Der blaue Planet © WDR/BBC NHU/Jason Isley
DWDL.de-TV-Kritik

Doku-Highlight "Der blaue Planet": Tiefe See, hohe Kunst

 

Mehr als 6.000 Stunden hat ein großes Team von Tierfilmern unter Wasser verbracht. Das Ergebnis ist faszinierend: Vieles von dem, was die BBC-Doku "Der blaue Planet" zeigt, hat man noch nie zuvor gesehen. Nun läuft die Reihe auch im deutschen Fernsehen.

von Alexander Krei
19.02.2018 - 15:32 Uhr

Ein kleiner Großzahn-Lippfisch benutzt einen Korallen-Amboss, um Muscheln zu knacken. Zahlreiche Teufelsrochen schrecken mit ihren Bewegungen winzige Organismen auf und bringen die ansonsten dunkle Unterwasserwelt plötzlich zum Leuchten. Und ein weiblicher Schafskopf-Lippfisch wechselt plötzlich sein Geschlecht, um den Platz eines älteren Männchens in dessen Harem zu übernehmen. Es besteht kein Zweifel: Unter Wasser ist eine ganze Menge los – und das sind gerade mal drei Beispiele von vielen, die die Fernsehzuschauer in den kommenden Wochen im Ersten zu sehen bekommen.

Willkommen in der faszinierenden Welt der BBC-Dokumentationsreihe "Unser blauer Planet", an deren Entstehung auch der WDR und weitere internationale Partner als Koproduzenten beteiligt waren. Bei den sechs Filmen, für die sich im Ersten glücklicherweise Sendeplätze zur besten Fernsehzeit fanden, handelt es sich um die Fortsetzung von "Unser blauer Planet" – jener Reihe, die das Publikum rund um den Globus bereits vor 15 Jahren zum Staunen brachten. Wer sich schon damals nicht satt sehen konnte an den spektakulären Bildern, der wird diesmal mit ziemlicher Sicherheit noch gebannter vor dem Fernseher sitzen.

Schon die Deutschland-Premiere in einem Kölner Kino zog die Zuschauer förmlich in ihren Bann, weil "Der blaue Planet" weit mehr ist, als eine gewöhnliche Naturdoku. Vier Jahre nahm die Produktion in Anspruch. Vom Kameramann bis zum Bootsfahrer dürften im Laufe der Zeit gut und gerne mehr als 1.000 Menschen beteiligt gewesen sein, schätzt BBC-Produzent Mark Brownlow und spricht von mehr als 6.000 Stunden, die das Team in allen Meeren der Welt unter Wasser verbracht habe, um Bilder einzufangen, die man noch nie zuvor gesehen hat. Kein Wunder, dass auch die Wissenschaft genau beobachtete, was die Tierfilmer ans Tageslicht förderten.

Der blaue Planet
© WDR/BBC NHU/Matty Smith

Möglich wurden die wunderbaren Aufnahmen auch durch den Einsatz moderner, ja revolutionärer Technik, darunter spezielle Saugkameras, die es den Zuschauern ermöglichen, im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Rücken von Haien mitzuschwimmen. Doch es sind keineswegs die Aufnahmen alleine, die begeistern: Vielmehr ist es das Zusammenspiel von Bild und Ton, das das Publikum förmlich unter Wasser zieht. Kein Geringerer als Hans Zimmer steuerte die Musik bei und mit Axel Milberg hat der WDR einen Sprecher gefunden, der das Gezeigte ebenso sachlich wie poetisch zur Vollendung bringt. Die Mischung ist so gut, dass man am liebsten gar nicht mehr auftauchen möchte. 

Die besondere Stärke von "Der blaue Planet" liegt aber auch darin, dass kein erhobener Zeigefinger nötig ist, um dem Publikum neben all dem Schönen und Beeindruckenden auch die Schattenseiten vor Augen zu führen. Wenn die Walrossmutter verzweifelt nach einer Eisscholle zum Rasten für ihren Nachwuchs sucht, dann müsste eigentlich auch dem größten Hinterwäldler bewusst werden, in welch großer Gefahr sich unsere Ozeane befinden. Was auch immer dieses Meisterwerk gekostet haben mag: Es ist jeden Cent wert.

Das Erste zeigt "Der blaue Planet" montags um 20:15 Uhr.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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