Deep State © Fox
DWDL-Serienkritik

"Deep State": Meine Name ist Easton, Max Easton

 

Vom Rentnerdasein zum MI6-Einsatz: Mark Strong muss als Max Easton noch einmal seinen Geheimagentenjob antreten, um seinen ermordeten Sohn zu rächen. Dabei erinnert "Deep State" oft an "James Bond" und "John Wick" und zeigt, dass das Genre noch nicht tot ist.

von Kevin Hennings , London
10.04.2018 - 10:55 Uhr

Alle Jahre wieder fesselt James Bond seine Fans an die Kinosessel. Zuletzt war der wohl bekannteste Geheimagent der Welt 2015 in "Spectre" zu sehen. Bis der nunmehr 25. Teil erscheint, müssen sich die Anhänger noch bis Ende 2019 gedulden. Es klafft also eine größere Zeitlücke zwischen den Teilen. In diese hineinpreschen will die neue Fox-Serie "Deep State" die mit dem nächsten britischen MI6-Spion aufwartet. Doch "Deep State" ähnelt nicht nur "James Bond", sondern auch dem skrupellosen "John Wick". Die eigene Note, die der neue Geheimagent Max Easton mit sich bringt, ist darüber hinaus aber ein wenig gewöhnungsbedürftig.

 

Das liegt nicht zuletzt an der kantigen Ausstrahlung des Darstellers. Während James Bond aktuell maßgeblich durch Daniel Craigs Charme geformt wird und auch Keanu Reeves kühles Wesen entscheidend für John Wick ist, bringt auch Mark Strong, der Max Easton darstellt, eine nochmals andere Art mit - und zwar eine bedrohlich wirkende. Was er bei Filmen wie "Rock N Rolla" und "Kingsman: The Golden Circle" bereits gezeigt hat, führt er auch hier vor. Ein durchdringende Präsenz, die der Zuschauer gerne verfolgt. Aber mit Respekt. 

Damit ist er perfekt auf seine Rolle in "Deep State" zugeschnitten. Als Ex-Spion, der sich ein Rentnerleben in den Pyrenäen aufgebaut hat, wird er durch den Mord an seinem Sohn Harry (Joe Dempsie, "Game of Thrones") wieder zurück ins Geschäft gezogen und sinnt auf Rache. Skrupellos hinterlässt er eine Leiche nach der anderen. Einen actionreichen No-Brainer darf man aber dennoch nicht erwarten: Durch die Verstrickung verschiedenster Storylines gerät Easton immer weiter in einen Spionagekrieg hinein, bei dem es unter anderem um eine weitreichende, politische Verschwörung geht. Diese hat es zum Ziel, aus dem sich immer weiter ausbreitendem Chaos im Nahen Osten Profit zu schlagen.

Nicht nur auf dem Papier klingt die Erzählung rund um "Deep State" komplex. Showrunner Matthew Parkhill, der bereits in Werken wie "The Caller" oder "dot the i" bewiesen hat, mit welcher Ambition er Thriller durchdenkt, hat sich auch mit seiner neuen Spionage-Serie nicht gerade einen Wohlfühl-Dreh aufgehalst. "Die Serie ist so verflochten, dass selbst wir als Darsteller lange keine Übersicht hatten", erzählte die Schauspielerin Karima McAdams DWDL.de bei einem Presse-Event in London. Wie man so etwas dann überhaupt für den Zuschauer zu Hause verständlich machen könne, wollten wir wissen. "Wenn wir komplexe Dialoge haben, sprechen wir sehr langsam." Sie spielt als Leyla Toumi ihre erste Hauptrolle und zeigt, wie charakterstark Frauenfiguren geschrieben werden können.

Deep State, Definition: Staat im Staat
Ein meist aus einflussreichen Behördenmitarbeitern oder Militärangehörigen bestehende Gruppierung, die mutmaßlich an der geheimen Manipulation oder Kontrolle der Regierungspolitik beteiligt ist.

Eine solche Serie erzählen zu wollen, ist mutig. "Deep State" braucht seine Zeit, um erst einmal zu erklären, worum es überhaupt geht. So kommt das Ganze auch erst dann wirklich ins Rollen, als Max Easton am Ende der ersten 55-minütigen Episode schließlich den ersten Punkt auf sein Kill-Konto überweist. Das ist wortwörtlich der Startschuss zu einem Politthriller, der sich viel traut und viel erreicht.

Auf dem Weg zu diesem hatten Parkhill und sein Team aber eine schwierige Situation zu lösen. Wie Mark Strong im DWDL.de-Gespräch verriet, möchte sich "Deep State" von Genre-Kollegen damit abgrenzen, dass der Fokus anders gelegt wird. "Produktionen wie 'The Night Manager' oder 'James Bond' beziehen sich immer auf die Sichtweise einer einzelnen Person und seine Gefühlslage", meint Strong. "Wir aber wollen den Blick weg von meiner Figur, hin zur vielschichtigen Erzählung, schwenken." Eine nicht zu unterschätzende Herausforderung, da viele Menschen alleine wegen Mark Strong einschalten werden.

Geschafft wird das unter anderem damit, dass "Deep State" die klassischen Charakter-Konstrukte von Gut und Böse komplett links liegen lässt. Max Easton ist nicht der typische Held, mit dem der Zuschauer sofort mitfiebert. Das Gleiche gilt für den Geheimdienst MI6, Eastons Sohn und die Männer aus dem Nahen Osten. Dadurch wird der Spielball nicht nur von Strong getragen, sondern immer wieder durch den Raum geworfen. Das ganze Spektakel wird und bleibt interessant. Die Auflösungen möchte man dann ja auch sehen. 

Dieser Plan scheint schon vor der offiziellen Weltpremiere aufgegangen zu sein. Die Senderechte für die Serie wurden bereits in die USA an den Pay-TV-Sender Epix verkauft, sowie an NBCUniversal in Frankreich und DR in Dänemark. Eine zweite Staffel ist bestätigt. Ein guter Start für die erste fiktionale Eigenproduktion von der Fox Networks Group Europe & Africa. Auf die Schulter klopfen kann sich dadurch auch die ProSiebenSat.1-Tochter Red Arrow Studios, die mit Endor Productions maßgeblich an der Realisierung beteiligt war.

"Die Serie wäre anders geworden, wäre sie entstanden, bevor Trump gewählt wurde", verriet Showrunner Parkhill beim Presse-Event. Ursprünglich hieß die Serie "The Nine" und sollte sich lediglich um die Vordergrund-Story drehen, nämlich Max's Geschichte und seiner Suche nach dem Mörder seines Sohnes. Durch die politischen Entwicklungen und dem neuen Titel "Deep State" wollte Parkhill zudem aber auch erklären, was es mit dem 'Staat im Staat' auf sich hat und wie die Fäden im Hintergrund der Politik gezogen werden. Für die Macher darf man nur hoffen, dass die reale Welt nicht dramatischer wird, als das gefilmte Drama. 

Die erste achtteilige Staffel von "Deep State" ist ab sofort immer dienstags um 21 Uhr auf FOX zu sehen

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