Black Summer © Netflix
DWDL.de-Serienkritik

"Black Summer": Zombies? Zombies! Zombies.

 

Getreu dem Motto "In der Zombiewelt nichts Neues" muss man konstatieren, dass auch "Black Summer" keine denkwürdigen Innovationen in petto hat. Dennoch kann man der Netflix-Serie einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen.

von Kevin Hennings
11.04.2019 - 18:55 Uhr

Eine zehnte Staffel wurde ebenso längst bestätigt wie mehrere Filme mit Andrew Lincoln und noch eine Spin-Off-Serie, nachdem bereits "Fear the Walking Dead" auf Sendung ging. Wer Zombie-Content sehen möchte, ist mit dem "The Walking Dead"-Universum also ordentlich ausgerüstet, um unzählige schlaflose Nächte totzuschlagen. Im gleichen Gedankengang wird deshalb auch deutlich, warum ähnliche Horrorproduktionen nie so präsent wahrgenommen werden, wie die AMC-Serie. Alleine Syfys "Z Nation" vermochte es, sich ein paar Krümel vom Genre-Kuchen zu schnappen. Doch wirklich vom Hocker gerissen hat auch das niemanden. Es fehlt an frischen postapokalyptischen Zombieszenarien, die die Zuschauer an George A. Romero-Zeiten erinnern lassen. Damals, als "Dawn of the Dead" und Co. noch zahlreiche Innovationen im Genre mitbrachten.

"Black Summer" - und damit sind nicht die anstehenden Brexitverhandlungen der Briten gemeint - ist also der nächste Hoffnungsschimmer. Er schimmert noch ein bisschen stärker mit dem Wissen, dass Netflix in diesem Jahr bereits mit dem südkoreanischen "Kingdom" eine Zombie-Serie auf den Markt gebracht hat, die sich kaum mit einer anderen Produktion vergleichen lässt. Im Grunde wird auch dort eine bekannte Geschichte erzählt, jedoch mit einer komplett anderen Fassade. Das kann man von "Black Summer" allerdings nicht behauptet.

Das gewohnte Bild einer ausbrechenden Epidemie lässt sich in diesem Fall aber leicht rechtfertigen.  Schöpfer Karl Schaefer ("Eureka") und John Hyams ("Universal Soldier"), die fünf Staffeln "Z Nation" inszenierten, haben mit "Black Summer" ein Prequel geschaffen, dass drei Jahre vor der ersten Staffel von "Z Nation" spielt. Dementsprechend wurden die Weichen bereits zu einem gewissen Maß im Vorhinein bestimmt. Für Fans der Mutterserie ist das sicherlich spannend, für die allgemeine untotenliebende Masse wird damit jedoch schlicht eine Erzählung begonnen, die keine Epiphanie verspricht.

Eine Neuschöpfung des Genres wäre sicherlich schön gewesen. "Black Summer" kann Liebhaber aber auch mit technisch fein gearbeiteter 0815-Story auf eine Reise nehmen, die man im Nachhinein nicht unbedingt bereut. Während die einzelnen Charaktere in der ersten Folge in episodischen Schritten vorgestellt werden, kann man erkennen, dass das Drehbuch an manchen Stellen äußerst intensiv verfasst wurde. Beispielsweise in einer Sequenz, in der ein vermeintlich verzweifelter Familienvater an das Auto einer orientierungslosen Frau klopft und darum bettelt, ihn und seine Kinder mitzunehmen. Er appelliert an ihre mütterlichen Instinkte, ihren christlichen Glauben und versäumt es auch nicht zu erwähnen, dass er sie als starker Mann beschützen kann. Die Szene ist zweifelsohne durchsichtig und exemplarisch für alle "Twists" in dieser Serie. Doch zu einem gewissen Teil sind sie einfach packend geschrieben und inszeniert. Selten kommt das Gefühl auf, dass die Dummheit der Protagonisten verdammt werden möchte.

So authentisch die Charaktere agieren, so interessant ist auch die Beleuchtung des Militärs. Wie in jedem postapokalyptischen Szenario spielen sie natürlich die Instanz der Sicherheit, die die Nicht-Infizierten zu einem sicheren Platz bringen sollen. Dabei müssen sie schwere Entscheidungen treffen und unter anderem eine Tochter von ihrem Vater trennen, weil er am Bauch verletzt ist und das durch was auch immer entstanden sein konnte. Die Asylum-Produktion zeigt eindringlich, was der Job in diesem Moment mit einem machen kann. Immerhin wird darüber entschieden, wer leben darf und wer zurückgelassen wird. Auch fällt der argumentativ gewürzte Vorwurf einer Person, dass Soldaten doch nur Marionetten seien, die blind Befehle ausführen. Ein netter Wink gen richtiges Militär.

Doch zwischen all dem Lob für die Protagonisten darf nicht vergessen werden, dass eine Zombie-Serie im besten Fall auch gewisse Action liefern soll. An diesem Punkt müssen "Black Summer" einige Abstriche gemacht werden. Sobald eine hektische Verfolgungsjagd beginnt, spiegelt sich diese in einem kollabierenden Kameramann wieder, vor dem selbst der Inszenator von "The Blair Witch Project" salutiert.

Das sind die Momente, in denen man als Zuschauer gerne selbst Zombie wäre, um sie ertragen zu können. Wer damit auch lebendig zurecht kommt und seine Paracetamols bereit hält, um plötzlich auftretende Kopfschmerzen zu bekämpfen, könnte mit dem großen Rest eine gewisse Freude entwickeln. Dafür ist "Black Summer" an zu vielen Stellen handwerklich ordentlich gemacht und in seinen Dialogen zu packend, um es als Genre-Fan nicht zumindest versucht zu haben. Wenn es gar nicht gehen sollte, warten Sie eben auf die nächsten zehn Staffeln "The Walking Dead".

Die achtteilige erste Staffel von "Black Summer" steht seit heute bei Netflix zum Streaming zur Verfügung. 

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