Auf den Deutschen Fernsehpreis, den sie vor sechs Jahren erhielt, ist Alexandra Brandner mächtig stolz. So stolz, dass sie die Auszeichnung sogar im Namen ihres LinkedIn-Profils führt. Erhalten hat sie den Fernsehpreis einst für die fantasievollen Kostüme, die sie in ihrem Atelier seit der ersten Staffel für die ProSieben-Show "The Masked Singer" herstellt. Oder besser gesagt: Herstellte.
Seit wenigen Tagen herrscht bei Brandner die Gewissheit, für die 13. Staffel keinen Auftrag erhalten zu haben. Gesagt hat es ihr niemand, stattdessen erfuhr sie von der Produktion der neuen Folgen durch eine vom Sender verschickte Pressemitteilung. Weil die Aufzeichnungen dafür schon Ende August beginnen sollen, war Brandner schnell klar: Ihre Expertise ist diesmal nicht erwünscht. Warum sich im Vorfeld weder ProSieben noch die Produktionsfirma Endemol Shine Germany bei ihr meldeten, kann die Gewandmeisterin nicht verstehen. "Es gab kein Wort, keine Nachricht, kein Dank", erzählt sie im Gespräch mit DWDL.de.
Ihre Enttäuschung hat Alexandra Brandner zuvor bereits in einem Facebook-Video und bei "TV Wunschliste" öffentlich gemacht. "Was mich natürlich nachdenklich macht, ist, wenn man nach sechs Jahren entsorgt wird wie ein alter Putzlappen. Dann macht mich das natürlich sehr nachdenklich über das, wie man in unserer Gesellschaft eigentlich miteinander umgeht oder wie wir miteinander umgehen", erklärte sie in dem Video. Seit dessen Veröffentlichung, sagt Brandner nun zu DWDL.de, habe sie mehr als 3.000 Zuschriften erhalten, darunter von vielen Kreativen. "Das sind Lichtleute, Tonleute, Fotografen, Vocal Coaches. Denen geht es genau wie mir: Man wird einfach von heute auf morgen geghostet. Aber wenn wir keine Handwerker mehr haben, dann machen wir unsere Fernseh- und Filmlandschaft über kurz oder lang kaputt."
Dass sie sich überhaupt zu Wort meldete, hängt auch damit zusammen, dass nun andere für die legendären Kostüme bei "The Masked Singer" verantwortlich sein werden. "Mein Name ist unwiederbringlich mit dieser Sendung verbunden. Sollten jetzt die Kostüme von der Qualität her sehr viel schlechter sein als bisher, dann ist es auch mein Name, der damit in Verbindung gebracht wird", führt Brandner aus. "Davor möchte ich mich schützen, auch wenn mir bewusst ist, dass es in der Branche nicht gerne gesehen wird, dass ich mich zu Wort melde."
Verstehen kann sie ihr Aus nicht. "Wir haben die Sendung über sechs Jahre aufgebaut. Wir gaben der Sendung ein Gesicht, weil all die Masken und Figuren das Aushängeschild sind." Der Verdacht liegt nahe, dass es Kostengründe sind, die zu der Entscheidung führten – erst recht, weil das überarbeitete Konzept der Show diesmal weit mehr Kostüme erforderlich macht als bisher. Doch das Argument lässt Alexandra Brandner nicht gelten. "Wenn die Kostüme tatsächlich zu teuer gewesen sein sollten, hätte man doch einfach mal mit uns sprechen können", sagt sie im Gespräch mit DWDL.de. "Wenn ich die Kostüme beispielsweise selbst entwerfe, dann kann ich ja im Entwurf schon mitdenken, wo sich sparen lässt – etwa an der Technik. Am wichtigsten ist doch, dass die Kostüme geil aussehen. Ob das Ding zwinkert oder raucht, ist eher zweitrangig."
"Wir sind keine Maskottchenbauer"
Tatsächlich sei die Arbeit schon in den vergangenen Jahren schwieriger geworden, erklärt Brandner, "weil man sich bereits von der Kostümbildnerin getrennt hat und die Entwürfe seither nur noch mittels KI von Menschen erstellt worden sind, die mit dieser Arbeit eigentlich gar nichts zu tun haben." Daher habe man sich noch mehr anstrengen müssen, um aus den Vorlagen tolle Kostüme herzustellen. "Wir sind schließlich keine Maskottchenbauer, sondern arbeiten hochprofessionell und spezialisiert."
Beim Sender und der Produktionsfirma reagiert man indes erstaunlich schmallippig. Die Frage, warum die Zusammenarbeit mit Alexandra Brandner jäh endet, obwohl man sich mit ihrer Arbeit doch über viele Jahre hinweg schmückte, beantworteten weder ProSieben noch Endemol Shine Germany. Stattdessen verschickten beide Unternehmen ein sehr zurückhaltendes Statement: "ProSieben erneuert 'The Masked Singer' für diesen Herbst an vielen Stellen. Mehr Masken, mehr Enthüllungen, neuer Showmodus. Dazu arbeitet Endemol Shine Germany wie auch schon in der Vergangenheit mit wechselnden Kreativ-Teams und Kreativ-Werkstätten zusammen. Das ist auch in der neuen Staffel der Fall." Auffällig: Auch hier fehlt ein Wort des Dankes.
Immerhin, aus wirtschaftlicher Sicht kann Brandner ihr "Masked Singer"-Ende wohl verschmerzen. "Da ich nichts erfahren habe, habe ich mit dem Auftrag in diesem Jahr ohnehin nicht gerechnet, weshalb wir andere Aufträge angenommen haben", sagt sie zu DWDL.de. "Glücklicherweise sind wir sehr gut gebucht, hauptsächlich aus dem Ausland. Dennoch sprechen wir von einem Auftragsvolumen in Höhe von 160.000 Euro, das uns jetzt abgeht. Das ist kein Pappenstiel, sondern für eine kleine Manufaktur wie unsere ein riesiger Batzen." Die ProSieben-Show will Alexandra Brandner fortan erklärtermaßen nicht mehr schauen, dem Format bleibt sie gleichwohl treu: In den Niederlanden, Belgien oder Kanada, wo "Masked Singer" ebenfalls läuft, weiß man ihre Arbeit auch künftig zu schätzen.
Mehr zum Thema
von 



