Liar und Ende einer Legende © MG RTL D / SquareOne Entertainment / Channel 4
Zwei Serien-Empfehlungen zur #MeToo-Debatte

Erstaunlich aktuell: Was Vox und Arte verbindet

 

Nach den jüngsten Hollywood-Skandalen tobt die #MeToo-Debatte - in der Medienbranche und darüber hinaus. Vor diesem Hintergrund zeigen Vox und Arte in dieser Woche zwei Serien, die aktueller und relevanter kaum sein könnten.

von Alexander Krei
14.03.2018 - 16:55 Uhr

Fast wirkt es, als hätten sich die Programmplaner von Vox und Arte abgesprochen, denn sowohl der Privatsender als auch der Kulturkanal nehmen in diesen Tagen jeweils eine Serie ins Programm, deren Handlungen kaum aktueller sein könnten. Hier wie dort lässt sich vieles von dem, worum es in den Produktionen geht, auf die aktuelle #MeToo-Debatte projizieren. Den Anfang macht Vox, wo an diesem Mittwoch die Dramaserie "Liar" anläuft, die in Großbritannien zu sehen war, noch bevor Hollywood von den Vorwürfen dutzender Frauen gegen den einflussreichen Produzenten Harvey Weinstein wachgerüttelt wurde.

Im Zentrum steht die engagierte Lehrerin Laura Nielson, gespielt von Golden-Globe-Gewinnerin Joanne Froggatt ("Downton Abbey"), die gerade das Ende einer langjährigen Beziehung verarbeitet und von Dates nichts wissen will – bis sie dem Chirurgen Andrew Earlham (Ioan Gruffudd) begegnet. Sein Sohn geht auf ihre Schule und Laura lässt sich auf einen Abend mit dem attraktiven Arzt ein. Doch nach einer Nacht, die für beide vielversprechend beginnt, steht am Morgen der Vorwurf der Vergewaltigung im Raum, ehe ein Strudel aus Widersprüchen, Zweifeln und Manipulationen beginnt.

Die Rolle der Laura sei wahrscheinlich ihr bisher herausforderndster Charakter gewesen, sagt Joanne Froggatt rückblickend. "Es war emotional sehr anstrengend, sie zu spielen, denn Laura trifft relativ oft Entscheidungen, die ich persönlich lieber verhindert hätte. Ich musste einige Nachforschungen anstellen, um ihr Handeln und ihre Reaktionen nachvollziehen zu können." Mit der Zeit kommen immer mehr Geheimnisse ans Tageslicht. "Im Grunde lügen alle Figuren, wenn es um bestimmte Dinge geht. Die Zuschauer wünschen sich an vielen Stellen bestimmt, dass die Figuren und auch Laura anders handeln würden, als sie es tun."

Hinter der Dramaserie stehen die Brüder und Serienschöpfer Harry und Jack Williams, die in der Vergangenheit unter anderem schon "The Missing" umsetzten. Das Drehbuch für "Liar" haben sie noch während der Dreharbeiten kontinuierlich überarbeitet. "Wir, als zwei männliche Drehbuchautoren, sind bei dieser Thematik sehr sorgfältig vorgegangen und haben alle Aspekte gründlich recherchiert", betont Jack Williams und sein Bruder Harry hofft, dass die Zuschauer hin- und hergerissen sein werden. "Sie werden mit Charakteren konfrontiert, mit denen sie erst sympathisieren. Im Verlauf der Serie könnten sie ihre Meinung über die Figuren aber auch wieder ändern."

Liar
© MG RTL D / SquareOne Entertainment

Noch näher an Hollywood ist die Miniserie "Ende einer Legende", die schon im vorigen Jahr vom Sony Channel gezeigt wurde und nun am Donnerstag innerhalb eines Abends bei Arte zu sehen ist. Vor dem Hintergrund realer Missbrauchsskandale wird die Geschichte des von Robbie Coltrane ("Für alle Fälle Fitz") verkörperten TV-Comedians und Familienvaters Paul erzählt, der mit Vergewaltigungsvorwürfen konfrontiert wird. Doch wegen seiner Popularität ist der Mann so gut wie unantastbar, quasi ein nationales Heiligtum. Seine Ehre und sein Ruf stehen auf dem Spiel, ihm droht die Verurteilung durch das Gericht, die Presse - und nicht zuletzt durch seine Frau (Julie Walters) und seine Tochter (Andrea Riseborough).

Auch "National Treasure", wie die ebenfalls aus Großbritannien stammende vierteilige Serie von Regisseur Marc Munden und Autor Jack Thorne im Original heißt, war ihrer Zeit mit Blick auf die #MeToo-Debatte voraus, schließlich war sie schon ein Jahr vor Aufkommen des Weinstein-Skandals zu sehen. Und doch arbeitet sie gewissermaßen auch die Vergangenheit auf, weil Ähnlichkeiten mit realen Figuren beabsichtigt sind, allen voran mit dem über Jahrzehnte hinweg beliebten britischen Moderator Jimmy Savile, der – selbst eine Art nationales Heiligtum – Zeit seines Lebens hunderte Minderjährige vergewaltigt haben soll.

"Ende einer Legende" wurde in Großbritannien von den Fernsehkritikern gefeiert und zurecht mit mehreren BAFTA-Awards ausgezeichnet. Packend und relevant zugleich, werden die Machtverhältnisse im Showgeschäft dargestellt. Von dieser Serie wird ebenso wie von "Liar" ganz sicher etwas hängen bleiben.

Vox zeigt "Liar" mittwochs um 21:15 Uhr in Doppelfolgen, "Ende einer Legende" läuft am Donnerstag ab 20:15 Uhr bei Arte.

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