Teddy Teclebrhan © ProSieben/Willi Weber
Teddy Teclebrhans neue ProSieben-Show

"1:30": Teddy mit frischer Comedy in Raabs Hallen

 

Nachdem er 2011 auf YouTube bekannt wurde und fortan durchs Land tingelte, bekommt Teddy Teclebrhan nun seine zweite Fernsehsendung: In "1:30" wird eine Art Unterhaltungsmaschinengewehr angeschmissen, das nur selten hakt.

von Kevin Hennings
28.05.2019 - 12:06 Uhr

Mitte 2012 schüttelte Teddy Teclebrhan wahrscheinlich zum ersten Mal die Hand von Stefan Raab. Knapp ein Jahr nachdem Teddys YouTube-Hit zum "Integrationstest" online gegangen ist, hat er es bei "TV Total" auf eine der größten deutschen Fernsehbühnen geschafft, die ein unbekannter Künstler damals erreichen konnte. In dem 10-minütigen Auftritt hat er nicht nur in seiner Paraderolle als Antoine geglänzt, einem seiner Alter Egos, sondern ebenfalls smooth präsentiert, dass auch die Person Teddy Teclebrhan an sich als sympathischer Entertainer daherkommt. Zuvor hatte er im gleichen Jahr bereits das ZDF TVLab gewonnen, wodurch seine erste eigene Fernsehshow für ZDFneo entstand. Auf "Teddys Show" folgt nun die ProSieben-Comedy "1:30" - abgedreht in Raabs einstigen "TV Total"-Hallen in Köln-Mülheim. 

Vier Folgen sind es zunächst, deren Inhalt genauso fix erklärt ist, wie das Format abläuft: Jede MAZ und jeder Künstler, der ein Teil von "1:30" ist, hat exakt 90 Sekunden Zeit, abzuliefern. Die Uhr tickt im Hintergrund gnadenlos auf Null herunter und macht auch keine Ausnahmen für verpeilte Auftritte, die doch etwas mehr Zeit gebraucht hätten. Mit am Start sind nicht nur zahlreichen Unterhaltungskünstler aus den verschiedensten Geschmacksschubladen, sondern auch Teddy selbst. 

Diese Rasanz verhindert die meiste Zeit über, dass man Langeweile empfinden könnte - dennoch passiert es ab und zu. Es gibt nämlich Menschen, die selbst 1 Minute und 30 Sekunden wie eine Ewigkeit wirken lassen. Beispiel: Wenn eine Gruppe weiblicher Metal-Fans zum Beat eines ohrenbetäubenden Songs zu headbangen beginnt, hat sich die Sache im Entertainment-Bereich des Gehirns des Zusehers bereits nach fünf Sekunden erledigt. Dann liegen beide Augen nur noch auf der großen Uhr im Hintergrund, die quälend langsam herunterzählt.

Das pfiffigste Konzept hätte nichts gebracht, wäre "1:30" am Ende nur eine Hülle von anödenden Auftritten gewesen. Glücklicherweise reihen sich Szenen wie die eben erwähnte selten aneinander an. Vielmehr folgt ein Moment auf den anderen, Faszination folgt auf Lachflash. Die von Raab TV produzierte Show macht vor allem deswegen Spaß, weil sie so abwechslungsreich um die Ecke kommt. Jeder Auftritt kann mit einem bestimmten Detail glänzen, welches meist locker für die 90 Sekunden ausreicht - selbst die Performance der Metal-Frauen, die zeigt, wie mit viel Selbstbewusstsein im deutschen Fernsehen geheadbanged wird. 

Einen Haken hat "1:30" leider: Teddy ist ein derartiger Wirbelwind, dass er seine Stärken nicht vollkommen ausspielen kann. Für jemanden mit einer solchen Bandbreite an Talenten - sei es tanzen, singen, improvisieren oder fetzen - ist dieses Show-Konzept in etwa das, was ein Zwinger für ein Kind mit ADHS und ohne Ritalinbehandlung sein muss. Er würde sich so gerne austoben, kann hier aber nur phasenweise explodieren. Dafür muss er seine Bühne einfach mit zu vielen anderen Acts teilen. 

Klar, eine Änderung dieser Umstände würde sich explizit mit dem Konzept der Sendung beißen. Doch wirft das die Frage auf, ob es überhaupt die "schnellste Entertainment-Sendung der Welt" braucht, um auch eine jüngere Generation zu unterhalten. Man denke nur an den Serienhype, der eindrucksvoll demonstriert, dass es keine kurzen Formate mit YouTube-Video-Länge braucht, um die junge Zielgruppe nachhaltig zu erreichen. Man könnte die These aufstellen, dass Teddy Teclebrhan bereits in einer ersten Sendung "Teddys Show" bestens aufgehoben war und nur der versteckte Sendeplatz letzten Endes dafür gesorgt hat, dass es nicht mehr als zehn Folgen wurden. Nun läuft Teddy direkt nach "Joko und Klaas gegen ProSieben" - dort dürfte das anvisierte Publikum die Sendung problemlos finden - allerdings in einer Sendung, die ihn als Moderator semi-nötig hat.

Damit soll seine Leistung und sein Engagement in "1:30" keineswegs geschmälert werden. Die Zeit, die er persönlich bekommt, nutzt er zu 100 Prozent. In jeder Sekunde nimmt man ihm ab, wie viel Vergnügen er bei der Sache hat und wie sehr er es genießt, Show-Elemente mit Studiointeraktion zu vereinen. Durch die unbändige Energie, die Teddy in den Raum wirft, fällt der unmittelbare Vergleich zu einem vorherigen oder darauffolgenden Künstler meist sogar so drastisch aus, dass die Antwort auf die Frage "Welcher Auftritt war in dieser Folge dein liebster?" eigentlich nur mit "Der von Teddy!" beantwortet werden kann. Ein geborener Entertainer eben. 

Die zunächst letzten drei Episoden von "1:30" laufen am 4., 18. und 25. Juni um jeweils 22:50 Uhr auf ProSieben. 

Über den Autor

Der Gerade-noch-Volo-nun-Jung-Redakteur Kevin Hennings ist seit 2016 bei DWDL.de. Neben seiner Liebe zur Serienwelt, die er oft in Form von Kritiken und Kommentaren zeigt, hegt er eine intensive Leidenschaft für Stand-Up-Comedy und Podcasts.

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