Der Pass © Sky Deutschland/Sammy Hart
DWDL.de-Serienkritik

"Der Pass": Mehr als nur ein deutsches "Die Brücke"

 

Inspiriert vom Erfolg von "Die Brücke" hat Wiedemann & Berg in Koproduktion mit epo-film für Sky "Der Pass" gemacht. Die Serie ist aber mehr als nur eine schnöde Adaption: "Der Pass" entwickelt schnell eigenen Charakter, sowohl Handlung als auch das Drumherum wirken stimmig.

von Timo Niemeier
25.01.2019 - 14:02 Uhr

Mit "Babylon Berlin" und "Das Boot" hat Sky zuletzt zwei fiktionale Eigenproduktionen veröffentlicht, die neben der inhaltlichen Qualität vor allem eins waren: teuer. Beide Produktionen hatten ein Mega-Budget, die kommenden Serien fallen in diesem Bereich etwas kleiner aus. Dass das aber nicht unbedingt etwas schlechtes sein muss, beweist "Der Pass", das der Sender ab diesem Freitag zeigt. Visuell kann die Serie ebenso beeindrucken wie inhaltlich.

Angelehnt ist "Der Pass" an die dänisch-schwedische Erfolgsproduktion "Die Brücke". Doch die Serie von Wiedemann & Berg und epo-film ist weit mehr als nur eine "Brücke"-Adaption, von denen es inzwischen schon so einige gibt. Kurz zum Inhalt: In den Alpen, direkt auf der Grenze zwischen Deutschland und Österreich, wird eine grausam in Szene gesetzte Leiche gefunden. Dadurch müssen beide Länder beim Fall zusammenarbeiten. Auf der einen Seite ist die deutsche Ermittlerin Ellie Stocker (Julia Jentsch), für die es der erste richtige große Fall ist. Auf österreichischer Seite ermittelt Gedeon Winter (Nicholas Ofczarek), der aber nicht sehr motiviert ist und die Sache zunächst der deutschen Kollegin überlässt.

Schon bald werden aber weitere Leichen im Grenzgebiet gefunden und die Ermittler werden gezwungen, grenzübergreifend zu arbeiten. Dank der verschiedenen Drehorte in den Alpen kommt "Der Pass" zunächst einmal visuell sehr stark daher. Die Berglandschaften sind von den Regisseuren Cyrill Boss und Philipp Stennert wuchtig in Szene gesetzt. Die Sky-Serie klingt aber auch unfassbar gut: Das liegt am berühmten Filmkomponisten Hans Zimmer ("Der König der Löwen", "The Dark Knight"), der den Sound von "Der Pass" verantwortet. Hier trifft die Serie im wahrsten Sinne des Wortes jeden Ton: Bei den spannenden Szenen kommt Gänsehaut auf und auch beim eigentlich lockeren Eisstockschießen der Ermittler herrscht durch die Musik eine gespenstische Atmosphäre.

Aber auch inhaltlich entwickelt "Der Pass" eine eigene Handschrift, was vor allem an den beiden stark aufspielenden Hauptdarstellern liegt. Julia Jentsch mimt die etwas übermotivierte Ermittlerin Ellie Stocker so glaubhaft, dass man es dem von Nicholas Ofczarek verkörperten Gedeon Winter zunächst gar nicht übel nimmt, so desinteressiert zu sein. Während es bei "Die Brücke" Saga Norén war, die aufgrund ihrer Asperger-Diagnose nur bedingt mit anderen Menschen gut interagieren konnte, so wird diese Rolle dem österreichischen Ermittler zuteil. Bei der Serienbeschreibung von Sky ("Scheint mit seinem Polizisten-Dasein abgeschlossen zu haben") hätte man befürchten können, dass es arg klischeehaft wird. Die Macher haben aber die Kurve bekommen und zeigen zwar, dass Winter ein grimmiger und wenig motivierter Ermittler ist, gehen dabei aber sehr subtil vor. Als die beiden Polizisten sich erstmals treffen und die deutsche Ermittlerin Winter die Hand geben will, schlägt der daher nach kurzem Zögern auch ein. Holzhammer-Methode also abgewendet.

Das Zusammenspiel von Jentsch und Ofczarek funktioniert über weite Strecken hinweg tadellos. Als die Deutsche nach dem Fund der Leiche auf der Grenze typisch deutsch darauf beharrt, dass das in ihren  Zuständigkeitsbereich falle, erwidert er nur: "Machen wir es deutsch, alles korrekt. Einer bekommt den Kopf, der andere den Arsch". Auch als die beiden Ermittler später zusammen im Auto sitzen und sie ungefragt von ihrem Vater erzählt, der Jäger ist, und ihn danach fragt, was sein Vater macht, antwortet der österreichische Ermittler trocken: "Er ist kein Jäger". Während sich die private Storyline rund um Ellie Stocker noch um eine Liebelei dreht, ist bei Winter etwas mehr Pfeffer drin. Er hat Kontakte ins Rotlichtmilieu und wird scheinbar erpresst, so muss er beispielsweise eine Tatwaffe verschwinden lassen. Hinzu kommen regelmäßige Halluzinationen. Hier offenbaren sich menschliche Abgründe, von denen noch nicht sofort gesagt werden kann, wo sie enden. Das verleiht der Figur Gedeon Winter eine gewisse Fallhöhe.

"Der Pass" eröffnet im Verlaufe der Zeit auch noch einige weitere Schauplätze: Da führt eine Spur etwa zu einer gespenstisch anmutenden Sekte, die sich auf das Ende der Zeit vorbereitet. Der Journalist einer lokalen Tageszeitung, der vom Täter Informationen zugesteckt bekommt, geht damit zur Polizei - will dafür aber auch etwas. Und was hat eigentlich das Flüchtlings-Mädchen vom Balkan mit der ganzen Sache zu tun, die während ihrer Arbeit im Restaurant von ihrer Chefin nicht sonderlich gut behandelt wird? Wer die Menschen getötet und auf so schreckliche Weise zur Schau gestellt hat, bleibt zunächst im Unklaren. "Die rote Jahreszeit bricht an", ist die Botschaft des Täters. Ist es wirklich der "Mann aus dem Wald", von dem zunächst alle Zeugen sprechen?

Die neue Sky-Serie ist mit ihrer packenden Handlung und ihren stark aufspielenden Hauptdarstellern mehr als nur ein klassischer Krimi, in dem ein ungleiches Ermittlerduo einen Mörder jagt. "Der Pass" gibt einen Einblick in die Zerrissenheit des Ermittlers Winter und vor allem in die Seele eines soziopathischen Mörders, dessen Motive lange im Unklaren bleiben. "Der Täter will Aufmerksamkeit, Zuschauer", sagen die Ermittler an einer Stelle. Das will Sky mit "Der Pass" auch - es wäre den Machern der Serie zu wünschen, wenn Aufmerksamkeit und Zuschauer ähnlich groß wären wie bei den vorangegangenen Sky-Serien.

Sky zeigt "Der Pass" immer freitags um 20:15 Uhr bei Sky 1. Alle Episoden werden am Freitag, den 25. Januar, auch auf einen Schlag bei Sky Ticket und Sky Go zum Abruf bereitgestellt.

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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