Meiberger - Im Kopf des Täters © ServusTV / MonaFilm / Olaf R. Benold
DWDL.de-TV-Kritik

"Meiberger": ServusTV setzt auf klassische Krimi-Kost

 

ServusTV will nun endlich auch in Deutschland spürbar wachsen, helfen soll dabei die erste eigenproduzierte Krimiserie "Meiberger". Die kommt inhaltlich recht traditionell daher, punktet aber mit tollen Bildern und einem starken Hauptdarsteller.

von Timo Niemeier
09.11.2018 - 13:58 Uhr

Lange hat sich in Österreich kein Privatsender an fiktionale Eigenproduktionen getraut, ServusTV versuchte sich 2010 erstmals an einer vierteiligen Comedyserie. Den großen Aufschlag wagte man dann aber erst vor ziemlich genau einem Jahr, als man die Pferdeserie "Trakehnerblut" auf Sendung schickte, die in Deutschland im Ersten unter dem Titel "Gestüt Hochstetten" zu sehen war. Die Serie war für den Sender ein schöner Erfolg und hat die Macher Blut lecken lassen. Nun wagt man sich mit "Meiberger - Im Kopf des Täters" an eine weitere große Serie, zum ersten Mal ist es ein Krimi.

Anders als bei "Trakehnerblut" wird man die Serie auch in Deutschland beim eigenen Sender zeigen und nicht verkaufen. Das passt gut in die zuletzt von Senderchef Ferdinand Wegscheider ausgerufene Strategie, den deutschen Sender stärken zu wollen. Während ServusTV in Österreich von Quotenrekord zu Quotenrekord eilt, dümpelt man hierzulande noch immer knapp über der Wahrnehmungsgrenze umher. Und was hilft derzeit am meisten gegen schlechte Quoten? Natürlich: ein Krimi. Das beweist das ZDF nahezu täglich aufs Neue - und bei ServusTV scheint man das ganz genau registriert zu haben.

"Meiberger" ist ein gut gemachter Krimi, kann aber nur selten überraschen. Dafür bedient die Serie alle gängigen Krimi-Klischees, von denen die Zuschauer noch immer nicht genug zu haben scheinen. Da wäre natürlich Thomas Meiberger selbst. Der von Fritz Karl ("Falk") gespielte Gerichtspsychologe wird immer dann gerufen, wenn die Mordermittler nicht mehr weiterwissen. In seiner Freizeit ist er Hobby-Magier, was er ab und zu auch mal in seine Arbeit einfließen lässt. Kripochef Nepo Wallner (Cornelius Obonya) gefällt das natürlich nicht, er würde am liebsten alle Fälle alleine lösen. Und dann wäre da noch Staatsanwältin Barbara Simma (Ulrike C. Tscharre), die nur zu gerne mit Meiberger flirtet, um dann in ihrem Cabrio bei lauter Rock-Musik davonzubrausen.

Die Schauspieler liefern eine tadellose Leistung ab, vor allem Karl überzeugt als kongenialer Gerichtspsychologe, der beruflich zwar jeden Fall löst, privat jedoch vor großen Herausforderungen steht. Mehr Konfliktpotenzial steckt in der Beziehung zwischen Meiberger und Kripochef Wallner, der zwar die Hilfe der Psychologen nicht will, sie aber zumindest in der Auftaktfolge ohne große Gegenwehr annimmt. Von den Drehbuchautoren Maja und Wolfgang Brandstetter etwas überzeichnet ist die Figur des trotteligen Kripo-Assistenten Kevin Ganslinger, gespielt von Franz Josef Danner. Er soll für die nötigen Lacher sorgen, der vielzitierte "Schmunzelkrimi" lässt grüßen, ist dabei aber immer etwas zu bemüht.

Meiberger - Im Kopf des Täters
© ServusTV / Mona Film
Salzburg dient als Kulisse für "Meiberger" - das Land hat die Produktion unterstützt. 

Überhaupt weiß "Meiberger" manchmal nicht so recht, ob es ein spannungsgeladener Krimi sein will, oder doch lieber locker flockig, sodass man die Serie eigentlich auch ohne Probleme am ZDF-Vorabend zeigen könnte. So versprühen einige Dialoge diese Lockerheit, in einer Szene kann Meiberger nicht aus einem Fahrstuhl aussteigen, weil zwei korpulente Herren ihm den Weg versperren. Und auf der anderen Seite soll in wackeligen Rückblenden der (mögliche) Tathergang gezeigt werden. Auch bei der Inszenierung hakt es manchmal. Natürlich muss so ein Fall in 40 Minuten abgehandelt sein. Dennoch ist es mitunter recht kurios, wenn die Ermittler plötzlich direkt vor den Eltern des Opfers im riesengroßen Garten stehen oder etwa dann, wenn Meiberger ohne zu zögern mit der Staatsanwältin mitfährt, ohne seinem Sohn Bescheid zu geben, der doch eben noch etwas mit ihm unternehmen wollte.

Vorzeichen sind gut: Starker Start in Österreich

Ansonsten hat man bei der Produktionsfirma Mona Film vieles richtig gemacht, "Meiberger" ist gut produziert und könnte auf allen großen Sendern so laufen. Neben dem recht klassischen Krimi-Plot sehen die Zuschauer immer wieder stark in Szene gesetzte Bilder aus dem Raum Salzburg - dort wurde die Serie produziert und dort spielt sie auch. Das aber war zu erwarten, immerhin wurde die Produktion vom Land Salzburg gefördert. Dem Tourismus in der Region wird die Serie jedenfalls trotz Mord und Totschlag keinen Abbruch tun.

ServusTV hat mit "Meiberger - Im Kopf des Täters" eine Krimiserie im Programm, die gut produziert und teilweise spannend ist. Wirkliche Überraschungen darf man, außer natürlich beim traditionellen Twist bei der Tätersuche, nicht erwarten. Das wollten die Macher aber vielleicht so - wenn ServusTV nun nämlich endlich auch in Deutschland Quote machen soll, zieht ein klassischer Krimi vielleicht besser als eine ausgefallene Serie mit tiefgründigen Charakteren. Und so hat nun auch ServusTV einen Helden, der beruflich jede Herausforderung meistert und dabei manchmal sein Privatleben vernachlässigt. Meiberger ist im Prinzip wie "Monk" oder "Professor T.", nur ohne Zwangsneurosen. Und so wie Tom Beck als Einstein - nur nicht ganz so nervig. In Österreich ging die Strategie bereits auf: Vor wenigen Tagen kam die erste Folge dort auf 235.000 Zuschauer und 7,9 Prozent Marktanteil, damit katapultierte sich die Episode in die Top 3 der erfolgreichsten Sendungen von ServusTV des laufenden Jahres. Normalerweise kommt der Sender auf rund zweieinhalb Prozent Marktanteil. Die Vorzeichen für den Deutschland-Start könnten nicht besser sein.

ServusTV zeigt "Meiberger - Im Kopf des Täters" freitags um 20:15 Uhr.

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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