Sylvies Dessous Models © MG RTL D / Stephan Pick
DWDL.de-TV-Kritik

Meis-Show bei RTL: Germany’s Next Dessous Model

 

Sylvie Meis sucht in ihrer neuen RTL-Show ein Dessous Model für ihre eigene Kollektion. Eigentlich wollte sie sich damit von "Germany’s Next Topmodel" abheben und anders sein, zum Auftakt ist das aber noch nicht gelungen. Die Unterschiede liegen höchstens im Detail.

von Timo Niemeier
21.11.2018 - 22:15 Uhr

Als RTL bekanntgegeben hat, dass Sylvie Meis nicht mehr die sehr erfolgreiche Tanzshow "Let’s Dance" moderieren würde, war kurz sowas wie ein Bruch zwischen Moderatorin und Sender zu spüren. Meis beklagte sich öffentlich, kehrte kurz darauf aber in die "Supertalent"-Jury zurück. Mit "Sylvies Dessous Models" hat sie nun sogar ihre eigene Primetime-Show, in der sie nach Models sucht, die demnächst an ihrer Seite ihre neue Dessous-Kollektion präsentieren sollen. Bei einer Modelshow drängen sich Vergleiche mit "Germany’s Next Topmodel" geradezu auf, doch Meis selbst wiegelte immer ab. Es gehe in ihrer Sendung nicht um High Fashion, außerdem müssten die Models nicht dünn, sondern vor allem fit sein.

Außerdem sollte Meis auch als Geschäftsfrau und Mutter inszeniert werden. "Deutschland hat noch nicht die echte Sylvie gesehen", sagte Unterhaltungschef Tom Sänger vor wenigen Wochen. Zum Auftakt aber lässt sich festhalten: Diese Ziele verfehlt die Sendung. Das Format ist vor allem eins: Germanys Next Dessous Model. Die Parallelen zur ProSieben-Show sind nur allzu offensichtlich. Nachdem es in den ersten zehn Minuten der Auftaktepisode nur um Meis und ihre bisherige Karriere und ihr Privatleben geht, folgt das altbekannte Muster diverser Model-Shows.

30 Kandidatinnen müssen sich vor Sylvie und ihrem Team, das aus ihrer Büroleiterin und ihrer Visagistin besteht, präsentieren. Sie dürfen selbst entscheiden, was sie tragen und wie sie sich schminken und natürlich kann es dann zum Problem werden, wenn die Frauen Piercings oder Tattoos haben. 40 Minuten wird gezeigt, wie sich die jungen Frauen auf einem Sofa räkeln, einen Laufsteg hin und her laufen und sich von Meis bewerten lassen. RTL und die Produktionsfirma Seapoint nutzen diese Gelegenheit auch direkt, um die ersten Rollen zu verteilen. Da wäre das erfahrene Model, die Wilde, die Schüchterne und natürlich die übermotivierte Österreicherin, die denkt sie kann alles besser - Larissa Marolt lässt grüßen.

Dass die Jury-Mitglieder neben Meis keine bekannten Gesichter sind, tut der Show keinen Abbruch. Die zwei Damen bewegen sich souverän vor den Kameras, im Mittelpunkt steht aber immer Sylvie Meis. Am Ende der ersten Runde stehen zehn Models fest, für die die Show so richtig losgeht - und die dann ins Model-Loft ziehen - wohin auch sonst? Danach steht ein Foto-Shooting im Hamburger Hafen (kalt!) auf dem Programm. Sylvie trägt dort natürlich einen blauen Seemanns-Hut und gibt den Kandidatinnen gut gemeinte Ratschläge ("Fühl dich schön. Dann strahlst du das auch aus"). Auffälligste Kandidatin ist eine junge Frau, die stets einen großen grauen Plüsch-Elefanten mit sich herumträgt und auch Interviews mit ihm gibt.

Sylvies Dessous Models
© MG RTL D / Stephan Pick
Als Geschäftsfrau ist Sylvie Meis in der ersten Ausgabe "Sylvies Dessous Models" nicht zu sehen gewesen. 

Anders als Heidi Klum in "Germany’s Next Topmodel" ist Sylvie Meis in ihrer Show sehr präsent. Während Klum bei Shootings teilweise durch Abwesenheit glänzt und ihren Mit-Juroren den Job überlässt, steht Meis fast immer in Kamera-Nähe, gibt den Frauen Tipps oder hat sonst etwas zu sagen. Trotzdem: Dafür, dass RTL und Meis kein zweites "Germany’s Next Topmodel" wollten, ist "Sylvies Dessous Models" überraschend ähnlich wie die ProSieben-Show. Bis auf die zehn Minuten Sylvie-Schnelldurchlauf am Anfang sah man das Gesicht der Sendung weder groß als Geschäftsfrau noch als Mutter. Das kann sich im Verlauf der dreiteiligen Staffel freilich noch ändern.

Hinzu kommt, dass der Unterschied zwischen "High Fashion" und "Dessous" vielleicht korrekt, allerdings auch sehr kleinkariert ist. Der Ottonormal-Zuschauer wird diesen Unterschied kaum bemerken. Hier wie da präsentieren sich junge Frauen einer Jury und müssen Fotoshootings absolvieren, um eine Runde weiter zu kommen. Dabei haben sie bei RTL nur etwas weniger an als bei "Germany’s Next Topmodel". Das ist zu wenig, um sich vom Primus abzuheben. Die von der Produktionsfirma und RTL ausgearbeiteten Unterschiede wirken teilweise sogar recht kurios. Als am Ende acht Kandidatinnen eine Runde weiterkommen, erhalten diese kein Foto, sondern…? Ein rosanes Armband.

RTL zeigt in den kommenden Wochen zwei weitere Ausgaben von "Sylvies Dessous Models" am Mittwochabend um 20:15 Uhr.

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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