In the dark © ZDFneo
DWDL.de-Serienkritik

"In the Dark": Der Thrill versteckt sich im Dunkeln

 

Mit "In the Dark" startet auf ZDFneo die nächste Krimi-Serie. Das BBC-Drama überrascht jedoch nicht mit einer smarten Verbrechersuche, sondern mit einer unsympathischen Ermittlerin und Momenten, in denen sich der Fernseher als wahrer Held entpuppt.

von Kevin Hennings
14.05.2018 - 16:29 Uhr

Eingewickelt in seinem schwarzen Mantel hebt ein Mann mittels Schaufel ein großes Loch aus. Es ist dunkel und es regnet und würde jemand etwas ungesehen entsorgen wollen, fände er die perfekten Bedingungen vor. Warum das neue BBC Drama "In the Dark" genannt wurde, wird dank dieser ersten Szene schnell deutlich. Doch damit auch die Offensichtlichkeit, die in der fortlaufenden Miniserie nicht minder abbricht. Denn auch wenn es für so manch einen überraschend kommt: Hier wird gerade eine Leiche vergraben.

Die Rahmenbedingungen der seit heute auf ZDFneo laufenden Serie sind also abgesteckt. In der adaptierten Geschichte, die auf zwei von Mark Billinghams Krimi-Romanen basiert, wird nach dem schwer erkennbaren Einstieg fix auch noch mehr Licht ins Spiel gebracht: Wir befinden uns in Manchester, wo Detektivin Helen Weeks (MyAnna Buring) einmal mehr damit beschäftigt ist, einer lokalen Drogendealerin hinterherzujagen. Sie und ihr Hilfspolizist stellen sie nach einer intensiven Verfolgungsjagd schließlich in einer Sackgasse und eigentlich sollte es das dann auch gewesen ein. Besagte Drogendealerin schafft es jedoch, Helen in den Bauch zu schlagen und zu fliehen. Eine Situation, die gebraucht wurde, um einzuführen, dass Helen schwanger ist.

Dem Baby geht es jedoch gut, was sie auch prompt ihrem Freund Paul (Ben Batt) erzählt. Der ebenfalls hauptberufliche Detektiv wusste nämlich noch gar nichts davon und freut sich nun umso mehr. Helen selbst wirkt bei der Verkündung aber etwas verhalten. Nanu, was spricht sie denn hier nicht laut aus? Der Zuschauer wird schnell erfahren, welches Geheimnis sie zurückhält, endet die BBC-Produktion doch bereits nach vier Episoden.

Eingeteilt wurden diese vier Folgen in zwei Storystränge. In den ersten Hälfte geht es darum, dass der Ehemann von Helens ehemaliger bester Freundin vermeintlich zum Kindesentführer geworden ist. Um ihr Trost zu spenden, möchte sie zu ihr fahren. Paul ist davon überrascht, hat er Helen noch nie von Linda erzählen hören. Beide fahren also in die alte Heimat, wo sich die Tragödie von zwei entführten Mädchen abspielt. Dort erfährt Paul auch, dass seine liebe Frau damals alles anderes als nett war. In der Tat gehörte sie zu der Kategorie "Schulmobber". Was der Zuschauer schon lange denkt, fragt sich auch Paul immer mehr: Was verheimlicht diese Frau eigentlich noch alles?

Und wieso lenkt sie so sehr davon ab, dass sich "In the Dark" eigentlich um ein Verbrechen dreht? Zwar ist es erfrischend, wenn nicht ein 0815-Krimi nach dem anderen erscheint. Doch diese Erfrischung schmeckt mehr nach einer in der Sonne stehen gelassenen Limo. Nicht nur, dass der eigentliche Antrieb der Sendung vollkommen unter den Teppich gekehrt wird, immerhin sind zwei kleine Mädchen verschwunden, fällt die Protagonistin auch nur deswegen so in den Fokus, weil sie an jeder Ecke Antipathie-Punkte sammelt.

Herausgerissen werden soll dies in Folge drei und vier. Hier wird ein kleiner Zeitsprung vollzogen, in die späte Schwangerschaft Helens. Durch eine gänzlich persönliche Tragödie ist sie nun das Opfer und nicht mehr ihre Freundin Linda. Das Problem ist jedoch, dass der Zuschauer an diesem Punkt lediglich aus reiner Menschlichkeit mitfühlt. Helen Weeks selbst ist eine Person, die bisher nur gezeigt hat, wie verlogen ein Mensch sein kann. Und wo ist eigentlich der Thrill in diesem Krimi?

Am meisten ist dieser noch vorhanden, wenn Helen im Gespräch mit Linda ein paar schwammige Details über ihre gemeinsame Vergangenheit fallen lässt. "Denkst du jemals darüber nach, was vor all den Jahren passiert ist?", fragt sie. "Jeden scheiß Tag", lautet Lindas Antwort. Während das nicht einmal wirklich als Thrill bezeichnet werden kann, ist ein Auszug wie dieser jedoch das Maximum an Spannung, das "In the Dark" liefert. Immerhin klingt es so, als ob Helen und Linda selbst die ein oder andere Leiche im Keller liegen haben könnten.

Doch wird jedes Fünkchen Interesse, welches durch solche Momente aufgebaut wird, nicht nur durch die fehlende Story im Keim erstickt. Es sind vor allem Situationen der Kategorie "na klar...", die "In the Dark" so unnötig lächerlich erscheinen lassen. Während es noch zu verschmerzen ist, dass die Drogendealerin ihr am Anfang der Serie in den Bauch schlägt, obwohl sie doch schwanger ist, folgt daraufhin eine immer größer werdende Welle der Ratlosigkeit bei Autor Danny Brocklehurst (“Shameless”). Auf die Frage, wie die Story soweit gebracht werden kann, dass Helen merkt, dass ihre Freundin Linda in einem Kriminalfall verwickelt ist, dachte er sich wohl: Lasset den Fernseher sprechen! Und so schalten Helen und Paul zu genau dem Zeitpunkt ein, in dem der Fall von Linda und ihrem Mann in den Nachrichten besprochen wird.

Wenn so etwas einmal passiert, ist das noch in Ordnung. Der Fernseher wird in "In the Dark" jedoch immer mal wieder als Hilfestellung genutzt. Es muss ein Update zu den Ermittlungen der zwei entführten Kinder geben? Lasset die Protagonisten einfach genau dann in die Nachrichten zappen, wenn die neuesten Informationen erzählt werden! Ach, oder schalte die alte Flimmerkiste doch einfach mal aus.

"In the Dark" ist am 14. und 21. Mai jeweils ab 23:20 Uhr in Doppelfolgen bei ZDFneo zu sehen. 

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