The Masked Singer © Screenshot ProSieben
DWDL.de-TV-Kritik

"The Masked Singer": ProSiebens Musik-Ratespaß geht voll auf

 

Nun ist klar, weshalb auch RTL "The Masked Singer" unbedingt haben wollte. Die neue ProSieben-Show ist trotz ein paar Längen zum Auftakt ein sehr unterhaltsames Format, das wirklich das Zeug dazu hat, die Zuschauer mitzureißen.

von Timo Niemeier
28.06.2019 - 00:22 Uhr

Die Entstehungsgeschichte der deutschen Adaption von "The Masked Singer" ist so ungewöhnlich, dass sie unbedingt noch einmal erzählt gehört. Eigentlich wollte sich RTL die Rechte an dem Format sichern, das in den USA zuletzt für viel Furore gesorgt hat. In Köln ging man sogar davon aus, den Zuschlag von Endemol Shine zu erhalten. Letztendlich schnappte aber doch ProSieben zu, kurzerhand überbot man die Kölner. Die Produktionsfirma und RTL liegen seither in einem mehr oder weniger offenen Streit - und ProSieben hat einen neuen Show-Hit, zumindest die erste Ausgabe hat nun jedenfalls auf Anhieb überzeugt. 


Vor allem das Vorhaben, die Zuschauer zum Mitmachen zu bewegen, funktioniert dank des Konzepts sehr gut. Wer "Masked Singer" sieht, kann sich gar nicht dem Drang entziehen, selbst mitzuraten, wer sich hinter dem Kakadu, Astronaut, Schmetterling oder auch dem Monster-Kostüm verbirgt. Auf Twitter setzte noch vor den jeweiligen Auftritten bereits das große Raten ein: Verona Pooth? Hella von Sinnen? Joko? Oder doch Jan Delay? 

Das tolle ist: Es gibt nahezu keine Grenzen. Auch wenn am Ende Lucy Diakovska (No Angels) rausgeflogen ist und damit der Verdacht genährt wird, dass man vor allem ProSieben-nahe Promis gecastet hat - man weiß es eben nicht. Und so lebt die Show sehr von der Ungewissheit: Vielleicht steckt unter einer Maske ja wirklich eine Person, von der man das nie erwartet hätte. Auch die wilden Spekulationen des Rateteams machen Laune. Da tippen Rea Garvey, der zum Auftakt Gast-Experte war, Ruth Moschner, Max Giesinger und Collien Ulmen-Fernandes auf alle möglichen Promis, von denen man schon fast vergessen hatte, dass es sie irgendwann mal gab. 

Besonders unterhaltsam ist es, wenn das Rate-Team kein Blatt vor den Mund nimmt. Lou Bega? Der ist doch längst pleite. Andreas Bourani? Könnte sich auf der Bühne outen. Und Witze über Verona Pooth und Boris Becker gehen schließlich auch immer. Und im Hintergrund schwingt immer das Gefühl mit: Was wäre eigentlich, wenn das auf der Bühne gerade wirklich einer der Genannten war? Bei ihren ständigen Versuchen, die Promis hinter den Masken zu enttarnen, spielen sich die Experten auch schon sehr gut die Bälle zu. Das alles wirkt auch weniger aufgesetzt als zum Beispiel bei "The Voice". Vielleicht auch, weil "Masked Singer" eben kein Wettbewerb der Juroren ist - die hier ja nicht einmal Juroren sind. 

The Masked Singer

Das "The Masked Singer"-Studio kommt sehr auffällig daher. 

Auch Matthias Opdenhövel machte seine Sache zum Auftakt bereits sehr gut und konnte seine Spontaneität im Verlaufe des Abends immer besser ausspielen, ihm kommt es zu Gute, dass ProSieben die Show live zeigt - übrigens als erster Sender überhaupt weltweit. "Max, du hast heute das beste Dekolleté", sagte er irgendwann zu Max Giesinger, der tatsächlich sehr tief blicken ließ. "Daraus stricken wir das nächste Kostüm", entfuhr es Opdenhövel, der übrigens einer der wenigen Eingeweihten ist. Er weiß, wer sich hinter den Masken verbirgt. Laut Senderchef Daniel Rosemann ist er damit nur einer von acht Personen

Auch die Kostüme und Masken selbst sind ProSieben und Endemol Shine gut gelungen. Sie sind sehr unterschiedlich, mal bunt, mal ernst - und oft sehr teuer. Im Schnitt 15.000 Euro sollen sie gekostet haben. Sie machen aber auch einen großen Teil des Charmes aus. Wenn das Monster mit seinen ausgeleierten Armen etwa versucht zu klatschen, sieht das einfach nur sehr ulkig aus. Oder der Grashüpfer, der mit seinem Stock wie ein Gentleman alter Schule wirkt. 

Es gibt aber auch Verbesserungspotenzial

Doch wie jedes neue Format, hat auch "The Masked Singer" zum Start ein paar Schwächen offenbart. So ist die Zeit, in der gesungen wird, im Vergleich zur gesamten Sendedauer recht kurz. Dadurch wirkt die Show an der ein oder anderen Stelle etwas langatmig. Es war kurz vor 21 Uhr, als man bereits das erste Mal aus der Werbung kam, da waren erst zwei Auftritte absolviert. Auch in den ersten paar Minuten hätte das Format mehr Bumms vertragen können. Hier war "Masked Singer" noch etwas sehr zurückhaltend. Die Show ist die neue große Hoffnung für ProSieben, das kann man gerne auch zeigen, in dem man ordentlich auf den Putz haut. 

Auch die Fragen, die das Rate-Team an die unbekannten Sänger stellen kann, sind quasi völlig entbehrlich, weil sowieso nichts dabei rumkommt. Und auch die Einspieler vor den Auftritten, die Hinweise auf die maskierten Sänger geben sollen, verwirren mehr als sie helfen. Das ist natürlich genau so gewollt, um das Rätseln der Zuschauer anzufachen. Wenn dann aber selbst Lucy im Anschluss an ihre Demaskierung erklärt, sie wisse auch nicht so genau, was es mit den Hinweisen auf sich hatte, läuft irgendwas falsch. 

In jedem Fall ist "The Masked Singer" mehr Rate- als Musikshow. Und damit bringt ProSieben eine Farbe ins deutsche Fernsehen, die es so zuvor noch nicht gegeben hat. Deshalb macht es so viel Spaß, der Show zu folgen. Und weil sich der Autor dieses Textes neben der Frage, wieso der Titelsong zur Show ausgerechnet der von "CSI" ist (The Who - Who Are You), auch Gedanken zu den möglichen Kandidaten gemacht hat, kommt hier eine garantiert zu 100 Prozent falsche Liste mit Tipps zu den verbliebenen Promis, die hinter den Masken stecken könnten. 

  • Engel - Dero Goi (Oomph!)
  • Monster - Joy Gruttmann (Schnappi, das kleine Krokodil)
  • Grashüpfer - Lou Bega (vom Rate-Team inspiriert)
  • Panther - Bahar (Monrose)
  • Kudu - Daniel Aminati
  • Kakadu - Jürgen von der Lippe
  • Eichhörnchen - David Hasselhoff
  • Schmetterling - Martina Hill
  • Astronaut - Max Mutzke

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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