Nightflyers © Netflix
DWDL.de-Serienkritik

"Nightflyers": Da steckt wenig "Game of Thrones" drin

 

Während demnächst George R.R. Martins "Game of Thrones" zu Ende geführt wird, gibt's neuerdings mit "Nightflyers" einen seiner ersten Romane in Serienform zu sehen. Leider hat sich der Meisterautor hier jedoch im Genre verhoben.

von Kevin Hennings
02.02.2019 - 17:20 Uhr

George R.R. Martin ist zweifelsohne ein ganz Großer. Was Joanne K. Rowling mit "Harry Potter" schaffte, vollendet der US-amerikanische Fantasy-Autor derzeit noch mit seinem "Lied von Eis und Feuer". Nun, Rowlings Bücher waren im Gegensatz zu Martins Romanen zwar allesamt rechtzeitig dafür bereit, verfilmt zu werden. Doch sonst eint sie unbestritten, dass sie ein schriftliches sowie filmisches Vermächtnis hinterlassen werden, das beinahe konkurrenzlos dasteht. Beide haben aber auch an anderen Werken gearbeitet. Martin beispielsweise an dem Sci-Fi-Horror "Nightflyers", den er 1980 zu Papier brachte - lange vor dem ersten Teil seines größten Erfolgs. Wie packend hat der "amerikanische Tolkien" also mit seinen damals 32 Jahren geschrieben?

Offensichtlich ist, dass er sich stark von all den Weltraum-Abenteuern der damaligen Zeit hat berieseln lassen. "Solaris" lief an, während Martin schrieb, ebenso Ridley Scotts "Alien". Zweifelsohne Klassiker, die ohne Weiteres als gute Inspirationsquelle dienen. Entsprechend ähnlich kommt vieles in diesem Genre daher: Immer und immer wieder wird ein Raumschiff auf eine für die Menschheit überlebenswichtige Mission geschickt, nur um dann mit seiner Crew in ein schreckliches Verderben zu driften. Auch Martin wollte, dass seine Leser arme Seelen begleiten, die verzweifelt in die unendlichen Weiten schreien. Dummerweise werden sie dort draußen von niemandem gehört. 

Bei Martin hört das Raumschiff auf den Namen "Nightflyers". Im Jahr 2093 macht es sich samt Besatzung auf dem Weg zu einer weit entfernten Sternenrasse, die für das zukünftige Wohl der Menschheit sorgen soll. Diese hat nämlich, wie pfiffige Wissenschaftler herausfanden, die nötige Technologie, um die an ihre Grenzen gekommene Erde zu retten. Für eine Aufgabe wie diese muss natürlich eine extravagante Truppe zusammengestellt werden. Zum Abflug bereit melden sich also eine androgyne IT-Fachfrau, die dem Bordnetzwerk ganz schon nahe kommt, eine toughe Psychiaterin, ein ruppiger Biologe und ein Geisterkapitän. Genau, ein Geisterkapitän. Es ist eine krude Truppe, die ein alteingesessenes Szenario verheißungsvoll aufarbeiten kann.

Dass dies nicht der Fall ist, wurde bereits 1987 bewiesen. Schon damals wurde die erste Verfilmung von "Nightflyers" auf den Schirm gebracht. Es war ein gehöriger Flop, der in einer Zeit, in der Sci-Fi-Produktionen boomten, von Kritikern mehr oder weniger freundlich zerrissen wurde. Wenn ihr denn überhaupt Beachtung geschenkt wurde. Angekreidet wurde ihr nicht nur Lieblosigkeit, sondern auch fehlendes Budget. Ein kritischer Punkt, den Syfy, der Heimatsender der neuesten Verfilmung, die hierzulande bei Netflix zu sehen ist, immerhin beheben konnte.

Tatsächlich würde eine vernichtende Vermutung erst einmal nicht aufkommen, wenn man sich die Trailer-Bilder von der frischen "Nightflyers"-Version zu Gemüte führt. Das Raumschiff sieht wie ein ordentliches Raumschiff aus und auch die ersten Suspense-Einlagen können dafür sorgen, dass sich ganze Gruppen von Armhärchen aufstellen. Die gute Nachricht: Diese Gedanken und Situationen treten auch in der fertigen Serie auf. Die schlechte: Sie treten vereinzelt und sehr weit auseinander auf.

Zu 90 Prozent kommt "Nightflyers" mit Gesprächen und Twists daher, die sich einfach falsch anfühlen. Wer noch nie einen Sci-Fi-Film gesehen hat, könnte hier einen seichten Einstieg ins Genre finden – jeder andere wird jedoch eine Nackenstarre von all dem Kopfschütteln bekommen. Auch nach all den Jahren wurde wohl niemand gefunden, der George R.R. Martins Roman motiviert umsetzen konnte. Möglicherweise ja, weil es auch gar nicht möglich ist. Martins Geschichte strotzt vor Fremdscham-Situationen, in denen immer wieder klar wird, dass er zu der damaligen Zeit einfach kaum eine Ahnung von der Thematik hatte.

Es scheint so, als habe er sich "Alien" angeschaut und nicht mehr gedacht als: "Das wäre ein cooles Setting für mein neues Buch". Dann schrieb er einfach drauf los. Showrunner Jeff Buhler, der mit "Nightflyers" gleichzeitig sein erstes großes Projekt auf die Beine stellte, hat ebenso wie Martin nicht verstanden, dass dies ein Genre ist, das Nerdtum verlangt. Was wäre "Star Trek" ohne all die Geeks, die das Universum bis heute am Leben halten? Was wäre ein "Game of Thrones" ohne all die Komplexität und Hingabe? Nichts. Und genau deswegen ist auch "Nightflyers" nichts geworden. 

Die erste Staffel von "Nightflyers" steht ab sofort bei Netflix zum Streaming zur Verfügung.

Über den Autor

Der Gerade-noch-Volo-nun-Jung-Redakteur Kevin Hennings ist seit 2016 bei DWDL.de. Neben seiner Liebe zur Serienwelt, die er oft in Form von Kritiken und Kommentaren zeigt, hegt er eine intensive Leidenschaft für Stand-Up-Comedy und Podcasts.

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