Electric Dreams © Amazon
TV-Kritik zur Serie mit Buscemi und Cranston

"Electric Dreams": Amazon versucht sich an "Black Mirror"

 

Nicht alles, was gut klingt, ist auch gut: Die britische Anthology-Serie "Electric Dreams", die hierzulande bei Amazon läuft, mutet wie eine Kombination aus Philip K. Dick und "Black Mirror" an. Doch am Ende stellt sich heraus, dass sie nichts von beidem hat. Unsere TV-Kritik.

von Kevin Hennings
13.01.2018 - 10:15 Uhr

Es war das Jahr 1982 als Rutger Hauer in der finalen Szene von “Blade Runner” vor Harrison Ford stand und einen Monolog einleitete, der sich in die filmischen Geschichtsbücher brennen sollte: “I‘ve seen things you people wouldn‘t believe." Diese Worte stammen ursprünglich vom Sci-Fi-Autoren Philip K. Dick. In all seinen Erzählungen – die er in über 40 Romane und 120 Kurzgeschichten gepackt hat – philosophiert er von der Zukunft und all den Ideen, die er nachts beim Träumen gesehen hat.

Neben “Blade Runner” entstanden so auch bekannte Werke wie “Total Recall”, “The Man in the High Castle” oder “Minority Report”. Viele Macher lassen sich aber auch lediglich von seinen literarischen Werken inspirieren, wie man aktuell bei Netflix in "Black Mirror" nur zu gut beobachten kann. Nach "The Man in the High Castle" legt nun Amazon Prime Video die nächste Dystopie nach. Angelehnt an eben jenen Blade Runner, der auf dem Roman “Träumen Androiden von elektrischen Schafen?” basiert, hört die neue Anthology-Serie, die vom britischen Channel 4 in Auftrag gegeben wurde und von Amazon nun international verbreitet wird, auf den Namen "Philip K. Dick‘s Electric Dreams”.

In den zehn Episoden werden zehn seiner Kurzgeschichten wiedergegeben. So geht es in der ersten Episode um einen archaischen Konflikt zwischen normalen Menschen und den sogenannten telepathischen “Teeps” - Wesen, die Fernkommunikation auch ohne Handys hinbekommen. In Folge fünf geht es wiederum um eine Polizistin, die von ihrem Gewissen in eine Depression geplagt wird. Als ihre Ehefrau sie dazu bringt, eine Auszeit in einer virtuellen Simulation zu nehmen, merkt sie schnell, dass sie sich nicht mehr sicher ist, was Realität ist und was digital.

In der Ambition, mitreißende Sci-Fi-Themen in ein Serienformat zu verpacken, nehmen sich "Black Mirror" und "Electric Dreams" also nicht viel. Das ebenfalls von Channel 4 initierte "Black Mirror" hat diese Ambition jedoch bereits überragend ausgespielt und über die Fortsetzung durch Netflix eine große Fangemeinde erreicht. Einen Emmy gab es ebenso. Um das zu kompensieren, hätte "Electric Dreams" nicht nur Philip K. Dicks Namen tragen, sondern leben müssen. Leider fühlt sich die Serie aber eher wie ein Fisch an, der aus dem Wasser geholt wurde.

Während man sieht, dass das ungefähr die Welten sind, die Dick in seinen Geschichten wiedergibt, kann gleichzeitig jedoch nicht die Stimmung rübergebracht werden, die für ihn typisch ist. Während P. K. Dick ein Meister der Plottwists und originellen Enden ist, die immer zum Nachdenken anregen, wurde hier durch die Bank weg jede Erzählung mit einer absurden Interpretation seiner Worte verhunzt. Bei Dick und den geglückten Verfilmungen seiner Werke wurde stets die Realität hinterfragt, was Menschen bewegt und was wir Menschen wirklich brauchen. In “Electric Dreams” bekommt man nichts davon mit.

Ersetzt wurden seine Wesenszüge durch die abgedroschenen Ideen und Messages unpassender Autoren. Ein weiteres Problem: Das Budget oder zumindest der falsche Einsatz eben dessen. Alleine durch die erste Folge wird man bereits abgeschreckt. Der Look entspricht nicht dem einer zukünftigen Welt, sondern eher einem billigen 70er-Jahre-Cop-Drama. Das zieht sich mehr oder weniger bis zum Ende hin durch und wird immerhin von einem wunderbaren Cast abgebremst.

Mit von der Partie sind nämlich reichlich unbekannte Talente, kombiniert mit All-Time-Stars wie Steve Buscemi oder Bryan Cranston. Cranston fungiert obendrein auch als Executive Producer, was aber in dem Fall kein Qualitätssiegel ist. Zählt man sich selbst als zu einem großen Philip K. Dick oder "Black Mirror"-Fan, wird es schwer, bei "Electric Dreams" Spaß zu empfinden. Hier kommt es zu keiner philosophischen Reise in die hintersten Visionen und Gedanken des Menschen über seine Zukunft, sondern vielmehr zu einer Kaffeefahrt nach Warnemünde. 

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