-Doppelseiten, die Reportage an sich und ein für „Horizonte“ typisches „Dossier“ mit Fakten und Zahlen zur Region liefern so tiefe Einblicke in jedes Thema. Dies hat logischerweise zur Folge, dass sich „Horizonte“ auf insgesamt 164 Seiten nur wenigen Themen widmen kann. So entfallen kurzteilige News-Rubriken völlig, insgesamt elf Reportagen teilen den Platz im Heft allein unter sich auf.
Beteiligt an der zweiten Ausgabe waren u.a. namhafte Autoren wie Peter Scholl-Latour, Guido Knopp oder Salman Rushdie. Thematischer Schwerpunkt bei „Horizonte“: Die Erkundung fremder Länder und Städte. So liest man in der aktuellen „Horizonte“-Ausgabe von Timbuktu, Samoa, dem Kongo, Kuba und Nord-Korea. Daneben finden sich allerdings auch Reportagen aus dem Bereich Natur, Medizin und Kunst- sowie Kultur-Geschichte.
Mit Sicherheit ist „Horizonte“ damit kein Magazin für die Straßenbahn, keine Lektüre für das Zahnarzt-Wartezimmer. Zu ausführlich sind die Geschichten, zu tief kann man eintauchen. Die Optik erleichtert dies dank großflächiger Fotos und viel Freiraum für Text. Unsicher ist nur, ob der Leser auch zum Heft greift, wenn ihn die Titelthemen nicht gefallen: Viel mehr Geschichten erwarten ihn im Inneren nicht. Solange der Titel also nicht etabliert ist, entscheidet nicht der Ruf von „Horizonte“ sondern die Auswahl der Themen den Kauf jeder einzelnen Ausgabe.
„SZ Wissen“: Gut gemeint, schlecht gemacht
Kurz und günstig: Mit vier Euro ist das Wissensmagazin der Süddeutschen Zeitung das günstige der drei Magazine im Test. Einen möglichen Bonus daraus verspielt sich „SZ Wissen“ aber schnell: Mit nur hundert Seiten ist es gleichzeitig das kürzeste der drei Wissensmagazine. Würden die Themen des Magazins wenigstens fesseln, so wäre der Spaß nicht ganz so schnell vorbei.
Sicher ist es immer subjektiv welche Themen ansprechen und welche nicht. Dennoch klingen Themen aus den Bereichen Biometrie, Mikrobiologie oder Kardiologie nicht besonders massentauglich. Das Heft beginnt mit vier Seiten „Neuigkeiten“, kurzen Storys deren Aufmachung leider sehr unübersichtlich geraten ist. Siebzehn Themen sind im Inhaltsverzeichnis angekündigt und doch hat man schnell durchgeblättert, wenn man nicht gerade eine besondere Vorliebe für Naturwissenschaften hat.
Die Geschichten für sich sind spannend und in ihrer Optik zwar nicht besonders neu, eher konventionell, aber ansprechend. Dennoch spürt man bei „SZ Wissen“ kein Konzept, keine neue Idee. Eine Aneinanderreihungen von Reportagen, wie es sie so auch schon an anderer Stelle gegeben hat, ist keine Innovation, lediglich ganz nett zu lesen. Kollegen lobten die Idee der aufgeschnittenen Espresso-Maschine, die einen Blick ins Innere der Technik ermöglicht. Doch erwarten sie nicht zu viel: Es handelt sich um lediglich eine Seite, die den Kauf eines vier Euro teuren Magazins nicht rechtfertigt.
„SZ Wissen“ ist keine Fehlinvestition wenn eines der Titelthemen interessiert, doch ein Heft zum Blättern ist es nicht. Obwohl es im Gegensatz zu „Horizonte“ schon deutlich kleinteiliger daher kommt und mehrere Rubriken und kurze Geschichten anbietet, bleiben die Themen sehr fachspezifisch. Ob man also damit eine neue Form der Wissensvermittlung gefunden hat? Sicher nicht.
„Zeit Wissen“: Überraschend unkonventionell
Man hätte es kaum für möglich gehalten: Die gediegene „Zeit“ überrascht mit dem gewagtesten Konzept auf dem Markt der Wissensmagazin. „Zeit Wissen“ liefert für fünf Euro 124 Seiten plus Poster zum Thema Religionen. Moderne Schriftart und frisches Layout verwirren vielleicht zunächst und lassen den bitteren Beigeschmack des Boulevard-Stils aufkommen, doch man kann beruhigen: Nur weil es ungewohnt flott inszeniert ist, muss der Inhalt nicht darunter leiden.
Zu der überraschend frechen Optik mit netten Einfällen kommen einfallsreiche Rubriken: „Das will ich wissen“ mit Prominenten und ihren persönlichen Fragen, der Statistikseite „Zahlen, bitte“ oder der Doppelseite „Gross und klein“ ergänzen die klare Struktur des Heftes. Die vier Bereiche „Leben“, „Wissenschaft“, „Gesundheit“ und „Technik“ werden jeweils von einer Doppelseite kurzer Nachrichten eröffnet („360 Grad Leben“ etc.) und teilen das Heft zur leichteren Orientierung ein, ohne ein zielloses Blättern zu stören.
Im Gegensatz zu „Horizonte“ kann allerdings auch „Zeit Wissen“ den Themen nicht annähernd so viel Platz einräumen. Das Titelthema „Geschwister: Du hat mein Ich gemacht“ wird so zum Beispiel auf neun Seiten behandelt. Aus dieser Sichtweise ist „Zeit Wissen“ das genaue Gegenteil des Bauer-Titels: „Zeit Wissen“ ist kurzweilig ohne oberflächlich zu sein und lädt zum Blättern und Stöbern ein. Neben den vier Titelthemen finden sich im Heft genügend andere Ideen und Themen, die den Kauf einer Ausgabe nicht vom Cover abhängig machen.
Angenehm überrascht hat aber vor allem die andere Sichtweise auf Themen und Wissenschaft: Mit Humor und kreativen Einfällen bringt man trockene Themen näher. So liefert das Poster zum Thema Religionen herzhafte Lacher und übergroß abgebildete getötete Insekten vermitteln auch einen ganz anderen Zugang zum Thema als eine rein wissenschaftliche Abhandlung. Obwohl die Rubrik Gadgets mit diversen Produktvorstellungen am Ende leider den positiven Eindruck etwas trübt, bleibt der Gesamteindruck eines Hefts, welches Wissen wirklich einmal neu vermitteln will.
Fazit:
Zwei völlig unterschiedliche Sieger und ein Magazin, welches zu wenig neue Ideen bietet, sind das Ergebnis unseres Vergleichs. „SZ Wissen“ bietet interessante Storys in unspektakulärer Optik und ohne neue Perspektive auf die behandelten Themen. Eine Espresso-Maschine allein reicht da nicht aus.
„Horizonte“ weicht von den beiden anderen Magazinen besonders durch seine Opulenz und den Raum für Geschichten ab. Während hier also Reportagen im Vordergrund stehen, bedient „Zeit Wissen“ den Wunsch nach Anekdoten, Storys und interessanten Blickwinkel auf bekannte Themen.
von 


